„Ich werde die Menschen hier vermissen“

Verlässt nach acht Jahren als Polizeichef von Herborn die Bärenstadt: Holger Geller übernimmt die Leitung der Wetzlarer Polizei.  Foto: Weirich

Er freut sich auf seine neue Aufgabe, aber sein Weggang macht ihn auch ein wenig traurig: Holger Geller verlässt nach acht Jahren als Polizeichef von Herborn die Stadt und...

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HERBORN. Er freut sich auf seine neue Aufgabe, aber sein Weggang macht ihn auch ein wenig traurig: Holger Geller verlässt nach acht Jahren als Polizeichef von Herborn die Stadt und wechselt als deren künftiger Leiter zur fast doppelt so groß;en Dienststelle der Polizei in Wetzlar.

"Ich werde die Menschen hier vermissen", sagt der 57 Jahre alte Erste Polizeihauptkommissar. Damit meint er vor allem seine 57 Kollegen in der, wie er sie nennt, "überschaubaren" Herborner Dienststelle, darunter neun Polizeibeamtinnen und drei Verwaltungsangestellte. Er schätzt die geradezu familiäre Atmosphäre dort und den guten Teamgeist.

"Die Menschen hier haben einen freundlichen Umgang miteinander und mit uns als Polizei"

Gerade der habe ihm die Arbeit leichter gemacht: "Wenn jemand unerwartet frei haben will oder auch einmal muss, springt immer ein Kollege ein", erzählt Geller. "Für mich war es immer leicht, jemanden für besondere Einsätze oder spezielle Aufgaben zu finden."

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Er wird aber auch die Menschen in Herborn und seiner Umgebung vermissen: "Das war hier so ein Heimisch-Sein", sagt der 57-Jährige. "Die Menschen hier haben einen freundlichen Umgang miteinander und mit uns als Polizei, egal, ob in der Stadt oder im Dorf. Wir sind hier nie angefeindet worden."

Nie? Nein, das stimmt freilich so nicht: Es war der absolute Tiefpunkt in seinen acht Jahren bei der Polizei, als an Heiligabend 2015 zwei seiner Streifenbeamten am Herborner Bahnhof angegriffen wurden. Bei der Kontrolle eines Fahrgastes in einem Regionalzug zückt dieser plötzlich ein Messer und sticht auf die beiden Polizisten ein. Für den 46 Jahre alten Christoph Rehm gibt es keine Hilfe mehr. Der vierfache Vater stirbt. Sein Kollege erleidet so schwere Verletzungen, dass er seitdem dienstunfähig ist.

Welle der Solidaritäts- und Trauerbekundungen hilft, den Mord zu verarbeiten

Doch danach hat sich für Geller und seine Kollegen gezeigt, wie verbunden die Menschen mit der Polizei sind. Die groß;e Welle der Solidaritäts- und Trauerbekundungen habe ihn zunächst überrascht – und sei dann eine ganz groß;e Hilfe für ihn und seine Kollegen gewesen, um den Fall zu verarbeiten.

Freud und Leid lagen in Gellers Herborner zeitlich eng beieinander: Nur knapp fünf Monate nach der Bluttat stand in Herborn der Hessentag an. Diese zehn Tage im Mai 2016 nennt Geller "mein persönliches Highlight". Nicht ohne Stolz erzählt er, dass er die Leitung für die Einsatzabteilung "Veranstaltungen" und somit für die groß;en Konzerte und anderen Auftritte in der Arena und im Festzelt hatte.

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Und es freut ihn natürlich, dass trotz der mit rund 940 000 Besucher immensen Zahl von Gästen in der Stadt "nur" 72 Straftaten registriert worden seien.

Vergleichweise weniger Einbrüche im Raum Herborn

Allgemein stehen Herborn und seine Polizei in seinen Augen gut da: Deren Teamfähigkeit und Leistungen schlügen sich auch in der Qualität ihrer Arbeit nieder, sagt Geller: "Wir haben im Vergleich zu anderen Standorten im Polizeipräsidium Mittelhessen deutlich weniger Einbruchsdelikte." Auch dass die Aufklärungsquote in Fällen von Unfallflucht in Herborn bei 43 Prozent liegt, macht ihn stolz.

Die Verbundenheit mit der Region zeige sich auch in den vielen guten Zusammenarbeiten: Dafür dankte er ausdrücklich Herborns Bürgermeister Hans Benner, seinem Büroleiter Jörg Kring, Ordnungsamtsleiter Volker Lang und Stadtbrandinspektor Kai Reeh sowie der Leitung der Vitos-Kliniken. In seinen Dank schließ;t er aber auch alle Bürgermeister und Ordnungsamtsmitarbeiter der ebenfalls von der Herborner Station aus betreuten Kommunen Driedorf, Greifenstein, Sinn, Ehringshausen, Hohenahr, Bischoffen und Mittenaar mit ein.

Lars Metzler ist der neue Vize bei der Polizei in Herborn

Eine weitere Personalie bei der Herborner Polizei hat sich kürzlich in aller Stille vollzogen: Gellers Stellvertreter Thomas Welker ist in den Ruhestand gegangen. Neuer Vize ist seitdem Lars Metzler.

Wann Gellers erster offizieller Arbeitstag als Chef der Wetzlarer Polizei ist, steht noch nicht fest. Die Frage, wer in Herborn sein Nachfolger wird, ist ebenfalls noch offen: Die Ausschreibung für die Stelle läuft noch bis Ende nächster Woche.