Leitz-Park III nimmt Fotografie in den Fokus

Eröffnung  Nach Fertigstellung des dritten Bauabschnitts lädt Leica Camera am Sonntag zur öffentlichen Erkundung ein

Der Leitz-Park gilt als Meilenstein in der Leica-Geschichte: In den Bauabschnitten I bis III sind seit 2007 Gebäude für Forschung und Entwicklung, Produktion, Kunst, Kultur, Unternehmensgeschichte und Hotellerie entstanden. (Grafik: Crepaldi/Foto: Stiehler)

Lange Zeit schien es, als sei Leica in Wetzlar Geschichte, nachdem das Traditionsunternehmen in den 1980er Jahren in das benachbarte Solms umgezogen war. Doch dann erwarb der Salzburger Unternehmer und frühere Waldorflehrer Andreas Kaufmann, seit 2006 Leica-Mehrheitseigner, das Gelände auf dem Schanzenfeld an der Westspitze des ehemaligen Standortübungsplatzes Spilburg.

Dort, wo sich zuvor eine nie in Betrieb gegangene Panzerwaschanlage befand, kam es 2007 zum ersten Spatenstich für den Leitz-Park I, Sitz der Unternehmen Viaoptik und Uwe Weller Feinwerktechnik.

100 Jahre, nachdem Oskar Barnack zum ersten Mal den Auslöser der Lilliput – wie er die heute als Ur-Leica bekannte Kamera nannte – betätigte, kehrte die Leica Camera AG 2014 schließlich zurück nach Wetzlar – in den Leitz-Park II, das von den Frankfurter Architekten Martin Gruber und Helmut Kleine-Kraneburg entworfene Multifunktionsgebäude für die Produktion und mit Raum für Büros, Leica-Galerie und Leica-Store.

Früh verfolgte Kaufmann für die Entwicklung des Schanzenfeldes die Vision, auch eine Leica-Erlebniswelt zu schaffen, die an diesem Wochenende mit dem Bauabschnitt III eingeweiht wird. Zu den Kosten für das Ensemble mit 26 000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche, in dem Forschung, Kunst, Kultur und Hotellerie zusammentreffen, wird offiziell geschwiegen, es kursiert jedoch die Summe von 60 Millionen Euro. Für den Entwurf zeichneten abermals Gruber und Kleine-Kraneburg verantwortlich.

Das neue Ensemble setzt sich aus dem Hotel, einem Büroturm, dem Leica-Schwesterunternehmen CW Sonderoptik und der Leica Welt mit Museum, Archiv, Fotostudio, Store und Museumsshop zusammen.

Museum zeigt gesamte Leica-Geschichte – von Mikroskopen über Kameras bis zu Sportoptiken

Anders als bei den strengen Rechteck- und Kreisformen der Bauabschnitte I und II diente für den Leitz-Park III die Architektur der italienischen Renaissance als Vorbild, bei der Gebäudestrukturen dem Platzempfinden angepasst sind. Kaufmann: „Der Leitz-Park III will ein angenehmes Empfinden von Urbanität ermöglichen.“

Der Leitz-Park III ist der Fotografie verpflichtet. Als einer der wichtigsten Orte gilt dort das neue Leica-Museum zur gesamten Leica-Geschichte – von Mikroskopen über Kameras bis zu Sportoptiken. Zum Auftakt ist als besonderer Höhepunkt die Jubiläumsausstellung „Augen Auf! 100 Jahre Leica Fotografie“ zu sehen – nach erfolgreichen Stationen weltweit. Im Fokus der Wanderausstellung mit beeindruckenden Bildern von berühmten Leica-Fotografen sowie zahlreichen Exponaten aus 100 Jahren Kleinbildfotografie steht der revolutionäre Umbruch durch die handliche „Ur-Leica“.

Leica und die Fotografie sind durch dessen Design und künstlerisches Konzept auch im „Arcona Living Ernst Leitz Hotel“ mit 129 Zimmern, Appartements und Suiten allgegenwärtig. 240 Aufnahmen von mehr als 60 Leica-Fotografen hat Kuratorin Karin Rehn-Kaufmann für das Haus ausgesucht. Die Suiten wurden von Künstlern mit ihrer jeweils ganz persönlichen Note eingerichtet. Das Hotel wurde bereits zum 1. Mai eröffnet.

Auch die 2008 von Kaufmann gegründete CW Sonderoptic, die Optiken mit dem Leica-Signet für Filmkameras fertigt, hat im Leitz-Park III ihren Sitz. Das Renommee ist zehn Jahre nach dem Start groß, die Summilux-C-Objektive der CW Sonderoptic trugen 2015 dazu bei, dass der Film „Birdman“ vier Oscars erhielt. Dem Entwicklerteam brachte dies anschließend den „Technik-Oscar“ der Academy of Motion Picture Arts and Science ein.

Viertes Gebäude am neuen Platz ist ein repräsentativer, fünfstöckiger Büroturm für unterschiedliche Gewerbe. Darin sitzt die Verwaltung der Leitz-Park GmbH, die Internetagentur „Die Interaktiven“ sowie ein Medizintechnikunternehmen und eine Physiotherapiepraxis. Etwas geheimnisvoll wird im Erdgeschoss an der Erweiterung des Leica-Produktportfolios gearbeitet. Woran genau, unterliegt noch der Verschwiegenheit.

Dass Kaufmann mit seinen Visionen noch längst nicht am Ende ist, ließ er Mitte Mai bei der Hotel-Eröffnung durchblicken. Da verriet er, dass bereits Pläne für einen Leitz-Park IV existieren, Platz sei weiterhin genügend vorhanden.

Ausstellungen, Vorträge und Erkundung des neuen Naturpfads im Leitz-Park-Wald

Zwei Jahre nach dem Spatenstich wird der Leitz-Park III im Beisein von einigen Hundert geladenen Gästen am Freitag und Samstag offiziell eröffnet.

Am Sonntag, 17. Juni, 10 bis 18 Uhr, haben alle Interessierten die Möglichkeit, den neuen „Stadtteil“ selbst zu erkunden. Rund 10 000 Besucher aus der Region werden erwartet. Neben der Jubiläumsausstellung „Augen Auf! 100 Jahre Leica Fotografie“ werden hochkarätige Ausstellungen der Fotografen Ray Barbee, Tine Acke mit Aufnahmen von Udo Lindenberg, Matthieu Bitton und Michael Agel gezeigt.

Die Leica-Galerie präsentiert Aufnahmen von Bruce Davidson, der in diesem Jahr für sein Lebenswerk und seine Verdienste in der Fotografie mit dem Leica Hall of Fame Award 2018 geehrt wird. Vorträge erfahrener Fotografen und Referenten stehen auf dem Programm. Leica Sportoptik präsentiert sich in der „Nature Lounge“ und lädt zur Erkundung des neuen Naturpfads im Leitz-Park-Wald ein.

Die Leica-Welt ist am Sonntag ebenfalls geöffnet und gewährt Einblicke in die Geschichte des Traditionsunternehmens. Für Speisen, Getränke, Musik und Kinderprogramm ist gesorgt. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Beratung, Verkauf und Serviceleistungen werden am Sonntag nicht angeboten.


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