Hessentagsbüro im „Haus Ehe“

Die Stadt Haiger will das „Haus Ehe“ (rechts) kaufen. In dem Gebäude, auf der anderen Seite des Marktplatzes, könnte ein Teil der Verwaltung und das Hessentagsbüro für das Landesfest im Juni 2022 untergebracht werden.   Foto: C. Weber

Die Stadt Haiger wird im Immobilienhandel aktiv. Dass die Stadtverordnetenversammlung den Kauf des "Haus Ehe" am Rande des Marktplatz befürwortet, hat mit der Enge im Rathaus...

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Haiger. Die Stadt Haiger wird im Immobilienhandel aktiv. Dass die Stadtverordnetenversammlung den Kauf des "Haus Ehe" am Rande des Marktplatz befürwortet, hat mit der Enge im Rathaus sowie mit dem Hessentag 2022 zu tun.

Das Gebäude, das laut Gutachten 392 000 Euro wert ist, verfügt über 650 Quadratmeter Nutzfläche sowie einen Keller. Bürgermeister Mario Schramm sieht dort das zukünftige Hessentagsbüro, das damit im Herzen der Stadt sowie an der Hessentagsstraß;e liegen würde.

Der Kauf des Komplexes hat aber nicht zwingend mit dem Landesfest in dreieinhalb Jahren zu tun, die Nutzung bietet sich aber einfach ein. "Wir haben räumliche Probleme im Rathaus", berichtet der Bürgermeister. Man habe sogar ein Büro im Flur geschaffen, das sei aber eigentlich keine gute Lösung. "Wir haben keinen Sozialraum – noch nie", nennt Schramm einen weiteren Mangel in dem Verwaltungskomplex am Rande des Marktplatzes. Es gebe Büros, in denen vier Mitarbeiter untergebracht sind. "Wenn zwei telefonieren und ein dritter was diktiert, ist es vorbei mit der Ruhe", spricht der Rathauschef von "grenzwertigen Bedingungen".

Deshalb habe es bereits verschiedene Überlegungen gegeben: "Einen Stock drauf oder dort anbauen, wo jetzt die Dienstwagen stehen", seien zwei Optionen gewesen, mehr Arbeitsfläche zu schaffen. Im Rathaus wird mit Kosten in Höhe von 3000 Euro pro Quadratmeter gerechnet, sodass dies bei der Nutzfläche im laut Expertenurteil gut erhaltenen "Haus Ehe" rund zwei Millionen Euro für eine Erweiterung des Rathauses bedeutet hätten.

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Dann ergab sich die Möglichkeit, "in 1a-Lage was kaufen zu können". Schramm ("Andere Objekte liegen nicht so gut") sieht in dem ehemaligen Laden der Familie Ehe das Hessentagsbüro, "denn das sollte leicht erreichbar sein". Falls eine ausreichende Fläche im Erdgeschoss übrig bleibt, könnte sich der Bürgermeister dort ein Café vorstellen.

Einmal quer über den Marktplatz umziehen soll "eine in sich geschlossene Abteilung". Hier denkt Mario Schramm an einen Verwaltungsbereich mit viel Publikumsverkehr. Auch wünscht sich der Bürgermeister für die Hessentagsplanung "einen Raum, in dem Pläne, die noch geheim sind, nicht immer wieder abgehängt werden müssen".

Einen weiteren Vorteil sieht Schramm, der von geringen Renovierungskosten spricht, in der Nähe zum Marktplatz: "Tische und Stühle für den Wochenmarkt oder andere Veranstaltungen auf dem Marktplatz wie ‚Haiger live’ müssen vom Bauhof immer wieder aus dem Lager geholt und dorthin zurückgebracht werden. Die könnten dann dort eingelagert werden."

Zu dem Komplex, bei dem nach Ansicht von Bürgermeister Schramm die Fassade ein anderes Bild erhalten sollte, gehört eine Garage sowie drei Wohnungen. In einer lebt die Besitzerin. Diese könne, so Schramm, dort als Mieterin bleiben. Dann würde die Stadt zwei Einheiten vermieten, ansonsten alle drei.

Im Gegenzug wird die Alte Knabenschule im Herzen Haigers an einen der beiden Interessenten verkauft

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Nicht thematisiert wurde das Kaufangebot eines anderen Interessenten, bei dem als Nutzung eine Moschee oder eine Koranschule im Raum steht. Hier hätte die Stadt Haiger das ihr von der Besitzerin eingeräumte Vorkaufsrecht auch einfordern können, dann jedoch zu den Konditionen des Mitbewerbers.

Einen Teil der Kosten finanziert die Stadt Haiger durch den Verkauf der Alten Knabenschule Vis-à-Vis des Eingangs zum Ärztehaus. Das Gebäude auf dem Weg hinauf zur Stadtkirche war zum Verkauf angeboten worden. Es soll in den Besitz des Höchstbietenden der beiden Interessenten gehen.