"Jetzt wird die Keule ausgepackt"

Es ist still geworden um die Talbrücke in Sechshelden. Nun soll die Diskussion über eine Tunnellösung wieder angestoßen werden. Die Bürgerinitiative „MuT“ und der Haigerer FDP-Fraktionsvorsitzende Carsten Seelmeyer sammeln Unterschriften für eine Petition an den Hessischen Landtag.   Foto: C. Pulfrich

"Jetzt wird die Keule ausgepackt." Carsten Seelmeyer, dem Fraktionschef der Haigerer FDP, ist es zu ruhig um das Thema Talbrücke Sechshelden geworden. Er hat daher eine...

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Haiger-Sechshelden. "Jetzt wird die Keule ausgepackt." Carsten Seelmeyer, dem Fraktionschef der Haigerer FDP, ist es zu ruhig um das Thema Talbrücke Sechshelden geworden. Er hat daher eine Petition ins Leben gerufen, in der weiterhin eine Tunnellösung gefordert wird.

Der FDP-Mann hat sich zu dem Schritt entschieden, weil seine nach Berlin an das Bundesverkehrsministerium geschickten Anfragen auf die lange Bank geschoben werden. "Ich erhalte keine Antworten", sagt Seelmeyer. Er hatte die Behörde gebeten, eine detaillierte Gegenüberstellung der Kosten von Tunnelbau und Brückenbau zur Verfügung zu stellen.

Innerhalb von 90 Tagen sollen 2000 Stimmen für das Projekt zusammen kommen. Das Ziel dürften die Initiatoren locker erreichen. Kaum gestartet, haben sich innerhalb von fünf Tagen knapp 500 Unterzeichner dem Anliegen angeschlossen. Nach Abschluss der Aktion soll zur Übergabe der Listen im Verkehrsministerium eine Fahrt nach Wiesbaden organisiert werden.

Vermutlich beschäftigt sich auch der Landtag mit der Eingabe.

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Mit im Boot sitzt auch die Bürgerinitiative "MuT" aus dem Haigerer Stadtteil, die sich für eine Verbesserung der Lebensbedingungen im Dorf einsetzt und weiterhin für eine Tunnellösung auf der A 45 stark macht. Der Abriss der Brücke und ein Wiederaufbau im engen Tal werden abgelehnt.

Innerhalb von 
fünf Tagen 
haben 500 
Befürworter die Petition unterzeichnet

"Die einmalige Chance, durch eine geringe Trassenverschiebung mit Tunnellösung zukunftsweisend und problemlösend die Fehler der Vergangenheit zu kompensieren und eine Lösung für die lärm- und feinstaubgeplagten Bürger Sechsheldens zu erreichen, würde bei einem Brückenneubau ungenutzt bleiben. Das muss von den zuständigen Entscheidungsträgern verhindert werden!", lautet es in der Begründung der Petition.

Seit 1968 wird Sechshelden von einer Talbrücke der Bundesautobahn A 45 "Sauerlandlinie" überspannt und in zwei Ortsteile getrennt. In die Zange genommen wird das Dorf zudem von der B 277 im Süden und der Bahnstrecke Gieß;en/Siegen im Norden.

Die seit dem Bau der Autobahn stetige Zunahme des Straß;en- und Schienenverkehrs hat für die Bewohner zu einer inzwischen unerträglichen Lärm- und Emissionsbelastung geführt. In den letzten Jahren haben sich schwere Verkehrsunfälle ereignet, bei denen unter anderem zwei Lastwagen von der Brücke stürzten und zwei Fahrräder in einen Hausgarten fielen.

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Im Jahr 2010 hat sich im Haigerer Ortsteil die Bürgerinitiative "MuT" (Menschen unter der Talbrücke) gegründet. Ziel der Initiative ist es, eine kleinräumige Verlegung der Talbrücke Sechshelden herbeizuführen.

Eine vom Haigerer Stadtparlament in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie, für die eine fünfstellige Summe ausgegeben wurde, untermauert die Bemühungen der Bürgerinitiative. Technisch könne das Projekt bewerkstelligt werden.

Den Beteiligten wurde der Tunnel als favorisierte Lösung präsentiert. Nach langer Vorplanung teilten die Behörden dann überraschend mit, die Variante könne aus finanziellen Gründen nicht umgesetzt werden – wegen hoher Kosten. Zur Wirtschaftlichkeitsbetrachtung führte die Behörde Berechnungen an, die aus Sicht von "MuT" nicht nachvollziehbar sind.

Die Petition ist auf der Homepage der BI zu finden: www.mut-sechshelden.de.

Hintergrund: Der Weg einer Petition

Eine Petition wird von einem Bürger beim Landtag per Brief, Fax oder online über die Homepage (Online-Petition) eingereicht. Die Kanzlei des Hessischen Landtags bittet die Landesregierung um Stellungnahme zum Sachverhalt. Liegt diese vor, wird sie geprüft. Der Petitionsausschuss (PTA) berät über diese und andere Petitionen. Möglicherweise werden weitere Auskünfte benötigt oder ein Ortstermin wird vorgesehen. Sind diese Informationen verfügbar, wird im Ausschuss beraten und ein Beschlussvorschlag gefasst, der in der nächsten Plenarsitzung allen anderen Abgeordneten zur Abstimmung vorgelegt wird. Das Plenum entscheidet nun über den Vorschlag des Petitionsausschusses. Die Entscheidung des Plenums wird dem Petenten mitgeteilt. Damit ist das Verfahren abgeschlossen. (Quelle: Hessischer Landtag)

Von Kilian Scharf