Fachkräftemangel bereitet Sorgen

WIRTSCHAFT  Konjunkturklimaindex im IHK-Bezirk Lahn-Dill auf Rekordhoch / Banken bauen Stellen ab

Bei den Unternehmen im Dillkreis herrscht der Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) zufolge schon über einen längeren Zeitraum Hochkonjunktur. Die Unternehmen möchten deshalb weiter investieren und sind auf der Suche nach neuem Personal. Das Problem: Es fehlt an gut ausgebildeten Fachkräften. (Foto: dpa)

(Grafik: Crepaldi)

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IHK-Präsident Eberhard Flammer, IHK-Geschäftsführer Andreas Tielmann und IHK-Mitarbeiter Armin Kuplent präsentierten am Montag die Ergebnisse des Konjunkturberichts für die heimische Wirtschaft (siehe Kasten). Das dreimal jährlich angefertigte Stimmungsbarometer zeigt die aktuelle Lage der Unternehmen und wie sie die Zukunft einschätzen.

Und dieser Blick in die Zukunft ist weiterhin durchaus positiv. Der Konjunkturklimaindex, ein Gradmesser für die allgemeine Stimmungslage, ist im Umfragezeitraum Mitte Dezember 2017 bis Januar 2018 – weiter gestiegen und liegt nun mit 134 Punkten auf einem Allzeithoch. Insgesamt schätzen 94 Prozent der Unternehmen ihre aktuelle Lage als gut oder befriedigend ein. Zudem gehen 28 Prozent der Firmen von einer günstigeren und 65 Prozent von einer unveränderten Geschäftslage für die nächsten zwölf Monate aus. „Diese Zahlen sind beachtlich“, freut sich Kuplent, Berater für Existenzgründer.

Die beste Stimmung herrscht der Umfrage zufolge in der Industriebranche. „Das freut uns als stark industriell geprägte Region natürlich sehr“, sagt IHK-Geschäftsführer Tielmann. „Uns geht es gut, wenn es der Industrie gut geht.“

Die schlechteste Stimmung herrsche dagegen im Versicherungs- und Kreditgewerbe. Die Banken litten unter den niedrigen Zinsen und rechneten mit weiterem Stellenabbau.

Für Eberhard Flammer ist es zudem wichtig, dass die Unternehmen in Zeiten des Aufschwungs auch daran denken, dass die Zeiten einmal wieder schlechter werden. „Erfolg darf nicht zu Sorglosigkeit verleiten“, hebt der IHK-Präsident hervor.

Export

Die heimischen Unternehmen bauen auch in Zukunft weiter auf Geschäfte mit Partnern aus dem Ausland. Von Januar bis November 2017 betrug der Anteil des Auslandgeschäfts am Umsatz des verarbeitenden Gewerbes 43 Prozent, dabei stammt über die Hälfte des Exportumsatzes aus Ländern von außerhalb der Euro-Zone. „Die Exportzahlen brummen“, fasst Kuplent die derzeitige Entwicklung zusammen. Insgesamt haben die Industriebetriebe an Lahn und Dill mit mehr als 50 Beschäftigten ihre Ausfuhren um acht Prozent gesteigert.

IHK-Chef Tielmann: „Die heimischen Unternehmen haben Europa viel zu verdanken.“

Im vergangenen Jahr hatten die Experten mit Blick auf die Wahlen in Frankreich noch mit Sorge in die Zukunft geschaut. Doch als die rechtsextreme Marine Le Pen die Wahl verlor, war das „ein Stimmungstreiber erster Güte“, wie IHK-Präsident Flammer sagt. „Danach ist der Glaube an Europa wieder gestiegen.“

Für 2018 gehen 38 Prozent der Unternehmen noch von weiter steigenden Exportumsätzen aus. „Auch daran sieht man, wie viel wir Europa zu verdanken haben“, ergänzt Tielmann.

Fachkräftemangel

Der anhaltend positive konjunkturelle Trend lässt auch den Personalbedarf weiter steigen. Ein Viertel der befragten Unternehmen plant, in den nächsten zwölf Monaten die Belegschaft zu vergrößern. Bei den Industriebetrieben ist es gar ein Drittel.

Doch es gibt ein Problem: Die Unternehmen finden keine qualifizierten Arbeitskräfte. Mehr als die Hälfte der Befragten sieht den voranschreitenden Fachkräftemangel als größtes Risiko für die Zukunft vor den steigenden Arbeitskosten und den Energie- und Rohstoffpreisen. IHK-Mann Kuplent: „Diese Entwicklung wird uns noch länger beschäftigen.“

Besonders mache sich der Fachkräftemangel im Baugewerbe bemerkbar: Dort sehen ihn 79 Prozent der Firmen als größtes Risiko.

Um dem entgegenzuwirken, müsse weiter für die Ausbildung geworben werden, fordert IHK-Präsident Eberhard Flammer. „Wir müssen den jungen Menschen zeigen, dass nicht nur das Studium ein Weg zum Erfolg ist.“ Eine weitere Möglichkeit sei es, Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Flammer dazu: „Die Gesellschaft muss sich trauen, die Zugewanderten durch eine Ausbildung zu qualifizieren.“


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