Mehr Mut, bitte!

Lisa Fitz grantelt im Rosengärtchen
Keine teuflischen, eher himmlische Mächte haben dafür gesorgt, dass Lisa Fitz im Rosengärtchen spielte. (Foto: Deck)
Kann auch sanft: Lisa Fitz sang Reinhard Mey. (Foto: Dreuth)
So sieht frau nach dreimal Liften aus. (Foto: Dreuth)
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Fitz dekliniert die Möglichkeiten des Wortes "Mut" durch – Langmut, Mutmaßung, Anmut, Wehmut, Wermut, Wagemut, Großmut und so weiter – und landete bei ihr: "Ich bin’s, eure Mu-ti." Ja klar, auch Angela Merkel, genannt "Mutti", bekam ihr Fett weg, wegen der Hosenanzüge, aber vor allem wegen der deutschen Panzer für Saudi-Arabien.

Da kann sie sich richtig aufregen, die Lisa Fitz, grantelt ihre Empörung wort- und gestenreich ins Auditorium. Nun, das machen sie alle, die da touren und den Fernseher bevölkern. Wie sie auch "die Politiker" beschimpfen und gegen Volksmusik und ihre Helden pöbeln, das gehört bei Kabarett und Comedy wohl zum Standard, ist aber meist nicht so herzlich deftig-bayrisch gefärbt. Sei’s drum, die Leut’ hatten Spaß.

Lisa Fitz pendelt zwischen Witz und Ernst. Sei es, dass sie gegen Neonazis ("Glatzen") wettert und Zivilcourage fordert oder die Generation Facebook aufs Korn nimmt und die zunehmende Verblödung, weil Google einem das Denken abnimmt. Sie schafft es sogar, das "Vaterunser" mundgerecht für Web-Jünger umzutexten.

Sie sinniert über die Grenze zwischen Mut und Dummheit und ob die Angst weiblich ist, erklärt, dass zum Mut Standhalten gehört, bat um Sonderapplaus für alle stillen Mutigen im Land, etwa Krankenschwestern. Sie streut Zitate und schafft es sogar reibungslos, John Wayne und Goethe in einen Satz zu packen.

Da geht es um Männermut. Sie bedient Klischees (das Leid kranker Männer) und wundert sich, dass Männer Angst vorm Zahnarzt haben, aber mit leuchtenden Augen in den Krieg ziehen. Etwa nach Afghanistan. In Wahrheit gehe es da um Profit, nicht um Demokratie. Die definiert Fitz so: Demokratie ist, wenn vier Füchse und ein Hase abstimmen, was es zum Abendessen gibt.

Sie hat aber auch Beispiele für wahren Männermut parat: Die Attentäter des 20. Juli 1944 sowie die SPD, die 1933 im Reichstag gegen das Ermächtigungsgesetz stimmte. Spricht’s und höhnt, man solle sich heute mal das Häuflein Elend im Bundestag ansehen und das, was von der SPD übrig ist.

Es geht um Männer und Frauen, Krieg und SPD, Hase und Füchse

Und da geht es auch um Frauenmut, den Mut zu Schuhen (wie ihre Design gewordene Stolperfallen) und die Angst vor Spinnen; aber auch um Rosa Parks, die 1955 in den USA mit ihrer Weigerung, im Bus für einen Weißen aufzustehen, die Bürgerrechtsbewegung der Schwarzen in Gang setzte.

Da seien die Frauen heute doch anders, frecher, unabhängiger, mutiger – und doch schlechter bezahlt. Galten früher für Frauen die drei K (Kinder, Küche, Kirche), halte frau es heute mit den vier F (Find him, Follow him, Fuck him und Forget him). Wie gesagt, es ging deftig-bayrisch zu.

Doch die Fitz kann auch sanft, etwa wenn sie zur Gitarre singt. Einem solchen Moment verdankt der Abend seine wohl klarste Botschaft. Sie stammt nicht von ihr, sondern aus dem Lied von Reinhard Mey: "Sei wachsam!"

Dann wird es nochmal laut, beim Song einer anderen mutigen Frau: Mit Tina Turners "River deep montain high" verabschiedet sich das Energiebündel. Als Zugabe zeigt Fitz mit wunderbarer Mimik, wie frau nach dreimal Liften ausschaut. Freundlicher Applaus begleitet sie von der Bühne; im Vergleich zu früheren Gastspielen war er eher endenwollend.


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