Rohrreiniger-Chef erhält Bewährung

GERICHT Urteil wegen Angriff auf Fernsehteam

In Gießen ist einer der Geschäftsführer eines Kanalreinigungsunternehmens aus Heuchelheim, gegen das derzeit die Staatsanwaltschaft ermittelt, verurteilt worden. Er soll auf ein Fernsehteam losgegangen sein. (Foto: Archiv)

Der Rohrreiniger war am 16. Juni 2015 mit seinem Wagen auf das Filmteam zugefahren, das vor den Geschäftsräumen seiner Firma eine Dokumentation drehte. Anschließend war er mit einem Stock auf die Kamera nebst Kameramann losgegangen. Auch einen Securitymitarbeiter hatte der Heuchelheimer dabei mit dem Stock erwischt. Während jener Prügelattacke hat er immer wieder Drohungen wie „Ich bringe Euch um, ich bringe Euch alle um“ geschrien, wurde festgestellt.

Verteidiger: Alles gerechtfertigt

Aus diesem Grund befand Richterin Elnaz Rezaian den Mann der gefährlichen Körperverletzung, des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr, der Sachbeschädigung, aber auch der Nötigung und Bedrohung für schuldig. Taten, die der Angeklagte so gar nicht begangen haben will, wie er schon am ersten von vier vergangenen Verhandlungstagen betont hatte. Aus diesem Grund schüttelte der 35-Jährige während des Plädoyers der Staatsanwaltschaft immer wieder den Kopf, lehnte sich zu seinem Verteidiger und flüsterte ihm zu.

Verteidiger Frank Richtberg sah es als gerechtfertigt an, dass sein Mandant sich gewehrt hatte. Seiner Meinung nach beging das Fernsehteam wegen unerlaubten Filmens eine Straftat. Und gerade in einem solchen Fall sei sein Handeln dann durchaus gerechtfertigt gewesen. Er sei nach nach einem Anruf seiner Schwester wie von der Tarantel gestochen angebraust gekommen und habe versucht, das Filmmaterial zu zerstören. „Ihm blieb gar nichts anderes übrig“, erklärte der Verteidiger, der herbe Kritik an dem seiner Meinung nach dargebotenen Sensationsjournalismus übte.

Richterin: Vollkommen überzogen reagiert

Zudem kündigte er an, rechtliche Schritte gegen jenes Fernsehteam unternehmen zu wollen. Richterin Rezaian meinte jedoch, dass Nothilfe nur dann gerechtfertigt sei, wenn beim Filmen in den höchstpersönlichen Lebensbereich auch ein Erfolgseintritt stattgefunden hätte und man mit den Filmaufnahmen tatsächlich in den Intimbereich der Gefilmten eingedrungen wäre. Sprich, wenn das Fernsehteam beispielsweise Nacktaufnahmen digital eingefangen hätte. Dies sei hier jedoch nicht der Fall gewesen, weswegen der Angeklagte „vollkommen überzogen reagiert“ habe.

Am Ende urteilte Rezaian auf eine zehnmonatige Freiheitsstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt wurde, und zur Zahlung von 3000 Euro an das Diakonische Werk. Das Urteil fiel damit milder aus als das, was die Staatsanwaltschaft gefordert hatte. Die Richterin hielt dem Mann zugute, dass er keinerlei Vorstrafen aufwies, in der Tat durch das Fernsehteam provoziert worden sei und womöglich durch den panischen Anruf seiner Familie aufgebracht gewesen sei. Die Staatsanwaltschaft hatte auf eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten plädiert, während die Verteidigung einen Freispruch forderte. Nach dem Urteil kündigte Verteidiger Richtberg an, Rechtsmittel einlegen zu wollen. (inf/ga)


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