Für Nazis war kein Platz

DEMO 1000 Menschen verhindern den Marsch der Rechtsextremen

Gut 1000 Menschen zogen in die Bahnhofstraße, um gegen den Aufmarsch der Rechtsextremen und für Demokratie zu demonstrieren. (Foto: Wingender)

Blumen und Luftballons brachten Farben ins Stadtbild. „Wetzlar ist keine Nazistadt“ steht auf dem Schild dieser Frau. (Foto: Wingender)

Meditieren als stiller Protest: Dieser Mann (r.) blieb vor den Coloraden auch auf dem Boden sitzen, als die Teilner der rechtsextremen Demo aufzogen. (Foto: Wingender)

Ein großes Polizeiaufgebot trennte rund um den Bahnhof die beiden Kundgebungen. (Foto: Wingender)

Die Themen der AfD stehen beim „Faktencheck Rechtspopulismus“ zwar im Fokus, doch auf den Straßen der Region macht der rechte Rand der Gesellschaft in den vergangenen Monaten häufig mobil. Bei beiden Bewegungen sind es oft Frauen – hier: Demo-Anmelderin Melanie Dittmer – die in der vordersten Reihe stehen. (Archivfoto: Wingender)

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Zu bunt für Rechts

Die große Kundgebung, zu der ein Bündnis aus Bürgern, Gewerkschaften, Vereinen und Initiativen, Politik und Kirchen aufgerufen hatte, ließ den Neonazis keinen Platz. Aus dem geplanten Marsch der Rechtsextremen durch die Innenstadt und Altstadt wurde nichts, sie kamen am Samstagnachmittag nur wenige Meter weit.

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Die Polizei zählte etwa 80 Personen der Neonaziszene aus mehren Bundesländern, die sich vor den Coloraden in der Bahnhofstraße versammelten. Weil Gegendemonstranten ihnen den Weg versperrten, blieb ihnen nur der Rückweg zum Bahnhof, wo sich die Versammlung gegen 19 Uhr auflöste.

Ein großes Aufgebot der Polizei trennte die Teilnehmer der Kundgebungen, die sich direkt gegenüberstanden. Ein ohrenbetäubendes Konzert von Trillerpfeifen und Hupen übertönte die von einem Lautsprecherwagen der rechtsextremen „Thügida“ übertragenen Redebeiträge der Rechten. Mitglieder des Motorradclubs „Kuhle Wampe“ ließen die Motoren ihrer Maschinen aufheulen, aus Lautsprechern des DGB-Veranstaltungslasters wummerten Bässe.

An vielen Stellen in der Stadt hatten die Wetzlarer optische Zeichen für Vielfalt und Frieden gesetzt

Vor den Coloraden hatten am Vortag viele Kinder mit Kreide bunte Bilder aufs Pflaster gemalt. Offenbar hatten Anhänger der rechten Szene in der Nacht versucht, die Bilder zu entfernen, allerdings mit mäßigem Erfolg.

Die Gegenkundgebung hatte bereits gegen 15 Uhr am Busbahnhof begonnen, wo Oberbürgermeister Manfred Wagner (SPD) sprach. Die Nazis hätten einst eine ganze Generation um ihre Kindheit gebracht. „Die geistigen Enkel der braunen Verbrecher haben aus der Geschichte nichts gelernt.“ Geschichte dürfe sich nicht wiederholen, sagte Wagner. „Wir in Wetzlar stehen für Vielfalt statt Einfalt, wir stehen für ein buntes Wetzlar.“ Wagner verwies auch auf die internationalen Firmen Wetzlars, sie stünden für diese Werte und seien auch Botschafter der Stadt.

Redebeiträge gab es unter anderem auch von Landrat Wolfgang Schuster, der Bundestagsabgeordneten Dagmar Schmidt (SPD), Arne Beppler vom DGB sowie den evangelischen und katholischen Dompfarrern Björn Heymer und Peter Kollas.

Weil Gegendemonstranten sowohl die Bahnhofstraße als auch die Bannstraße blockierten, zog die Gruppe der Rechtsextremen zurück zum Bahnhof. Die Bundespolizei hatte gegen 17 Uhr das Gelände gesperrt, erst gegen 19 Uhr wurden die Teilnehmer der rechten Demo in den Bahnhof geleitet. Etwa 60 Teilnehmer der rechtspolitischen Demonstration sammelten sich im Anschluss am Bahnhof in Ehringshausen. Die Polizei löste das Treffen auf und sprach Platzverweise aus.

Insgesamt blieben die Proteste friedlich, größere Zwischenfälle verzeichnete die Polizei nicht. Auf beiden Seiten habe es mehrere vorläufige Festnahmen gegeben, berichtete Polizeisprecher Guido Rehr, unter anderem wegen Verstößen gegen das Vermummungsverbot. Zwei Personen zeigten den Hitlergruß. Teilnehmer der Gegendemo hatten außerdem einen Redner der Rechten mit Tomaten beworfen.

An vielen Stellen in Wetzlar hatten Menschen optische Zeichen gegen die rechte Demo gesetzt. In der Altstadt spannten Anwohner mit bunten Bändern von Haus zu Haus ein „Netz der Nachbarschaft“. Am Kreishaus prangte ein großes Transparent mit dem Satz „Die Würde des Menschen ist unantastbar“. An der Alten Lahnbrücke wehten Europafahnen. Die IHK und heimische Unternehmen zeigten ein Banner gegen Rassismus am Buderusplatz.

 


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Kommentare (2)
Hier in langenhagen ist das nicht anders.Es gilt nur eine Meinung und das Volk Jubelt.So war das auch vor 80 Jahren und später in der "DDR".
Das Ergebnis ist bekannt...
Eins vorweg. Ich kann mit der NPD und ihren Ideologien absolut nichts anfangen.
Aber warum werden hier die Störer nicht einfach aufgehalten? Die Demo
war ordnungsgemäß angemeldet. Sollte es ein rechtliches Nachspiel mehr
geben, wäre
dass doch zum Nachteil der Menschen, weiche die Gegendemo organisiert haben?
Man würde sich doch dadurch ins eigene Fleisch schneiden.
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