Wetzlar gibt WZ-Kennzeichen frei

Verkehr Stadt will auf Zulassungsbezirk verzichten / bald kreisweit LDK, WZ, DIL möglich

WZ-Kennzeichen gab es seit 2012 nur und ausschließlich für Wetzlar. Das soll sich nun ändern. (Foto: Reeber)

Der hat noch eines der wenigen alten WZ-Kennzeichen: betagter Deutz-Schlepper zur Landmaschinenschau auf dem letzten Ochsenfest. (Foto: Wingender)
Bild 1 von 2

Oberbürgermeister Manfred Wagner (SPD) hatte bereits im Februar angekündigt, wegen einer Neuregelung in Sachen Kennzeichen beim hessischen Verkehrsministerium vorzusprechen. Auch mit dem Lahn-Dill-Kreis gab es Verhandlungen. Jetzt werden die Stadt und der Kreis tätig, um die Voraussetzungen zu schaffen.

Die WZ-Einführung fiel nicht mit der Rückkehr anderer Altkennzeichen zusammen

Die bisherige Kennzeichen-Regelung war eine Art Sonderfall. Denn während in den vergangenen Jahren durch eine Gesetzesänderung bundesweit neben den zuvor gültigen Kennzeichen wahlweise auch Altkennzeichen wieder neu vergeben wurden – etwa BID für Biedenkopf (neben MR) oder WEL für den früheren Oberlahnkreis (neben LM) – war das Kennzeichen WZ allein den Wetzlarern vorbehalten.

Denn: Die WZ-Einführung kam vor der bundesweiten Kennzeichen-Liberalisierung, die Stadt bekam im Hessentagsjahr 2012 auf eigenes Bestreben einen neuen Zulassungsbezirk. Jeder, der seither in Wetzlar ein Fahrzeug zulässt, bekommt zwingend ein WZ-Schild. Alle anderen Autofahrer im Kreis dürfen kein WZ haben – für sie gibt es nur das LDK-Kennzeichen oder wahlweise seit drei Jahren DIL, die frühere Dillkreis-Nummer.

Immer wieder reagierten Autofahrer auf die Regelung mit Unverständnis. Denn: Wer in einer Gemeinde des früheren Kreises Wetzlar wohnt und aus alter Verbundenheit gerne ein WZ-Kennzeichen gehabt hätte, schaute in die Röhre. Und wer in Wetzlar saisonal ein Fahrzeug mit einem früher einmal erteilten LDK-Kennzeichen abmeldete, um es später wieder anzumelden – gängige Praxis zum Beispiel bei Cabrio-, Oldtimer- oder Wohnmobilfahrern – der musste Geld für ein neues WZ-Kennzeichen ausgeben.

Damit soll bald Schluss sein. Die Stadt Wetzlar würde auf ihren eigenen Zulassungsbezirk verzichten. Und der Lahn-Dill-Kreis könnte im Gegenzug das dadurch quasi frei gewordene Kennzeichen WZ zur Wiedereinführung beantragen – genauso, wie es für die Neuvergabe des Kürzels DIL auch der Fall war. Autofahrer im gesamten Kreis, auch in Wetzlar, könnten damit entscheiden, ob sie ein LDK-, ein WZ- oder ein DIL-Schild am Auto haben möchten.

Der Finanz- und Wirtschaftsausschuss der Stadt hat am Dienstagabend dafür gestimmt, dass der Magistrat mit dem Lahn-Dill-Kreis über alle nötigen Schritte verhandelt. Endgültig wird die Stadtverordnetenversammlung entscheiden, die am kommenden Mittwoch tagt.

Kosten entstünden durch die Änderung nicht, berichtete Kämmerer Jörg Kratkey (SPD). Denn die Stadt Wetzlar unterhielt schon bisher keine eigene Zulassungsstelle, der Lahn-Dill-Kreis übernahm diese Aufgabe. Das bleibe auch künftig so.

Ganz unabhängig von der Kennzeichen-Neuregelung: Wer in einen anderen Kreis umzieht, kann grundsätzlich sein bisheriges Autokennzeichen behalten. Seit 2014 ermöglicht das eine bundesweite Änderung, die laut Bundesverkehrsministerium Zeit, Geld und Bürokratie sparen soll. Zwar muss ein Halter sein Fahrzeug ummelden, neue Nummernschilder benötigt er aber nicht. Die Regelung galt zuvor schon bei einem Umzug innerhalb Hessens.

 

Kennzeichen-Vielfalt

25 850 Fahrzeuge mit WZ-Kennzeichen waren am Dienstag bei der Zulassungsstelle des Kreises registriert. 509 davon sind „alte“ WZ-Kennzeichen mit dem Siegel des Kreises Wetzlar (bis 1976).

174 534 Fahrzeuge haben ein LDK-Kennzeichen, 20 347 ein DIL-Kennzeichen. Davon sind 422 „alte“ DIL-Nummernschilder, die noch zu Zeiten des Dillkreises vergeben wurden. 2484 Fahrzeuge tragen das L, das in der Stadt Lahn (1977 bis 1979) und im Lahn-Dill-Kreis bis 1990 vergeben wurde, nach der Wiedervereinigung ging es an Leipzig.

Absolute Rarität: Alte BID-Kennzeichen. 13 sind bei der Zulassungsstelle des Lahn-Dill-Kreises noch registriert. Sie haben ihren Ursprung in Bischoffen und Ortsteilen, in Simmersbach und in Eschenburg-Roth, die bis 1974 zum Kreis Biedenkopf gehörten.


Mit ePaper wird die Zeitung digital: Testen Sie jetzt das ePaper Ihrer Heimatzeitung zwei Wochen kostenlos!
Link zum Thema
Copyright © mittelhessen.de 2017
Mehr zum Thema
Kommentare (3)
Ab wann wird das Kennzeichen verfügbar sein?
(Anm. d. Red.: Dafür gibt es noch keinen konkreten Termin. Das müssen Stadt und Kreis aushandeln.)
Wie hat denn die Stadtverordnetenversammlung entschieden?
(Anm. d. Red.: Einstimmig dafür.)
Haben unsere Politiker wirklich keine anderen Probleme, als sich mit so etwas zu beschäftigen?
Mehr aus Region Wetzlar