Steffen Schenk und seine Lebensgefährtin Christina Padberg.   Foto: Bostanci

Eine Wohnung mit Blick über die Dächer von Dillenburg, auf Schlossberg und Wilhelmsturm. Steffen Schenk genießt die Aussicht. Aber er wäre sofort zum Umzug bereit...

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Greifenstein/Dillenburg. Eine Wohnung mit Blick über die Dächer von Dillenburg, auf Schlossberg und Wilhelmsturm. Steffen Schenk genieß;t die Aussicht. Aber er wäre sofort zum Umzug bereit – wenn er denn zum Greifensteiner Bürgermeister gewählt wird.

Es wäre die Rückkehr an die Orte seiner Kindheit und Jugend: Der 48-Jährige ist in Rodenberg aufgewachsen. Die Eltern leben noch immer dort. Bis 1998 hat auch Steffen Schenk in Greifenstein gewohnt, dann ist er nach Dillenburg umgezogen. "Der Liebe wegen", sagt er. Die Beziehung ging später auseinander, der Stadt Dillenburg blieb er treu.

Zum einen gehörte er seit 2001 der Stadtverordnetenversammlung an, zunächst für die Bürgerliste, später als unabhängiger Abgeordneter. Seit 2006 ist er für die CDU im Magistrat. Das wäre in Greifenstein nicht möglich, denn Schenk ist dort seit 30 Jahren Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung und dürfte auch mit Wohnort in der Groß;gemeinde nicht dem dortigen Parlament angehören. Zum anderen arbeitet seine heutige, inzwischen langjährige Partnerin Christina Padberg als Hygienefachkraft im der Dillklinik angegliederten Ärztehaus, ist in wenigen Minuten zu Fuß; am Arbeitsplatz. Sie geht morgens ganz früh aus dem Haus, macht dann eine Pause, um ihren Partner zu wecken und mit ihm zu frühstücken.

"Ich bin Morgenmuffel", schätzt Schenk sich selbstkritisch ein. Wobei – Langschläfer ist er nicht, um 6 Uhr steht er auf, denn spätestens um 8.30 Uhr sitzt er am Schreibtisch im Rathaus in Beilstein. "Und ich brauche morgens etwas mehr Vorlauf", sagt Schenk.

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Dass es ihn beruflich in die Verwaltung verschlägt, hatte er als Schüler gar nicht auf dem Plan. Schenks Interesse galt der Geschichte. Das klassische Altertum, die Römer und die Griechen – die entsprechenden Bücher der Kinder-Lexika-Reihe "Was ist was" hat der kleine Steffen begeistert verschlungen. Als Oberstufenschüler am Herborner Johanneum-Gymnasium belegte Schenk als Leistungskurse Geschichte und Latein. Und nach dem Abitur 1988 war sein Ziel, Archäologie zu studieren.

Traum vom Archäologiestudium aufgegeben, aber Geschichte zum groß;en Hobby gemacht

Doch sein Realitätssinn siegt: "Die Berufsaussichten für Archäologen sind ganz schlecht. Als ich in meiner Gemeinde eine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten machen konnte, habe ich mich dafür entschieden und später den Fachwirt und den Verwaltungsbetriebswirt draufgesetzt."

Neben der Ausbildung verpflichtete er sich, zehn Jahre beim DRK mitzuarbeiten. Damals war das eine Möglichkeit, den Wehrdienst zu ersetzen. "Kriegsdienstverweigerung war für mich keine Option, ich habe damals sogar überlegt, mich bei der Bundeswehr zu verpflichten, dann aber doch das DRK gewählt", so Schenk.

Geschichte blieb sein groß;es Hobby. Er ist (natürlich) Mitglied im Greifenstein-Verein sowie im Dillenburger Geschichtsverein und im Museumsverein. Vor allem aber schlägt sein Herz für die Gesellschaft für hessische Militär- und Zivilgeschichte, deren stellvertretender Vorsitzender er ist.

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Erstmals mit "Historiendarstellung" ist er in Kontakt gekommen, als die Gedenkfeier zum 250. Jahrestag der Zerstörung des Dillenburger Schlosses geplant wurde. Stoffe und Schnittmuster wurden besorgt, Uniformen genäht. "Ich war fürs Zuschneiden zuständig", so Schenk. Als er an der "Zeitreise ins 18. Jahrhundert" im Schloss Fasanerie in Eichenzell teilnahm, war er endgültig infiziert.

Inzwischen ist es Europas größ;tes Rokokofest mit fast 600 Darstellern. Schenk ist einer der maß;geblichen Organisatoren der Mammutveranstaltung. Und er achtet auf ein "hohes Maß; an Authentizität": Der Schnitt der Bekleidung muss stimmen, die Stoffe dürfen nicht aus Kunstfasern sein, Reiß;verschlüsse sind verpönt.

Acht Jahre lang hat seine Partnerin mitgemacht, im vergangenen Jahr hat sie für sich ein anderes Freizeit-Betätigungsfeld entdeckt: das Gärtnern. Seither nennt sie einen 300 Quadratmeter groß;en Garten ihr Eigen, in dem sie Obst und Gemüse anbaut. "Die erste Ernte steht bevor", freut sich Christina Padberg. Steffen Schenk kann die Begeisterung nicht so ganz teilen. Obst und Gemüse sind nicht so seins. Als Beilage geht es in Ordnung, aber ein Stück Fleisch soll schon noch dabei sein.

Die kulinarischen Vorlieben kennt Schenks fast 80-jährige Mutter genau, denn dorthin kommt der Sohn während der Woche mittags zum Essen. Vom Beilsteiner Rathaus bis nach Rodenberg ist es ja nicht weit.

Die Wochenenden verbringt Schenk mit seiner Partnerin ganz ruhig in Dillenburg, zumal unter der Woche abends oft Sitzungen anstehen – entweder beruflich in Greifenstein oder ehrenamtlich in Dillenburg. Lesen, ein bisschen spazieren gehen – mehr braucht es nicht. Als sportliche Betätigung reicht ja fast schon der täglich mindestens einmal zu bewältigende Weg in die eigene Wohnung – 50 Stufen zu steigen, hält fit.

Urlaub? "Im Moment haben wir keine Pläne. Ich konzentriere mich auf den Wahlkampf", sagt Schenk. Fernreisen sind ohnehin nicht so die Sache des Paares, sie machen lieber Kurztrips und dann an die Nordsee, nach Carolinensiel.

Auf die Frage, was ihn, einen Kenner der "Greifensteiner Verhältnisse", zur Kandidatur bewogen hat, antwortet Schenk: "Ich habe genug davon, wie es in den vergangenen Jahren gelaufen ist. Ich versuche, im Rahmen meiner Möglichkeiten zu begleiten. Mit dem, was rauskommt, bin ich nicht zufrieden. Es ist meine Gemeinde, ich bin dort aufgewachsen. Ich habe keine Lust, mir das Trauerspiel noch länger anzuschauen."

ZUR PERSON

Geburtstag: 25. Juli 1969

Familienstand: geschieden, in einer festen Beziehung, keine Kinder

Beruf: Verwaltungsbetriebswirt

Partei: unabhängiger Bürgermeisterkandidat, Mitglied der CDU

Haustier: keines

Hobbys: Geschichte und Historiendarstellung (18. Jahrhundert)

Lieblingsmusik: Klassik und Pop

Lieblingsgericht: Schnitzel und Steaks in allen Variationen

Lieblingsbuch: Militärhistorische Literatur aus der Zeit des 18. Jahrhunderts; zur Entspannung auch gerne mal einen (historischen) Kriminalroman

Lieblingsort in Greifenstein: Ich liebe die gesamte Gemeinde; einen einzelnen Lieblingsort habe ich nicht. In allen elf Gemarkungen gibt es wundervolle Plätze.

DIE WAHL

Die Greifensteiner haben am 27. Mai die Wahl, wer Nachfolger von Martin Kröckel (parteilos) wird. Eine Stichwahl wäre am 10. Juni.

Wahlberechtigt sind (Stand 31. Dezember 2017) 5423 Männer und Frauen. Die Gemeinde verzeichnete am Stichtag 6751 Einwohner.

Es gibt drei unabhängig antretende Kandidaten. Marion Sander (sie hat die Unterstützung von SPD und Unabhängiger Liste für Greifenstein). Steffen Schenk ist CDU-Mitglied, tritt aber als Unabhängiger an, was beides auch für Marc Schmittdiel gilt, den die CDU Greifenstein aber unterstützt.

Alle drei Kandidaten stellen sich bei unserem Podiumsgespräch am Mittwoch, 16. Mai, um 19 Uhr in der Ulmtalhalle den Fragen der Bürger.