Großes Interesse: Rund 140 Siegbacher kamen am Mittwochabend zur Bürgerinformationsveranstaltung ins Tringensteiner Dorfgemeinschaftshaus - Thema: Die Unterbringung von 32 jugendlichen Flüchtlingen im Ferienlager.  Fotos: Linker

SIEGBACH-TRINGENSTEIN 32 jugendliche Flüchtlinge sollen ab Mitte November im Ferienlager in Tringenstein untergebracht werden. Das Kreisjugendamt sowie das DRK, das die...

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. SIEGBACH-TRINGENSTEIN 32 jugendliche Flüchtlinge sollen ab Mitte November im Ferienlager in Tringenstein untergebracht werden. Das Kreisjugendamt sowie das DRK, das die Jugendlichen betreuen wird, haben am Mittwochabend die Bürger über das Vorhaben informiert.

Rund 140 Siegbacher kamen zu der Informationsveranstaltung ins Tringensteiner Dorfgemeinschaftshaus.

Nach Angaben von Kreisjugendamtsleiter Andreas Kreuter hat der Kreis in den vergangenen Monaten und Jahren jugendliche Flüchtlinge in Wohngruppen und Heimen untergebracht. Zum Beispiel im Albert-Schweitzer-Dorf in Wetzlar, im Kinder- und Jugendheim in Rechtenbach, in Häusern des St.-Elisabeth-Vereins, des Internationalen Bundes und der AWO Herborn.

Am 15. Oktober sei es aber zum "Dammbruch" gekommen. Dann habe das Land Hessen mitgeteilt, dass es aus seinen Erstaufnahmeeinrichtungen die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge - also Jugendliche, die ohne Eltern oder andere Angehörige aus ihrer Heimat geflüchtet sind - an die Landkreise verteilen werde. Der Lahn-Dill-Kreis solle deshalb bis zum Jahresende noch 288 dieser Flüchtlinge aufnehmen. Eine Aufgabe für Kreis, Städte und Gemeinden, die er, Kreuter, in seiner langen Berufszeit noch nicht erlebt habe. Er sagt: "Dafür hatten wir keine Kapazitäten aufgebaut." Deshalb nutze der Kreis jetzt auch sein Kreisjugendheim in Heisterberg sowie sein Feriendorf in Tringenstein als Unterkunft.

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In Heisterberg sollen 64 Jugendliche unterkommen, die ersten sind schon in der vorigen Woche angekommen. In Tringenstein sollen die ersten der bis zu 32 Jugendlichen ab dem 9. November ankommen.

Laut Kreuter sind diese Jugendlichen 16 oder 17 Jahre alt, männlich und stammen vorwiegend aus Afghanistan und Eritrea. "Manche sind drei bis vier Jahre unterwegs und haben eine lange Odyssee hinter sich. Sie gehen durch die Sahara und werden dann teilweise monatelang in Libyen eingesperrt, bevor sie über das Mittelmeer nach Europa kommen. "Das sind die Anreisewege der jungen Männer, die dann auch nach Tringenstein kommen." Bei den Jugendlichen aus Afghanistan seien die Eltern oft bei terroristischen Anschlägen ums Leben gekommen.

Die Jugendlichen sollen drei bis sechs Monate in dem Erika-Heß-Feriendorf untergebracht werden. Danach will sie der Kreis möglichst auf Wohngruppen verteilen. Kreuter geht aber davon aus, "dass wir Tringenstein noch das ganze nächste Jahr brauchen". Denn er rechnet im ersten Quartal 2016 mit etwa 300 weiteren unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen, die der Lahn-Dill-Kreis unterbringen müsse.

In der ersten Woche stünden für sie unter anderem ausländerrechtliche Fragen und Gesundheitsuntersuchungen (eine Untersuchung auf ansteckende Krankheiten hat bereits in der Erstaufnahmestelle stattgefunden) an. Danach beginnt auch für sie die Schulpflicht. An fünf Tagen in der Woche sollen sie an der Gewerblichen Schule in Dillenburg in eigenen, speziellen Integrationsklassen zunächst die deutsche Sprache lernen und dann möglichst innerhalb von zwei Jahren den Hauptschulabschluss ablegen können.

Die Erfahrungen zeigten, dass das auch funktioniere. Kreuter nannte das Beispiel eines jungen Flüchtlings, der im Dezember ohne Sprachkenntnisse in Deutschland angekommen sei und dann als Jahrgangsbester an der Käthe-Kollwitz-Schule in Wetzlar abgeschlossen habe. Auch an der Neuen Friedensschule in Merkenbach gehörten junge Flüchtlinge zu den Jahrgangsbesten.

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Die Betreuung der Jugendlichen in dem Ferienlager in Tringenstein übernimmt das Deutsche Rote Kreuz (DRK), der DRK-Kreisverband Dillkreis. Der pädagogische Verantwortliche beim DRK ist Christof Müller. Er sagte am Mittwochabend: Im Ferienlager werde im Drei-Schicht-System gearbeitet, es sei rund um die Uhr jemand vor Ort. Das DRK lege größten Wert auf eine möglichst umfassende Selbstständigkeit der Jugendlichen. Sie sollten Verantwortung für Sauberkeit und Hygiene übernehmen und sich an anfallenden Arbeiten im Haupthaus und auf dem Gelände beteiligen. Außerdem bittet das DRK noch um ehrenamtliche Unterstützung, vor allem der Siegbacher. Der stellvertretende Vorsitzende des DRK-Kreisverbandes, Hermann Steubing, sagte: "Wir kümmern uns, wir können es, aber wir können es nicht alleine."

Das DRK sucht noch ehrenamtliche Hilfe für die Betreuung der Jugendlichen

Laut Stefan Thielmann, beim DRK Dillkreis für die Flüchtlingshilfe zuständig, haben schon erste Siegbacher ihre Hilfe angeboten. Eine Frau habe sich als "Ersatz-Oma" in die Liste eingetragen. Sie habe gefragt, ob sie ins Feriendorf kommen und mit den Jugendlichen zum Beispiel Mensch-ärgere-Dich-nicht spielen dürfe. Thielmann ist begeistert von diesem Beispiel.

Wer helfen will oder Fragen hat, kann sich an Stefan Thielmann vom DRK wenden: stefan.thielmann@drk-dillenburg.de; Telefon (02771) 30359.

Jugendliche Flüchtlinge im Lahn-Dill-Kreis

Das Kreisjugendamt hat Zahlen zu unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen veröffentlicht:

Wie viele dieser Flüchtlinge hat der Lahn-Dill-Kreis aufgenommen?

– 2010: 21 (15 männl., 6 weibl.)– 2011: 31 (20 m., 11 w.)– 2012: 41 (29 m., 12 w.)– 2013: 62 (50 m., 12 w.)– 2014: 83 (69 m., 14 w.)– 2015 (15.10.): 164 (143 m., 21 w.)– 2015 (31.12.) voraussichtlich 452

Wo kommen die Flüchtlinge her, die derzeit unter der Verantwortung des Kreisjugendamtes untergebracht wurden?

– Afghanistan: 70– Eritrea: 40– Somalia: 35– Äthiopien: 8– Pakistan: 8– Syrien: 7

Wie alt sind diese Flüchtlinge, die bislang unter der Verantwortung des Kreisjugendamtes im Lahn-Dill-Kreis untergebracht sind?

– bis 16 Jahre: 15– 16 bis 18 Jahre: 86– 18 bis 20 Jahre: 78