Verbraucherwelt wird stets komplizierter

Wirtschaft  Seit 30 Jahren setzt sich die unabhängige DHB-Beratungsstelle für Ratsuchende in Wetzlar ein

30 Jahre Verbraucherberatung des DHB Netzwerk Haushalt in Wetzlar (v. l.): Anja Kokesch, Kathrin Fuchs, Inge Michel und die 2. Landesverbandsvorsitzende Liane Reichhart. (Foto: Gross)

Abzocke, sicherer Haushalt, Reklamationen, Ernährung, gefälschte Inkasso-Schreiben, Online-Verträge, Kaffeefahrten, Kleingedrucktes, Versicherungs- und Handyverträge, betrügerische Anrufe von falscher Polizei oder falschen Energieversorgern – all das und noch viel mehr sind Themen, mit denen sich Beratungsstellenleiterin Inge Michel und ihr Team auskennen und bei denen sie für Verbraucher als Vermittler eintreten. Die Beratungsstelle will eine möglichst niederschwellige Adresse für Fragen rund um die Alltagsbewältigung sein. Rund 2000 Beratungsfälle registrierte im Jahr 2017 die Stelle in der Hausertorstraße 47a, zu der die Außenstelle im Nachbarschaftszentrum Niedergirmes gehört.

Früher ist besser: Häufig melden sich Betroffene erst, wenn das Kind „in den Brunnen“ gefallen ist

„Vor 30 Jahren war die Welt für Verbraucher noch einfacher, es war verbindlicher“, hat Michel festgestellt. Zu dieser Entwicklung beigetragen hätten die wachsende Produktvielfalt, die Öffnung des Strom- und des Telefonmarktes und nicht zuletzt das Internet und Online-Geschäfte.

„Die neuen Medien liefern Informationen, bergen aber zugleich die Gefahr, dass man schnell den falschen Schritt macht,“, sagt die 2. Vorsitzende des DHB-Landesverbands, Liane Reichhart. Verträge würden immer undurchsichtiger.

Die Informationsflut sei gerade für ältere Menschen verwirrend. Sie würden auch vergleichsweise häufiger auf Abzockemethoden hereinfallen, „weil sie noch ein anderes Wirtschaftsgebaren gewohnt sind“, sagt Michel.

Häufig meldeten sich Betroffene erst, „wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist“. Viel erfreulicher wäre es, wenn die Beratung schon früher gesucht werde, so Michel. „Wir unterstützen häufig dann, wenn Verbraucher nicht mehr weiterkommen. Wenn wir uns dahinterklemmen, funktioniert es oft plötzlich“, berichtet Kathrin Fuchs.

Eine Erfolgsgarantie gibt es jedoch nicht, die Verbraucherberaterinnen sind an geltendes Recht gebunden und verstehen sich als neutrale, anbieterunabhängige Vermittler. Nicht jedem sei das klar. Immer mehr Ratsuchende kämen mit sehr konkreten Vorstellungen in die Beratungsstelle. Nicht selten koste es in solchen Situationen viel Energie, um die Beratung auf sachlich fundierter Ebene zu führen, sagt Michel. Für die Beraterarbeit ist es unerlässlich, stets am Puls der Zeit zu sein und sich ständig – auch mit Fortbildungen – in neue Themen einzuarbeiten. „Dieser ständige Wandel macht unsere Arbeit auch interessant“, so Anja Kokesch, Leiterin der Beratungsstelle Dillenburg.

Die Themen „nachhaltiges Handeln“ und „Lebensmittel aus der Region“ waren weitere Schwerpunkte des vergangenen Jahres. Auch die Beratung von Flüchtlingen etwa in Sachen Haushaltsführung (Wohnungsführerschein) und (Handy)Verträge gehörte dazu.

Alljährliches Thema in der Sommersaison sind Schädlinge im Haushalt, vom sogenannten Vorratsschädling bis zu Ratten und Waschbären. Zur richtigen Vorsorge und Bekämpfung ist ab sofort in der Wetzlarer Beratungsstelle eine Wanderausstellung zu den üblichen Öffnungszeiten zu sehen. Erhältlich ist dort auch die passende Broschüre „Vorratsschädlinge“.


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