"Nebenjob" führt Mann hinter Gitter

GERICHT 64-Jähriger soll fast drei Jahre in Haft

Der wegen Betruges vorbestrafte Angeklagte will die Schecks gutgläubig erworben, nicht als Fälschungen erkannt und sie nur im Auftrag eines Geschäftspartners eingelöst haben.

Ganz so gutgläubig scheint der Angeklagte aber nicht gehandelt zu haben, hatte er doch eine Charge von Schecks anfänglich seiner Hausbank vorgelegt, die die Einlösung ablehnte und ihn auf Fälschungen hinwies. Bei einem anderen Geldinstitut klappte es: Im Herbst 2010 reichte er innerhalb weniger Tage 70 Schecks ein, worauf ihm die Bank 35 000 Euro auf seinem Konto gutschrieb. Als er nochmals 44 Schecks im Wert von 22 000 Euro einlösen wollte, lehnte die Bank das Geschäft ab.

Geld ging nach England

Letztendlich stellte sich heraus, dass es sich bei allen vorgelegten Schecks um gut gemachte Fälschungen handelte. Das Geld hatte der Angeklagte bereits vom Konto abgeräumt und per Bareinzahlung in Teilbeträgen auf "Western-Union" - Konten nach England transferiert.

Nach Angaben der Ermittlungsbehörden sind die betrügerischen Transaktionen eine typische Masche für international organisierte Geldwäsche. Die Hintermänner lassen sich meist nicht ermitteln, wie auch in diesem Fall. Meist suchen die Täter ihre Opfer per Mail mit frei erfundenen Geschichten, die einen Zahlungsverkehr notwendig machen sollen.

Kontaktmann sitzt in China

Ähnlich scheint es auch dem 64-Jährigen ergangen zu sein, der über Internet Kontakt zu einem chinesischen Geschäftsmann aufgebaut hat, für den er angeblich gewerbliche Immobilien suchen sollte. Für Arbeitsaufwand und Tätigwerden sei die Übersendung von Reiseschecks vereinbart worden. Ihm seien dann Schecks mit einem zu hohen Betrag zugesandt worden mit der Bitte um Rücküberweisung der Reststumme mittels internationalen Bargeldtransfers.

Leichtfertiges und blauäugiges Handeln reicht nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft zur Erfüllung der vorgeworfenen Tatbeständen aus. "Die Reiseschecks haben die gleiche Zahlungssicherheit wie gewöhnliches Bargeld", erläuterte Vorsitzender Richter Reinhard Grün. Die Anklagevertretung forderte aufgrund des hohen Schadens gar eine dreieinhalbjährige Haftstrafe, die Verteidigung einen Freispruch. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.


Mit ePaper wird die Zeitung digital: Testen Sie jetzt das ePaper Ihrer Heimatzeitung zwei Wochen kostenlos!
Link zum Thema
Copyright © mittelhessen.de 2014
Kommentare (0)
Mehr aus Region Wetzlar