Leben mit der Straße vor der Tür

TAG GEGEN DEN LÄRM Garbenheim wartet seit Jahren auf eine Lärmschutzwand an der B 49

Blick auf die B 49 bei Garbenheim (links der südliche Ortsrand). Einige Garbenheimer haben die Bundesstraße direkt hinterm Gartenzaun. (Foto: privat)

Keine hundert Meter liegen zwischen der Bundesstraße und den Wänden der nächsten Häuser. In 24 Stunden rollen hier im Durchschnitt über 50 000 Fahrzeuge vorbei, das besagt eine Verkehrsmengenkarte der Straßenbehörde Hessen-Mobil von 2010. "Über dem Dorf liegt eine Lärmglocke", sagt der Garbenheimer Ortsvorsteher Waldemar Droß.

Der neu aufgelegte Lärmaktionsplan des Regierungspräsidiums (RP) Gießen identifiziert die B 49 neben der A 45 und innerstädtischen Straßen als eine der Hauptquellen für Straßenlärm in Wetzlar. Auf eine Lärmschutzwand warten die Garbenheimer bisher aber vergeblich.

Seit fast 20 Jahren gibt es eine Auseinandersetzung darum: Die Stadt lehnte es ab, Lärmschutzwände selbst zu finanzieren, weil die B 49 im Besitz des Bundes ist. Der Bund selbst sah aber auch keinen dringenden Handlungsbedarf. Denn: Die B 49 wurde Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre gebaut, als eine von vielen Garbenheimern damals begrüßte Umgehungsstraße, erinnert sich Ortsvorsteher Waldemar Droß. Das Bundesimmissionsschutzgesetz trat aber erst 1974 in Kraft. Allein aus diesem Gesetz leite sich aber ein rechtlicher Anspruch auf Lärmschutzwände ab, erklärt Droß.

Schon 1998 gründete sich in Garbenheim eine "Aktionsgemeinschaft pro Lärmschutz", die den Bau von Lärmschutzwänden forderte. 1500 Unterstützer-Unterschriften bekräftigten das. Die Forderung: Die Stadt Wetzlar solle den von der Aktionsgemeinschaft damals auf gut zwei Millionen Euro taxierten Bau von Lärmschutzwänden zahlen. Als Beispiel wurde Marburg herangezogen, erinnert sich Droß: Dort hatte die Stadt seinerzeit Lärmschutzwände an der zur Stadtautobahn ausgebauten B 3 finanziert. Doch in Garbenheim hatte die Aktionsgemeinschaft keinen Erfolg, auch nicht mit einem Vorschlag für eine Lärmschutzwand, die sich über Photovoltaikanlagen selbst finanzieren sollte - so ein Vorschlag von 2004.

2011 dann ein vermeintlicher Durchbruch: Das Bundesverkehrsministerium habe dem Vorschlag des Landesverkehrsministeriums für einen Ausbau der B 49 bei Garbenheim zugestimmt, berichtete damals OB Wolfram Dette (FDP) den Wetzlarer Stadtverordneten. Für den Bau von Standstreifen solle der Mittelstreifen vergrößert werden, das bedeute einen Anspruch auf den Bau von Lärmschutzwänden.

Das war vor fünf Jahren. Im Lärmaktionsplan des RP heißt es nun: "Im Zuge des Ausbaus der B 49 (Anbau von Standstreifen) wird derzeit das Erfordernis von aktiven Lärmschutzmaßnahmen durch den Baulastträger geprüft". Und: "Die Planung von Hessen Mobil wird im Mai 2015 erneut im Ministerium vorgelegt." Das war vor einem Jahr.

Wann Standstreifen und Lärmschutzwand kommen, kann Hessen-Mobil nicht sagen

Wann aber Standstreifen und damit auch Lärmschutzwände gebaut werden, steht noch immer nicht fest. Eine zeitliche Einschätzung kann Hessen-Mobil-Sprecherin Sonja Lecher nicht geben. Die Planung für die Einrichtung von Standstreifen an der B 49 zwischen den Anschlussstellen Garbenheim und Wetzlar Ost liefen derzeit. Dabei werde auch geprüft, "ob Anspruch auf aktiven Lärmschutz besteht". Der Entwurf werde erarbeitet.

"Wir kommen kein Stück weiter", sagt der Garbenheimer Ortsvorsteher. Er wirft dem Wetzlarer Magistrat vor, sich nicht ausreichend um die Angelegenheit zu kümmern. Baudezernent Harald Semler (FW) erklärt dagegen: Die Stadt erkundige sich etwa halbjährlich nach dem Planungsstand und habe selbst eigene Zahlen an den Bund weitergegeben. Dabei gehe es um einen Abschnitt außerhalb der Garbenheimer Ortslage, etwa im Bereich der B 49-Anschlussstelle, wo der Bund selbst in Sachen Lärmschutz nicht tätig werden müsste.

Betroffene Anwohner hätten ihm schon oft gesagt, man gewöhne sich mit der Zeit ans Geräusch der Straße, erzählt Waldemar Droß. "Ich glaube das nicht."

INFO: TAG GEGEN DEN LÄRM
Zum 19. Mal findet heute der „Tag gegen Lärm“ statt. Das Motto lautet in diesem Jahr „So geht leise!“
Die Deutsche Gesellschaft für Akustik will mit dem Aktionstag für Lärm und gesundheitsschädliche Folgen von Lärm sensibilisieren. Jährlich gibt es eine Reihe von Veranstaltungen in vielen deutschen Städten. Informationen gibt es unter www.tag-gegen-laerm.de.


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