Lautes Schweigen im Innenhof

RUNDGANG 50 Bürger erinnern an das jüdische Leben in Hüttenberg

Reger Andrang in einem Innenhof in der Hauptstraße in Hochelheim: Knapp 50 Gäste folgten der Einladung zum Rundgang.

Bilder und Informationen über die damaligen jüdischen Mitbürger zeigen die neuen Gedenktafeln, die jetzt an den fünf ehemaligen Wohnhäusern aufgehängt wurden. (Fotos: Ohlwein)

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Diese Szene war die emotionalste auf einem 90-minütigen Rundgang durch Hochelheim und Hörnsheim am Donnerstagabend. Der Besuch fünf ehemaliger Wohnstätten jüdischer Mitbürger stand auf dem Programm, darunter auch des Hauses von Simon und Mathilde Rosenbaum. Die Rosenbaums waren 1941 nach Litauen deportiert, kurz nach ihrer Ankunft dort erst zu einer Grube getrieben, dann hineingeprügelt und schließlich mit Maschinengewehren erschossen worden.

"Die Mathilde wollte immer weggehen, aber ihr Mann glaubte ihr nicht"

Als am Donnerstag das Schweigen nach Schmidts Worten, dass mit der Ermordung von Simon und Mathilde Rosenbaum das fast 250-jährige jüdische Leben in Hochelheim geendet habe, nicht aufhören wollte, brach Schmidt selbst den Bann und sagte, dass sie gerne einen besseren Ausgang der Geschichte erzählt hätte.

Doch nicht nur in der Wetzlarer Straße erinnerten sich die Anwesenden an Erzählungen von Eltern und Großeltern über die ehemaligen jüdischen Mitbürger. "Die Mathilde", erzählte ein Bürger, "die hat immer zu ihrem Simon gesagt, dass sie die nächsten seien und sie weggehen sollten und das danach dann die Christen dran seien. Leider hat er ihr nicht geglaubt."

Die Reise war zuvor in der Hochelheimer Hauptstraße losgegangen und führte bis zur Ringstraße nach Hörnsheim. An jedem der insgesamt fünf Häuser wurden Gedenktafeln angebracht, die an die Familien von Franziska Jordan, Simon und Mathilde Rosenbaum, Liebmann Rosenbaum, Julius und Kathinka Rosenbaum sowie Simon und Therese Rosenbaum erinnern. "Vielen Hüttenberger Bürgerinnen und Bürgern ist diese vielfältige Erinnerung ein wichtiges Anliegen: Sie haben ehrenamtlich am Konzept und auch an der handwerklichen Umsetzung der Erinnerungsstätte auf dem alten Friedhof mitgewirkt und waren auch in der Arbeitsgruppe zu den Haustafeln aktiv", lobte Bürgermeister Christof Heller das Engagement.

Bei Schmidts Ausführungen wurde immer wieder deutlich, wie sehr diese jüdischen Familien in das Gemeindeleben integriert und keineswegs ausgegrenzt waren. Simon Rosenbaum gründete beispielsweise 1905 gemeinsam mit anderen Hochelheimern den TV Hochelheim, der später mit dem TV Hörnsheim im TV Hüttenberg mündete.

"Die Gedenktafeln, die wir heute einweihen, die im vergangenen Jahr aufgestellte Erinnerungstafel auf dem alten Hochelheimer Friedhof und auch die Publikationen zum jüdischen Leben in unserer Gemeinde sind so gestaltet, dass die thematische Zusammengehörigkeit sehr leicht wiederzuerkennen ist", führte Heller aus. Die Tafeln hängen an fünf Häusern im Ortsteil Hüttenberg und beinhalten neben Fotos auch Informationen zu den jeweiligen Bürgern.


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