"Big Mama" hilft Flüchtlingen

Die Gaststätte "Burgschänke" schließt demnächst; in das Gebäude ziehen Flüchtlinge ein.  Foto: Rieger

LANGGÖNS-NIEDERKLEEN In Niederkleen entsteht eine Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber. Am 16. November sollen 23 Flüchtlinge aus verschiedenen Nationen in das Gebäude...

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. LANGGÖNS-NIEDERKLEEN In Niederkleen entsteht eine Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber. Am 16. November sollen 23 Flüchtlinge aus verschiedenen Nationen in das Gebäude der "Burgschänke" in der Burgstraße einziehen. Die Gaststätte schließt Mitte Oktober.

Der Landkreis hat die Immobilie, die derzeit renoviert wird, vom Ehepaar Birgit und Detlef Babst angemietet. Vor Ort werden die Asylbewerber durch Sozialarbeiter betreut werden.

Die Hausbesitzer Birgit und Detlef Babst werden zukünftig als Betreiber-Ehepaar für die Organisation des Gebäudes und als Ansprechpartner für die Bewohner zur Verfügung stehen. Im Gespräch mit dieser Zeitung erläutert Birgit Babst die Gründe, die sie und ihren Ehemann zu diesem Schritt veranlasst haben. "Ich habe nicht nur Mitleid mit den Leuten, sondern möchte ihnen auch Unterstützung geben. Als ich die Kinder im Meer gesehen habe, musste ich heulen, das war ein ausschlaggebender Punkt", sagt Birgit Babst.

Bisher wohnte die Familie Babst auch in dem Haus. Aus gesundheitlichen Gründen müsse sie in eine barrierefreie Wohnung umziehen, so stand der Auszug aus ihrem bisherigen Haus fest, erklärt Birgit Babst. Ehemann Detlef baut die neue Wohnung gerade aus.

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Im Januar soll der Umzug stattfinden, "bis dahin wohnen wir bei einer Freundin, der ich dafür sehr dankbar bin", berichtet sie.

Viel Arbeit gibt es im Moment, denn das Betreiber-Ehepaar ist auch für die Sanierung und die Möblierung der zukünftigen Flüchtlingsunterkünfte verantwortlich. Zehn Zimmer werden zur Verfügung stehen, "im ersten Stock ist der Umbau schon fertig, im Erdgeschoss wird noch gearbeitet", erzählt Birgit Babst.

Gegenüber dem Landkreis hat sie den Wunsch geäußert, dass Familien mit Kindern kommen, "denn es sind große Zimmer". Auch einen Kiosk wird das Ehepaar einrichten, wo die Flüchtlinge Hygieneartikel und Getränke kaufen können, "zum Selbstkostenpreis", sagt Babst. "Außerdem möchte ich die Menschen betreuen, soweit meine Gesundheit das zulässt. Viele sind ja traumatisiert. Wir werden Spiele machen, singen, ihnen Deutsch beibringen und einen kleinen Garten anlegen", verrät sie ihre Pläne.

Zuneigung statt Hass

Birgit Babst, die man getrost als Niederkleener Original mit Dornholzhäuser Wurzeln bezeichnen kann, und die schon jetzt von vielen liebevoll "Big Mama" genannt wird, sagt: "Wir haben uns eine große Aufgabe vorgenommen, aber wir schaffen das!" Auch für Ordnung will sie sorgen, denn "bei mir ist es sauber". "Der Landkreis weiß nicht mehr ein noch aus, wir wollen helfen und machen es nicht wegen des Geldes, was uns nämlich auch vorgeworfen wurde", betont sie und berichtet, dass sie schon so manche Kritik von Niederkleenern habe einstecken müssen.

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"Ich finde, dass viel mehr Leute Initiative zeigen sollten. Wir übernehmen unsere neue Aufgabe aus humanitären Gründen. Die Leute brauchen Zuneigung und nicht nur Hass. Wenn wir mit ihnen gut umgehen, gehen auch sie gut mit uns um", sagt Babst abschließend. (ikr)

Bürgermeister lädt ein

Am Dienstag, dem 13. Oktober, lädt der Langgönser Bürgermeister Horst Röhrig die Bürger um 20 Uhr in das Bürgerhaus Niederkleen, Pestalozzistraße 1, ein. Dann wird er das Projekt der Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber in Niederkleen gemeinsam mit den Beteiligten vorstellen und den Bürgern Rede und Antwort stehen.