Veranwortung übernehmen auf den Straßen

Polizei  Aktionstag in Gießen bringt das Thema „Verkehrssicherheit“ gezielt zu jungen Leuten

Mit der Rausch- und Drogenbrille vor Augen scheitern die meisten Probanden am „Heißen Draht“. (Foto: Mosel)

Mit den nachgespielten Unfällen wolle man durch Aufklärung einen Beitrag zur Verkehrssicherheit leisten, so DEKRA-Fachmann Gerhard Bietenbeck.

Unter diesem Credo stand auch das restliche Programm des Aktionstages auf dem Gelände der Hessenhallen in Gießen. Verbunden mit dem zehnjährigen Bestehen der Aktion BOB konnten die Besucher erleben, welche physikalischen Kräfte im Straßenverkehr wirken und gefahrlos Teil kritischer Verkehrssituationen werden. Oldtimer-Liebhaber hatten zudem Gelegenheit, Streifenwagen aus den 1960er Jahren zu bestaunen.

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Zum Aktionstag hatte das Polizeipräsidium mit Schulklassen aus Oberstufen und Berufsschulen die BOB-Zielgruppe eingeladen. Die Fahranfänger zwischen 18 und 24 Jahren sind überproportional oft an schweren Verkehrsunfällen beteiligt.

Mit dieser Aktion habe man eine Möglichkeit gefunden, junge Leute zu erreichen und sie davor zu warnen, mit Alkohol und Drogen unterwegs zu sein. Wenn man sehe, wie im Bezirk des Polizeipräsidiums Mittelhessen die entsprechenden Unfallzahlen gesunken wären im Vergleich zu anderen Regionen, in denen es BOB nicht gibt sei dies ein herausragendes Ergebnis, sagte Hessen Innenminister Peter Beuth (CDU).

Aktion BOB hilft, Unfallzahlen zu senken

Unter den Stationen besonders beliebt war ein vom Bund gegen Alkohol und Drogen im Straßenverkehr zur Verfügung gestellter Simulator, der das Fahren unter Alkoholeinfluss nachstellt. Fahrlehrer Werner Helfen lässt die Fahranfänger zunächst ohne Beeinträchtigung fahren.

Berufsschüler Burak hat erst vor kurzem seinen Führerschein gemacht und keine Probleme mit dem Fahren unter Normalbedingungen. Dann stellt der Fahrsimulator einen Promillegehalt von 1,6 nach. Das Blickfeld wird stark eingeschränkt und unscharf, die Reaktionszeit von Lenkung und Bremse verlängert.

Nach knapp drei Minuten ist Burak mehrmals auf die Gegenfahrbahn geraten, hat zwei rote Ampeln übersehen, einen Fußgänger angefahren und einen Wildunfall verursacht. Kein Verständnis hat der Fahrlehrer für das fehlende Gefahrenbewusstsein einiger Teilnehmer: „Die überfahren ein Kind und lachen noch dabei. Da bleibt nur zu hoffen, dass der Lerneffekt später noch einsetzt.“

Beeindruckt von den Reaktionstests mit Rausch- und Drogenbrillen ist jedenfalls Gymnasiastin Nina. Sie versucht sich am „Heißen Draht“. Die Brille, die sie trägt, simuliert einen Alkoholgehalt von 0,8 Promille. Nina sieht alles doppelt und greift schon zu Beginn ziellos neben den Halter mit der Drahtöse: „Ich hätte nicht gedacht, dass das schon so viel ausmacht, ich trinke aber auch gar keinen Alkohol“, sagt die 17-Jährige. (jma)


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