Wetzlars Rocker sind okay

PRO POLIZEI Hauptkommissar Ralf Nees beleuchtet die Szene

Hauptkommissar Ralf  Nees, Spezialist der Polizei für den Bereich Rockerszene,  hat am Montag bei Pro Polizei über seine Arbeit berichtet. (Foto: Volkmar)

Dass es deshalb Probleme geben würde, war allerdings nicht zu erwarten, denn Nees konnte Entwarnung geben für die Zuhörer im Raum, für die Menschen im Lahn-Dill-Kreis und für die Rocker im Saal.

"Die in Wetzlar ansässigen Clubs sind uns noch nicht negativ aufgefallen, Absprachen werden eingehalten und Vorhaben wie Feste oder Ausfahrten mit der Polizei abgestimmt, aber wir haben das Vereinsleben immer im Blick", so der Hauptkommissar, dies gelte bei einigen Ausnahmen auch in Gießen.

"Rockerkriminalität in Deutschland und Mittelhessen" war das angekündigte Thema. Wer aber glaubte, der Gast aus Gießen würde ein Geheimnis lüften und Licht in die Rockerclubs und ihre oft zwiespältige Haltung bringen, kam an diesem Abend nicht auf seine Kosten. Denn eins stellte der Gast aus Gießen eingangs klar: Ich bin seit 15 Jahren für diesen Bereich zuständig und kenne diese "Spezis" sehr gut, aber wenn sie von mir Einzelheiten oder Zahlen von Rocker-Aktivitäten in Mittelhessen erwarten, muss ich Sie enttäuschen. Solche öffentlichen Infos würden unsere Arbeit in diesem Milieu nur erschweren. "Wir beobachten die einschlägigen Gruppen und ihre Aktivitäten in unserer Region sehr genau, und wenn es angebracht ist, werden wir auch aktiv", so der 52-jährige Ermittler.

Während die heimischen Rocker sich an die Regeln halten, ist das Milieu im Großraum Frankfurt, das bis in die mittelhessische Region hinein reicht, anders und weist schon deutlich kriminelle Züge auf.

In diesem Zusammenhang verwies Nees auf einen Streit zwischen Rockern verschiedener Gruppierung der Hells Angels aus Frankfurt und Gießen, der zu einer wilden Schießerei im Frankfurter Bahnhofsviertel eskalierte. Da die Beteiligten nicht mit den Ermittlern der Polizei kooperierten und Zeugen fehlen, sei die Tat aus dem Juli bis heute noch nicht ganz aufgeklärt. In Frankfurt oder anderen Großstädten sei die Gefährdungslage deutlich höher als in Mittelhessen. Auseinandersetzungen im Rotlichtmilieu, Schlägereinen zwischen verschiedenen Gangs um die Vorherrschaft oder Rauschgift und Waffengewalt seien an der Tagesordnung und forderten den Staat zum Handeln heraus. "Hier kann man zu Recht von einer Rockerkriminalität sprechen, wie sie in den öffentlichen Medien als eine Gefahr für die Bevölkerung angeprangert wird."

Auch Kleingartenverein kann Straftäter in seinen Reihen haben

Als Rocker, so Nees, bezeichnet man im deutschsprachigen Raum die Mitglieder einer ursprünglich aus den USA stammenden Subkultur, die sich oft in Motorradclubs organisieren. Dabei sehen die Rocker das Motorradfahren als Teil eines besonderen Lebensstils und grenzen sich durch ein entsprechendes Auftreten von den bürgerlichen Normen ab. So gehört das Tragen von Lederwesten, den sogenannten Kutten, mit auffälligen Clubfarben (Colors), Tätowierungen und die Verwendung von provozierenden Symbolen zu ihren Statussymbolen. An dem Outfit kann man auch erkennen, welcher Gang die Rocker angehören.

Zu den größten in der Szene gehören, die  "Hells Angels", "Bandidos"  und "Outlaws", die in Deutschland und weltweit zu den ältesten Gangs zählen. Aber allen Gangs ist gemeinsam, dass sie straff organisiert sind und ihre eigenen Rituale, Regeln und Gesetze haben, die für alle verbindlich sind.  Der Vorsitzende ist, wie in jedem Verein, der "starke Mann", der auch die Kontaktperson für die Polizei ist.

"Auch ein Kleingartenverein kann einen Straftäter in seinen Reihen haben, dafür wird nicht der ganze Verein an den Pranger gestellt", wehrte sich ein Rocker in der anschließenden Diskussion. Aber auch die Angst in der Bevölkerung vor den Kerlen in ihren schwarzen Kapuzenjacken kam zur Sprache, zumal sie durch ihr Gehabe oft nicht gerade vertrauenserweckend wirkten.


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