Lauter Loopings – ohne Geraden

Neuer Roman von Georg Meier
Georg Meier bleibt seinem Stil auch in seinem neuen Roman treu. (Fotos: Dittrich-Verlag/Scholz)
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Um allen Fans gleich Gewissheit zu geben: Der Wahl-Hamburger, der im vergangenen Sommer zu einem Georg-Meier-Abend in den "Ulenspiegel" gekommen war und 2010 auf Lesereise mit Schauspieler Martin Semmelrogge auch in Lich gastierte, bleibt sich treu.

Auch im neuen Roman geht es inhaltlich und sprachlich ordentlich zur Sache. Aber : Trotz aller Rasanz und Deftigkeit zeichnet sich die Elvis-Geschichte wie die drei Vorgänger-Romane und der Erzählband "Kein weiter Weg vom Pudding Shop zum Père Lachaise" durch literarische Qualität aus. Denn Meier ein scharfsinniger Analytiker und ein exakter Erzähler, so dass sich Gesellschaftskritik und Lesespaß gekonnt die Waage halten.

Doch worum geht es im neuen Roman? Das Ganze spielt im Jahr 1977. Soeben ist Hans Lubkowitz nach sieben Jahren Haft aus dem Gefängnis entlassen worden, und der Ex-Knacki muss feststellen, dass sich Deutschland verändert hat.

Der Autor kennt das Gefühl, dass sich die Welt verändert

Elvis ist gerade eine Woche tot, die Arbeitslosigkeit steigt, der RAF-Terrorismus bedrängt das Land und auch die Zahl der Ausländer hat sich vergrößert.

"Plötzlich sind ganze Viertel türkisch. Lubkowitz hat nichts gegen Ausländer, aber ihm ist unbehaglich", erklärt Georg Meier die Haltung seines Protagonisten. Das ändert sich, als der 31-Jährige auf den 18-jährigen Türken Bülent trifft, der wie Lubkowitz Angst hat – allerdings vor der deutschen Gesellschaft. Die beiden werden schließlich Freunde und bauen ihre Vorurteile ab.

Bülent hat eine verblüffende Ähnlichkeit mit Elvis, auch stimmlich, weshalb der junge Mann mit aller Macht die Bühne erobern will.

"In meinen Büchern spielt Ironie immer eine wichtige Rolle, kuriose Situationen sind quasi die Girlande des Romans. Das ist auch im neuen Buch so. Allerdings stecken hinter dem Witz immer auch tiefere Einstellungen von mir, beispielsweise im neuen Roman zum Thema Integration", so der Schriftsteller.

In allen seinen Figuren stecke immer ein bisschen von ihm. Ein Beispiel? Der Elvis-Roman beginnt nach dem Prolog damit, dass Lubkowitz aus dem Gefängnis entlassen wird. Eine Situation, die Meier – der in jungen Jahren selbst einige Monate im Gefängnis war – aus eigener Erfahrung kennt.

1947 in Gießen geboren führte Georg Meier nach seiner Ausbildung zum Koch von Mitte der sechziger bis Anfang der siebziger Jahre ein wechselhaftes Leben als Weltenbummler, Hippie und Gelegenheitsjobber, um dabei auch mit Drogen und der Justiz in Kontakt zu kommen. Mitte der 1970er zog es ihn mit seiner Frau nach Hamburg, wo er zunächst als Gastronom und ab 2008 mit dem Debüt "Alle waren in Woodstock – außer mir und den Beatles" als Schriftsteller arbeitete.

Doch zurück zu dem Gefühl, dass sich die Welt verändert. "Die Denkweise meiner Figuren ist nicht unbedingt meine, doch ich kann mich einfühlen, weil ich selbst prekäre Situationen kenne", erzählt der Autor, der seine Texte gern in Randzonen um Außenseiter und Verlierer spielen lässt. Dabei geht es ihm immer auch um Gesellschaftskritik. "Der neue Roman ist ein Plädoyer für Toleranz und Verständnis, gegen Intoleranz und Fanatismus und schlechte Musik", so Meier.

Übrigens: Literaturfreunde dürfen sich jetzt schon freuen, denn im kommenden Herbst werden Autor Meier und Schauspieler Semmelrogge erneut in die Region kommen: Am 18. September wird um 20 Uhr eine Lesung in der Aula der Friedberger Augustinerschule stattfinden. Der Eintritt kostet 10, ermäßigt 8 Euro und der Vorverkauf startet am 15. Juli. Und am 20. September um 20 Uhr gastieren Meier und Semmelrogge dann im Licher Kino Traumstern, der Eintrittspreis beträgt 15, ermäßigt 12 Euro.

Der 520 Seiten starke Roman "Das Jahr der wundersamen Elvis-Vermehrung" ist im Verlag Dittrich erschienen und kostet 24,80 Euro.


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