Soll Bono eingeschläfert werden?

TIERE Veterinäramt droht mit Tötungsanordnung / Alles nur ein Kommunikationsproblem?
Lebensfroher "Bono" soll eingeschläfert werden

In einem Handyvideo von Donnerstagfrüh sieht man den sechsjährigen Rüden Bono schwanzwedelnd auf einer Wiese hin- und herlaufen. Auch wenn eines seiner Hinterbeine lahmt und in Schonhaltung immer wieder in die Höhe gezogen wird, scheint sich Bono seines Lebens zu freuen. Das Tier hat viel Elend hinter sich, kam einst als Straßenhund aus Rumänien zu Sylvia Aleesha Mayer nach Neukirchen und war damals nach Angaben seiner Besitzerin komplett gelähmt. Dass Bono heute wieder – wenn auch etwas ulkig wirkend – laufen kann, grenze an ein Wunder, sagt Mayer, die für den Mischling eigens eine 700 Euro teure Orthese anfertigen ließ.

„Sollte eine Einschläferung noch nicht erfolgt sein, gebe ich (...) letztmalig Frist“

Mayer hat im Wochenendgebiet „Fuchsheck“ in Neukirchen den Gnadenhof Feenwald für Tiere in Not gegründet. Im Feenwald kümmert sie sich zusammen mit weiteren Mistreiterinnen um elf Hunde, vier Katzen, gut 40 Kaninchen, zehn Meerschweinchen und sieben Hühner. Seit einem Jahr wird Mayer dabei von Unbekannten mit Anzeigen und Beschwerden bei unterschiedlichsten Behörden überzogen, berichtet sie.

Die Bauaufsicht beim Lahn-Dill-Kreis verlangt aktuell, dass Mayer Haupthaus, Anbauten und Ställe auf ihrem Grundstück abreißen lässt, weil diese den Bauvorschriften für die „Fuchsheck“ widersprächen. Es handele sich um Schwarzbauten.

Jetzt traf das Schreiben der Veterinärabteilung im Feenwald ein. Darin heißt es wörtlich: „Hinsichtlich Ihres Hundes Bono bitte ich um Mitteilung, wann dieser von welchem Tierarzt eingeschläfert wurde und um Vorlage einer tierärztlichen Bescheinigung. Sollte eine Einschläferung noch nicht erfolgt sein, gebe ich (...) letztmalig Frist, diese bis 9. Dezember 2016 durchführen zu lassen und mir umgehend eine Bescheinigung vorzulegen.“ Unterzeichner des deutlich und unmissverständlich wirkenden Behördenschreibens ist Abteilungsleiter Dr. Hans-Joachim Stumpf, der außerdem schreibt: „Sofern dieses nicht erfolgt, beabsichtige ich den Erlass einer kostenpflichtigen Tötungsanordnung.“

Auf Nachfrage dieser Zeitung erklärte Stumpf, das Veterinäramt stehe in Gesprächen mit Bonos Halterin beziehungsweise deren Anwalt. Bono sei fachtierärztlich untersucht worden. Als Ergebnis sei eine Euthanasie nahegelegt worden, so Stumpf. Mayer sei zur Stellungnahme aufgefordert worden, die aber liege bislang nicht vor.

Bis zu der am 9. Dezember gesetzten Frist werde die Hundehalterin deshalb zur Stellungnahme aufgefordert, nicht aber dazu, ihren Hund tatsächlich einschläfern zu lassen, erklärte der Veterinärmediziner. Auch sei vor der angedrohten Tötungsanordnung eine Anhörung Mayers notwendig. Und danach könne die Braunfelserin noch immer Rechtsbehelfe einlegen. Dann komme es zum Verwaltungsstreitverfahren. So lange sich Mayer nicht äußere, „weiß ich nicht, wie es mit dem Hund weitergehen soll“, sagte Stumpf. Alles also ein Kommunikationsproblem?

Bono hatte dramatisch an Gewicht verloren, nachdem er vergangenen Sommer in den Feenwald kam, berichtet Mayer. Sie habe deshalb vom Veterinäramt den Auftrag erhalten, den Hund internistisch untersuchen zu lassen. Dabei sei eine „nicht abzuklärende Verschattung im Darm“ festgestellt worden. Am Ende hat es laut Mayer seitens der Tierklinik geheißen: Sollte sich der Zustand nicht verbessern, müsse über die Euthanasie nachgedacht werden.

Nach viel Mühe, unter anderem durch Ausprobieren unterschiedlicher Futtermittel, befinde sich Bono auf dem Weg der Besserung und zeige jede Menge Lebensfreude. Mayer: „So lange der Hund diese Lebensfreude zeigt, wäre es absurd, ihn einschläfern zu wollen.“


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Kommentare (12)
Unglaublich. Fast schon unerträglich, dieses Gebahren des Amtes. Da kann man sich nur fremdschämen. Die Behörden sollten sich um Missstände in der Massentierhaltung kümmern. Aber dafür fehlt das Rückgrad.
Unfassbar. Unverständlich. Dem Tier geht es gut. Es gibt so viel Tierleid, besser wäre es die hier seitens der Behörde vergeudete Zeit sinnvoll woanders zu investieren.
Es ist eine Unverschämtheit, zu verlangen, dass das Tier eingeschläfert werden soll. Der Hund hat Spaß und Freude am Leben. Ich persönlich würde dieser Aufforderung auf keinen Fall nachkommen und wenn die "Sache" vor mehr
Gericht endet!!!
Wieso ein Kommunikationsproblem? Da steht eindeutig ein Datum, zu welchem der Hund eingeschläfert werden soll und sollte dies nicht passieren, werde man es veranlassen. Sein Schrieb : „Sofern dieses nicht erfolgt, mehr
beabsichtige ich den Erlass einer kostenpflichtigen Tötungsanordnung.“ Was gibt es da nicht zu verstehen? Wie kann man nur? Das Vet Amt ist doch zum Schutz der Tiere da, oder???
Es ist wirklich traurig was sich hier abspielt..... Kommunikationsprobleme?
Anhand des Schreibens von Dr. Hans-Joachim Stumpf ist unmissverständlich dargelegt , dass es leider auch beim Veterinäramt Menschen gibt, die mehr
Tiere immer noch als Sache oder als stark Minderwertig beurteilen. Einmal mehr Vremdschämen per exelance!!!!
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