Warnstreik reißt Lücken in Alltag

Ausstand Viele Kitas, Krankenhäuser, Bauhöfe und Verwaltungen am Donnerstag betroffen

Mit der Botschaft „Wir sind es wert“ hatten 2015 zuletzt die Erzieherinnen in Kitas gestreikt. Damals war es nicht um eine Prozent-Erhöhung gegangen, stattdessen wurde eine neue Eingruppierung im Tarifwerk gefordert. (Archivfoto: Reeber)

Vor der dritten und wohl entscheidenden Verhandlungsrunde für die Beschäftigten von Bund und Kommunen erhöht die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi den Druck auf die öffentlichen Arbeitgeber auch in Mittelhessen. Viele hundert Beschäftigte von Kitas, Krankenhäusern, Verwaltungen, Versorgern und Bauhöfen sind für Donnerstag zum Warnstreik aufgerufen. Sie werden am Vormittag an der zentralen Demonstration und Kundgebung in Gießen teilnehmen. Verdi erwartet mindestens 800 Teilnehmer.

Sechs Prozent mehr Lohn, mit Blick auf die unteren und mittleren Einkommen aber mindestens 200 Euro mehr pro Monat fordert die Gewerkschaft für die bundesweit 2,3 Millionen Beschäftigten mit der Botschaft „Wir sind es wert“.

Umverteilung und Notgruppen: In Wetzlar sind drei, in Dillenburg alle städtischen Kitas betroffen

Laut Verdi wird es höchste Zeit, dass die Menschen, die tagtäglich Dienstleistungen der Daseinsvorsorge sicherstellen, die für alle Bürger selbstverständlich sind, an der guten Haushaltslage teilhaben. Die Arbeitgeberseite hat bislang noch kein Angebot vorgelegt.

Zu den Hauptleidtragenden des Ausstands werden Eltern von Kita-Kindern gehören. Aufgerufen sind alle Kitas in kommunaler Trägerschaft. Wer betroffen ist, sollte in den vergangenen Tagen bereits von der jeweiligen Einrichtung informiert worden sein. In Wetzlar werden am Donnerstag die städtischen Kitas in Dalheim, Blasbach und Naunheim bestreikt, alle anderen Kitas werden nach aktuellem Stand geöffnet sein. Bei akutem Betreuungsbedarf können sich betroffene Eltern an die Fachberatung städtische Kitas und Kindertagespflege, Désirée Lehr, & (0 64 41) 9 95 145 wenden, die Kinder werden dann auf andere Einrichtungen verteilt.

In Dillenburg werden laut Gewerkschaftssekretär Jürgen Lauer alle sechs städtischen Kitas bestreikt. Die Stadt richtet Notbetreuungsgruppen in den Stadtteilen Manderbach und Donsbach ein. Eltern, die darauf angewiesen sind, haben ihre Kinder bereits dafür angemeldet. Zugesagt haben auch die kommunalen Kitas in Langgöns, so Lauer. Welche Betreuungseinrichtungen im Lahn-Dill-Kreis außerdem streiken, war am Montag noch nicht abschließend klar.

Aufgerufen sind außerdem das Pflegepersonal sowie alle Mitarbeiter in Technik, Küche und Reinigung – also nichtärztliches Personal – an den Krankenhäusern, sagte Lauer. Wo notwendig, sollen Notdienstvereinbarungen greifen. Mitarbeiter von Vitos Herborn werden sich am Ausstand beteiligen, ebenso Mitarbeiter der Lahn-Dill-Kliniken in Wetzlar und Dillenburg, sagte Lauer. In welchem Umfang und mit welchen Auswirkungen stand aber am Montag noch nicht fest.

Ferner sind auch die Beschäftigten an kommunalen Bauhöfen, von Stadtreinigung mit Müllabfuhr, Stadtwerken (in Wetzlar die Enwag) und in Verwaltungsbereichen von Verdi zum Warnstreik aufgerufen. Auch hier wird es frühestens am Dienstag Informationen zum Ausmaß geben.

Streikteilnehmer aus den Kreisen Lahn-Dill und Marburg-Biedenkopf werden am Donnerstag per Bus zur zentralen Demo nach Gießen fahren. Ein Demonstrationszug wird sich von der Vitos-Klinik (Licher Straße), ein zweiter von den Gießener Stadtwerken in Richtung Lindenplatz in Bewegung setzen. Dort ist ab 9 Uhr zentraler Treffpunkt. Der Start des großen Demonstrationszugs durch die Gießener Innenstadt zum Rathaus und dann zur Sparkassen-Zentrale ist um 9.30 Uhr geplant, die Abschlusskundgebung für ca. 11 Uhr.


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