Kein Anschluss in der Nacht

Verkehr  Neue Spätzüge verbinden Rhein-Main und Lahn-Dill / Anbindung an Busse fehlt

Der Wetzlarer Busbahnhof zu vorgerückter Stunde: Zwar gibt es einen Spät-, aber keinen Nachtverkehr im Lahn-Dill-Kreis. Das bedeutet, dass Nutzer der neu eingerichteten Spätverbindung aus dem Rhein-Main-Gebiet von den Bahnhöfen entlang der Dillstrecke nach Hause laufen oder eben mit dem Auto fahren müssen. (Foto: R. Schwarz)
Knut Ringat. (Foto: Jana Kay/RMV)
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Denn wenn der letzte Zug ankommt, samstag- und sonntagmorgens um 2.19 Uhr und unter der Woche um 0.21 Uhr (Zeiten für Wetzlar), fährt dort längst kein Bus mehr. Weder in Wetzlar oder Dillenburg noch in den Landgemeinden. Einen Bus-Nachtverkehr gibt es im Lahn-Dill-Kreis nicht.

Beispiel Wetzlar: Werktags zwischen ab 19 Uhr dünnt sich der reguläre Busverkehr langsam aus. Wo tagsüber auf der starken Linie 12 bis zu vier Busse pro Stunde vom Krankenhaus zum Bahnhof fahren, ist es ab 19 Uhr nur noch einer. Betriebsschluss auf den meisten Linien: zwischen 21 und 22 Uhr. Als allerletzter Bus in der Stadt dreht die Linie 007, der Spätbus, ab 22.25 Uhr seine Runden. Letzte Abfahrt am Bahnhof: 23.47 Uhr – wobei diese Fahrt dann nur noch ins Westend geht. Wer woanders wohnt, muss Taxi fahren oder notfalls laufen.

Vom Bahnhof Herborn gibt es werktags nach 21 Uhr keinen Bus-Anschluss mehr in die Umlandgemeinden

Ähnlich sieht es im Überlandverkehr der Verkehrsgesellschaft Lahn-Dill-Weil (VLDW) aus. Wieder das Beispiel Wetzlar: Am Bahnhof fährt um 23.21 Uhr der letzte Bus ins Land, die Linie 24 über Lahnau nach Gießen – sonntags gibt es noch eine weitere Fahrt um 0.24 Uhr. Richtung Hüttenberg ist werktags um 21.47 Uhr Schluss, nach Greifenstein und Braunfels um halb elf.

Am Herborner Bahnhof ist der letzte Bus zu dieser Zeit sogar schon an seinem Ziel angekommen: Um 20.50 Uhr bricht der letzte Stadtbus auf, der letzte Überlandbus vier Minuten vorher. In Zahlen: Werktags kommen nach 21 Uhr in Herborn 13 Züge an – es fahren aber null Busse ab.

Der Fahrgastverband „Pro Bahn“ kritisiert den seiner Ansicht nach zu frühen Betriebsschluss. „Die lokalen Nahverkehrsorganisationen sind gefordert, zu den späten Bahnverbindungen attraktive Anschlüsse im Lokalbusverkehr anzubieten“, heißt es in einer Pressemitteilung. In diesem Fall ist sich „Pro Bahn“ sogar mir dem sonst oft kritisierten RMV einig. Dessen Geschäftsführer Knut Ringat hatte bei der Vorstellung des S-Bahn-Nachtverkehrs in Frankfurt gesagt: „In Zukunft soll es nicht nur Nachtzüge in die Region geben, sondern auch Busse, die daran anschließen.“

Passiert das? Auf absehbare Zeit sieht VLDW-Geschäftsführer Dirk Plate keine Chance für flächendeckende Busanschlüsse zu den letzten Zügen. Der Aufwand dafür sei einfach zu hoch. „Die Busfahrer müssten lange warten, und das für vermutlich nicht sehr viele Fahrgäste.“ Zumal sich auch die Frage stelle, welche Orte und Bahnhöfe man nachts noch anbinde. Das komplette Netz könne dies nicht sein. Aber: Laut Plate will der RMV die Nutzung der neuen Spätverbindungen beobachten. „Wenn doch jedes Mal in Wetzlar 50 Leute aussteigen und zehn in Ehringshausen, dann müssen wir neu überlegen.“

Und in Wetzlar? Dort stellt Manfred Schieche von der Lokalen Nahverkehrsbehörde die Frage: Wo will der Fahrgast hin? Für eine gute Anschlusssicherung zum Zug müsse man vielleicht nicht alle, wohl doch aber sieben oder acht Stadtbuslinien fahren lassen. „Das anzubieten für eine Handvoll Leute, ist wirtschaftlich allerdings nicht darstellbar.“

Auch der Idee, einzelne Fahrten der ja bereits bestehenden Spätbuslinie hinzuzufügen, räumt Schieche wenig Chancen ein. „Hier und da mal einzelne Fahrten zu ergänzen, ist nicht sachgerecht. Wenn in Zukunft für den ÖPNV mehr Geld bereit stehen sollte, dann sollte es dort Verstärkungen geben, wo es Sinn macht“, sagt er. Und nennt ein Beispiel: den Wochenendverkehr. Der ist, vor allem am Sonntag, im Lahn-Dill-Kreis und in Wetzlar äußerst schwach auf der Brust. (pre)

 

NACHTVERKEHR AUF DEN SCHIENEN
Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember hat sich der Nachtverkehr im Gebiet des Rhein-Main-Verkehrsverbundes verbessert: In den Nächten vor Samstagen, Sonn- und Feiertagen fahren jetzt nicht nur die S-Bahn-Linien durchgehend, auch bei Regionalzügen sind Fahrten hinzugekommen, zum Beispiel nach Gießen, Dillenburg und Marburg. Die letzte Verbindung in diesen Nächten startet in Frankfurt um 0.46 Uhr und erreicht Dillenburg um 2.52 Uhr. Unter der Woche ist der letzte Zug aus Frankfurt um 0.50 Uhr in Dillenburg. (pre)


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Kommentare (1)
Bei Einführung einer Spätverbindung kann man nicht nicht gleich erwarten, das Fahrgäste kommen. Meine Spät Schicht dauert bis 22 Uhr. Dank miserabler Verbindung, Auto gekauft. Wechsel, ist eben mL nicht so.
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