Wert und Würde als Bedingung für Zukunft

Führungswechsel

Dankeschön an den scheidenden Geschäftsführer Dirk Hohn (Mitte): Hessenmetall-Vorsitzender Oliver Barta (r). und Vorstandsmitglied Fritz Georg Rincker überreichten einen in der Glockengießerei Rincker entstandenen Kunstguss als Abschiedsgeschenk. (Foto: Ewert)

Die sechste Auflage des Unternehmerforums fand im neuen Ernst-Leitz-Hotel statt. Oliver Barta (Bosch Thermotechnik), Vorsitzender von Hessenmetall Mittelhessen, und Hessenmetall-Hauptgeschäftsführer Dirk Pollert (Frankfurt) verabschiedeten Dirk Hohn, der dem Bezirksverband aber beratend verbunden bleibt. Vor 19 Jahren hatte der Jurist seine Arbeit an der Spitze des Metallarbeitgeberverbands in Mittelhessen mit Sitz in Wetzlar begonnen. Hohn war auch Geschäftsführer des Allgemeinen Arbeitgeberverbandes Mittelhessen und im mittelhessischen Regionalbeirat des Verbandes hessischer Unternehmer aktiv. Hinzu kommt laut Barta eine Vielzahl weiterer Gremien, Vorstände und Beiräte. „Über den Tellerrand hinausblickend und -wirkend“ habe Hohns Kreativität und Sachverstand zu guter Vernetzung mit unterschiedlichen Institutionen geführt, lobte Barta, besonders zu gelebter Sozialpartnerschaft mit der IG Metall.

Hessenmetall-Hauptgeschäftsführer Dirk Pollert hob die sozialpolitischen Aufgaben hervor, die für Hohn ein besonderer Arbeitsschwerpunkt gewesen seien. Dies belegten auch viele Ehrenämter, unter anderem als ehrenamtlicher Richter am Bundessozialgericht und am Landesarbeitsgericht Hessen.

Applaus für 19 Jahre als Geschäftsführer

In seinen Dankesworten bekannte Hohn, das Sozialethik und Moraltheologie für ihn zu einem Wertegerüst gehören. Er sei fasziniert gewesen von seiner Tätigkeit an einer Schnittstelle von juristischer Beratung und Sozialpolitik mit Fokus auf einen stets angestrebten Interessensausgleich. Sozialpolitik könne nur derjenige leisten, der vorher etwas erwirtschaftet hat. Ein fortschrittlicher Staat setze nicht auf private Almosen Gutsituierter an Bedürftige, sondern schaffe Systeme, die Risiken solidarisch absichern. Dennoch dürfe ein fortschrittlicher Staat nichts regeln, „was auch der Einzelne sinnvoll selbst schultern kann“.

Hohn verabschiedete sich von seinem Geschäftsstellenteam und einem Mitarbeiter, der zugleich sein Nachfolger ist: Sascha Drechsel. Das Publikum würdigte den scheidenden Geschäftsführer mit stehendem Applaus. Dieser resümierte: „Die Vertretung der Interessen Ihrer Unternehmen es war mir ein Ehre.“

Gastredner Professor Peter Schallenberg hatte seinen Vortrag mit „Sozialethik 4.0 Benötigt eine digitalisierte Arbeitswelt neue moralische Leitlinien?“ betitelt. Er ging vor allem aus sozialethischer Sicht auf die Auswirkungen der zunehmend schneller fortschreitenden Digitalisierung ein. Schallenberg, Jahrgang 1963 und 1988 zum Priester geweiht, übernahm nach Stationen in Schwerte, Wuppertal, Münster und Rom im Jahr 2004 die Professur für Moraltheologie und Christliche Sozialwissenschaften an der Theologischen Fakultät Fulda. Seit 2010 ist er Direktor der Katholischen Sozialwissenschaftlichen Zentralstelle Mönchengladbach.

Umwälzungen, die vorher nie da waren

Nachdem die Veränderungen der Lebensumstände jahrhundertelang kaum spürbarer Art waren, sei es in den beiden vergangenen Jahrhunderten zu revolutionären Umwälzungen gekommen, die alle Lebensbereiche betreffen, sagte Schallenberg: Industrie 1.0 mit Dampfkraft und Industrialisierung. Industrie 2.0 mit Elektrizität und der Entstehung der Wohlstandsgesellschaft. Industrie 3.0 mit dem Computerzeitalter und der Sozialen Marktwirtschaft. Jetzt die Industrie 4.0 und die Digitalisierung.

Den Ersatz einfacher Produktionstätigkeiten durch neue Techniken habe es schon zuvor gegeben, doch die Umwälzungen, die mit dem Digitalisierungs-Zeitalter einhergehen, stellten alle Veränderungen bisher in den Schatten. Schallenberg sieht keine Alternative, als die Digitalisierung unter den ersten Artikel des Grundgesetzes zu stellen: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Die Digitalisierung eröffne nie da gewesene Möglichkeiten „weg von individualisierten Arbeitsabläufen hin zu programmatisierten, computerisierten und vernetzten Produktionsweisen“, sagte Schallenberg, die „Kommunikation der Maschinen untereinander“.

Angesichts der ethischen Herausforderungen dieser Umwälzung sieht es Schallenberg als Aufgabe des Staats, „einen Zustand der Gerechtigkeit“ herzustellen. Er verweist auf Ethik als eine im Sinne Sokrates’ „gerechte Behandlung der Seele“, im Lateinischen „dignitas“ genannt, zu Deutsch „Würde“. Immanuel Kant habe sie als „Grundprinzip Menschenwürde“ beschrieben. (ew)


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