Hund mit Riesentumor "entsorgt"

TIERHEIM Nachts in die Fundklappe

Wem gehört diese Schäferhündin? Das arme Tier mit einem riesigen Mammartumor wurde in der Nacht zum Dienstag anonym in der Fundklappe des Tierheims abgegeben. (Foto: privat)

Viel weiß Melanie Vornholt vom Team des Tierschutzvereins Wetzlar noch nicht über die Hündin. Vor allem weiß sie, dass deren Zustand lebensbedrohlich ist. Es müsse schnellstmöglich operiert werden, andernfalls drohe der riesige Mammatumor zu platzen. Der Tumor hänge zwischen den Hinterbeinen, die Hündin könne kaum laufen.So ein Mammartumor bilde sich häufig bei nicht kastrierten Hündinnen im hohen Alter. Vornholt schätzt das Alter des Tieres auf sieben bis neun Jahre. Es sei eine freundliche Hündin, aber das könne nicht über den schlimmen Zustand hinwegtäuschen. Die Zähne seien „runter“, das Fell stinke übel, berichtete Vornholt.

Wer die Schäferhündin mit unbekanntem Namen in die Fundklappe gegeben hat, weiß niemand. Zwar ist das das Tier gechippt, doch die Angaben führten bislang in eine Sackgasse. Registriert ist dort lediglich die frühere Besitzerin, die die Hündin schon vor Jahren an jemand anders weitergegeben hatte. Da verliert sich die Spur.

Vornholt will nun unter anderem mit Hilfe eines Fotos bei Facebook nach dem Besitzer oder der Besitzerin suchen. Auch eine Anzeige bei der Polizei plant der Tierschutzverein. „Das kann man nicht so stehen lassen“, sagte Vornholt.

Kein Einzelfall: Anonyme Abgabe von kranken Tieren nimmt erschreckend zu

Dass kranke Tiere wie die Schäferhündin anonym beim Tierheim „entsorgt“ werden, komme immer häufiger vor, berichtete Vornholt. Während in der laufenden Urlaubszeit mit sechs Hunden, acht Katzen und drei Nagern die Zahl der abgegebenen und ausgesetzten Tiere im Vergleich zu anderen Jahren eher gering ausfalle, sei die Entwicklung bei den Krankheitsfällen besorgniserregend. Ein weiterer krebskranker Hund mit vielen Tumoren und ausgestochenen Augen sei darunter gewesen. Vornholt geht stark davon aus, dass die hohen Kosten für die Operationen jeweils schuld daran sind, dass die Besitzer ihre Tiere loswerden wollen.

Im Fall der Schäferhündin geht Vornholt von rund 1000 Euro für den Eingriff aus plus Nachbehandlung. Die Operation soll so schnell wie möglich stattfinden, egal wie, sagte Vornholt. Der Tierschutzverein werde dafür sorgen und versuchen, das Geld über Spenden aufzubringen. Das Tierwohl gehe vor.

130 Hunde, Katzen und Nager habe das Tierheim seit Jahresbeginn aufgenommen. Stark zunehmen würden die Abgaben und Funde von Nagern, „die sich oft in einem katastrophalen Zustand befinden“, berichtete Vornholt.


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Kommentare (1)
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