Nicht aus der Bannmeile verbannt

Sie waren nicht aus der Bannmeile zu vertreiben: Sechsheldener Bürger und Vertreter der Bürgerinitiative „MuT“ rollten vor dem Hessischen Landtag ihre Transparente aus und machten auf ihr Anliegen aufmerksam.   Foto: Schwedt

Gelungene Inszenierung der "Mut"-Bürger: Am Mittwochnachmittag erfolgte im Beisein von knapp 60 Mitstreitern vor dem Hessischen Landtag die Übergabe der Petition an die...

Anzeige

Wiesbaden. Gelungene Inszenierung der "Mut"-Bürger: Am Mittwochnachmittag erfolgte im Beisein von knapp 60 Mitstreitern vor dem Hessischen Landtag die Übergabe der Petition an die Landtagsabgeordneten Florian Rentsch (FDP) und Stephan Grüger (SPD).

Gerade in Wiesbaden angekommen, marschierte die Gruppe um den Vorsitzenden Rainer Buhl mit ihren mitgebrachten Schautafeln und Transparente vor den Besuchereingang des Landtages. Die Delegation ließ; sich auch nicht vom Hinweis einer Mitarbeiterin abschrecken, wegen der laufenden Parlamentssitzung die Bannmeile zu verlassen.

"Unsere Aktion ist gelungen und hat eine groß;e Resonanz gefunden. Jetzt warten wir auf den FDP-Landtagsabgeordneten Florian Rentsch als Vertreter des Petitionsausschusses", erklärte Rainer Buhl.

Stephan Grüger (SPD) fordert, genaue Rechnungen 
auf den Tisch 
zu legen

Anzeige

Initiiert hatte den Übergabetermin der Haigerer FDP-Fraktionschef Carsten Seelmeyer, der auch ein Team des hr-Fernsehens zur Übergabe eingeladen hatte. In der Hessenschau wurde abends noch ein Beitrag gesendet.

Der heimische SPD Landtagsabgeordnete Stephan Grüger hatte ebenfalls kurz die Parlamentssitzung verlassen, um der Delegation aus dem Haigerer Stadtteil seine Unterstützung zu versichern. "Ich bin der Meinung, man sollte erst einmal genau durchrechnen, ob die Tunnellösung wesentlich teurer wird und dabei die Vorteile dieser Variante für die Menschen und die Umwelt mit berücksichtigen."

Florian Rentsch, FDP-Fraktionsvorsitzender im Landtag, stellte klar: "Der Neubau der Talbrücke ist die zweitbeste Lösung, wir sollten jedoch die Tunnelvariante realisieren. Gerade jetzt hat der Bund für Straß;enbaumaß;nahmen so viel Geld wie noch nie. Die finanziellen Mittel fließ;en nicht alle ab, weil Projekte fehlen".

Er versicherte den Sechsheldenern, gemeinsam mit seinem Kollegen Rene Rock die Eingabe im Petitionsausschuss unter den vorgetragenen Gesichtspunkten zu erörtern und das Gremium für einen Ortstermin unter der Autobahnbrücke zu gewinnen.

Unterstützung gab es auch von der FWG. Solidarisch zeigte sich Haigers Fraktionsvorsitzender Rainer Binde, der ein Transparent entrollt hatte und die Übergabe aufmerksam verfolgte.

Anzeige

Carsten Seelmeyer zeigte sich von der groß;en Resonanz überrascht: "Wir hoffen auf einen positiven Beschlussvorschlag des Petitionsausschusses an das Plenum im Landtag. Wir werden mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln für die Verwirklichung der Tunnellösung kämpfen."

Info: Die Petition

Drei Monate lang hat die Initiative "Menschen unter der Talbrücke" gemeinsam mit dem Haigerer Stadtverordneten und Vorsitzenden des FDP-Landesfachausschusses Verkehr Hessen, Carsten Seelmeyer, 3638 Unterschriften gesammelt und die 300 Seiten umfassende Petition erarbeitet. In dieser Dokumentation wird dem Neubau der Talbrücke der A 45 an gleicher Stelle wegen der enormen Lärm- und Feinstaubbelastung eine Absage erteilt und stattdessen eine kleine Trassenverschiebung mit Tunnellösung gefordert. (kds)

Stimmen der Teilnehmer

Die älteste Teilnehmerin der Delegation, die 87-jährige Anni Vahlsing, besser bekannt als die als Gemeindeschwester und Kindergartenleiterin bekannte Schwester Anni, bekräftigte: "Es ist wichtig, hier dabei zu sein, um für künftige Generationen die richtige Lösung herbeizuführen". Willi Kilian ist mit seinen 80 Jahren ein engagierter Unterstützer der Bürgerinitiative. Er wies ebenfalls auf die Lärm- und Feinstaubbelastung hin und zog das Fazit: "Wir müssen an unsere Jugend denken und alles tun, um die Tunnellösung zu ermöglichen".

Im Bus saß; auch Cornelia Göbel: "Ich wohne in unmittelbarer Nähe zur Autobahn und bin bei der Bürgerinitiative von Anfang an mit dabei. Wir gehen mit Optimismus vor und kämpfen dafür, dass die Fehler der Vergangenheit nicht nach 50 Jahren wieder gemacht werden."

Zugezogen ist Manuela Bietz: "Wir sind vor neun Jahren nach Sechshelden gezogen und wohnen unter der Autobahn. Der Verkehr ist wesentlich stärker geworden, so dass abends vor dem Haus keine Unterhaltung mehr möglich ist. Eine Tunnellösung würde die Situation deutlich entlasten."

"Ich freue mich über die Resonanz, finde es jedoch schade, dass es immer noch Leute gibt, die wegschauen und wenig Interesse am Mitmachen zeigen. Ich hoffe auf Einsichtigkeit, wenn alle Zahlen ordentlich auf dem Tisch liegen und die Tunnellösung bestimmt nicht teurer wird" sagte Sechsheldens "Ortsbabbe" Erwin Klein.

Und der Haigerer SPD-Stadtverordneter Siegfried Kilian fügte in Wiesbaden an: "Wir erwarten, dass sich der Petitionsausschuss intensiv mit unserer Eingabe befasst und einen Ortstermin einplant." (kds)

Von Klaus-Dieter Schwedt