"Trauerbegleitung hilft bei unserer Arbeit"

HELFT UNS HELFEN Mitglieder des SAPV-Teams sprechen über ihre Arbeit und "Charly & Lotte"

Die letzten Tage erträglich machen: Eine gute Betreuung ihrer Patienten ist den SAPV-Mitarbeitern wichtig. (Symbolfoto: Kalaene/dpa)

Das Haus Emmaus ist Kooperationspartner der SAPV (von links): Die Mitarbeiterinnen Carmen Storbakken, Tanja Schmidt, Annette Lepper und Sabine Burk. (Foto: Berns)

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Ist das Endstadium einer nicht heilbaren Krankheit erreicht, dann leiden Betroffene meistens an verschiedenen Symptomen. Starke Schmerzen sind eines davon. Die Mitglieder der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV) Lahn-Dill sind damit vertraut. Sie besuchen Erkrankte, die in ihrer letzten Lebensphase versorgt werden. Auch Steffis Vater wurde vom SAPV-Team betreut.

Zu den Mitarbeitern, die vom Hospiz Haus Emmaus der Hospiz Mittelhessen GmbH das SAPV-Team unterstützen, gehört auch Tanja Schmidt. Sie erlebte, wie sich die Gesundheit des Mannes dramatisch verschlechterte. "Ich bin mit dem betreuenden Arzt hingefahren, weil es dem Patienten sehr schlecht ging", erzählt sie. Vor Ort lernt sie dann auch die 11 Jahre alte Steffi kennen.

"Für ihr Alter war sie sehr reif. Sie hatte schon Einiges erlebt. Ihre Mutter leidet an einer chronischen Krankheit. Um den Vater hat sie sich sehr intensiv, fast schon professionell gekümmert. Die Krankheit der Mutter, der Vater, der nicht mehr gesund werden würde, alles das hatte sie mitgenommen. Steffi war sehr mitgenommen", sagt Schmidt über die 11-Jährige.

Während sich der Arzt um den Patienten kümmerte, sprach Schmidt erst mal mit Steffi. Ein wenig verunsichert war Schmidt damals schon, wie sie heute sagt. Das lag mitunter daran, dass Steffi während des ganzen Gesprächs nur auf den Boden starrte. Erst später erzählte das Mädchen seiner Mutter, wie sehr es ihr geholfen hat, dass sich jemand um sie kümmerte, ihr zuhörte und mit ihr redete. Schmidt erzählte der Familie damals auch von "Charly & Lotte". Und diese nahm das Angebot an, suchte Hilfe bei der Trauerbegleitung für Kinder und Jugendliche.

"Dass es die Trauerbegleitung für Kinder und Jugendliche gibt, hilft auch uns bei unserer Arbeit. Es ist gut zu wissen, dass jemand da ist, der die Kompetenz hat, sich in solchen Situationen speziell um die Kinder zu kümmern", sagt Mitarbeiterin Sabine Burk. "Es ist eine gute Ergänzung in der ambulanten Versorgung", ergänzt Annette Lepper, ebenfalls .

Das SAPV-Team hat immer Flyer von "Charly & Lotte" dabei. Denn in aller Regel haben die Patienten, die ambulant betreut werden, eine Familie. Somit sind oft auch Kinder und Jugendliche mit betroffen. Die Mitarbeiter kommen meistens erst mal mit den Eltern in Kontakt. Oft haben diese Veränderungen an ihren Kindern bemerkt. Sie machen sich deshalb Sorgen, wie die Kinder verarbeiten, dass ein Familienmitglied unheilbar erkrankt ist. "Sie erzählen uns dann beispielsweise, dass ihr Sohn schlecht schläft oder sich zurückzieht. Aber natürlich ist jeder Fall anders und bei manchen Kindern bricht sich die Trauer erst viel später Bahn", erklärt Storbakken.

Weil die Eltern mit der Situation häufig überfordert sind, nehmen sie das Angebot von "Charly&Lotte" fast immer gerne an. "Man muss bedenken, dass die erwachsenen Angehörigen ja selbst trauern. Dann müssen sie noch sehr viel organisieren, sich um vieles kümmern und einfach funktionieren. Das erschwert die Situation oft. Häufig wird auch über die Krankheit oder den bevorstehenden Tod nicht gesprochen", erzählt Schmidt.

Die SAPV-Mitarbeiter sprechen mit den Familien über die aktuelle Situation. Will eine Familie die Hilfe von "Charly&Lotte" in Anspruch nehmen, dann tauschen sie sich vorher mit der hauptamtlichen Koordinatorin der Trauerbegleitung, Petra Gießler, aus.

Dass es "Charly & Lotte" gibt, ist für das SAPV-Team eine Erleichterung. Sabine Burk vom Haus Emmaus, die ebenfalls das SAPV-Team unterstützt, beschreibt warum: "Wir wissen dann, dass die Familien gut aufgehoben sind und die Kinder auch dann noch betreut werden, wenn wir weg sind."

Bisweilen treffen die SAPV-Teammitglieder vom Haus Emmaus auch Kinder und Jugendliche wieder, die sie während der Betreuung eines Patienten kennengelernt haben, und die jetzt in einer der Trauergruppen von "Charly & Lotte" sind. "Es ist toll, die Entwicklung der Kinder zu sehen und auch festzustellen, wie nachhaltig das Projekt ist", sagt Storbakken.

Die Hilfe, die Betroffene durch "Charly & Lotte" erhalten, ist zudem zeitnah. Auch das ist ein Vorteil des Projekts, findet das SAPV-Team. Zu sehen, dass es den Kindern schon wieder besser geht und ihnen geholfen werden konnte, das ist für die Teammitglieder wichtig. Doch was hat sie überhaupt bewegt, in einem Bereich zu arbeiten, in dem Krankheit und Tod so präsent sind?

"Da hat jeder seine persönliche Geschichte", sagt Schmidt. Und Carmen Storbakken ergänzt: "Ich lerne durch den Beruf jeden Tag für mein Leben, beispielsweise, dass man nicht so viel auf die lange Bank schieben sollte."

"Den Tod und das Sterben können wir nicht ändern. Unser Ziel ist deshalb eine gute Betreuung"

Die Einzelschicksale berühren die Mitarbeiter teilweise schon, aber "der Austausch mit den Kollegen hilft, und wir haben auch gelernt, gut mit solchen Situationen umzugehen", erklärt Lepper.

Storbakken ergänzt: "Grenzen zu setzen, gehört dazu, damit man Menschen professionell und kompetent betreuen kann. Solche emotionalen Grenzen muss man für sich einfach ziehen."

Nur so, sind sich die Frauen sicher, kann auch die Betreuung gelingen. Ein zentraler Aspekt für die Mitarbeiter ist zu wissen, dass sie einen Mensch in seinen letzten Tagen gut begleitet haben. "Den Tod und das Sterben können wir nicht ändern. Unser Erfolg und unser Ziel ist deshalb eine gute Betreuung", erklärt Lepper.


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