Frank & frei

kurz vor dem Sommer geht es bei uns nochmal richtig zur Sache. Die "Bürgerinitiative Wahlheimer Weg" wirft in einer Pressemitteilung Stadtrat Semler und dem Leiter des Bauordnungsamts "Verrat am Bürger", "Vorsätzlichen Rechtsbruch", "Rechtsbeugung", "Verbrechen an der Natur" sowie "Begünstigung von Parteifreunden" vor.

Wenn man jetzt den beiden Herren eventuell noch "Unterschlagung", "Freiheitsberaubung", "Unterlassene Hilfeleistung", "Räuberische Erpressung" sowie einen "Verstoß gegen das Bierreinheitsgebot" und den "Mord an Uwe Barschel" anhängen könnte, müssten unsere beiden mutmaßlichen städtischen Schwerstkriminellen vermutlich mit einstweiliger öffentlicher Erschießung am Goethebrunnen rechnen.

Liebe Leserinnen und Leser: So kämpferisch kann der gut situierte deutsche Mittelstand zur Sache gehen, wenn mal die eigenen Interessen berührt werden. Daran sollten wir einfachen Menschen uns ein Beispiel nehmen, wenn uns wieder Leistungen gekürzt oder den Arbeitnehmern die Rechte beschnitten werden sollen.

Also, liebe Gewerkschafter: Nicht nur wie bisher einmal im Jahr am 1. Mai kurz die Rede des Bezirksvertreters hören und dann nach zwei Minuten organisierten Schimpfens zum gemütlichen Teil mit frisch gezapftem Pils übergehen, sondern öfter mal mit selbstgebastelten Schildern in eine Aufsichtsratssitzung reinplatzen oder Flugblätter mit richtig kernigen Beleidigungen verteilen. Nehmt euch die "Bürgerinitiative Wahlheimer Weg" zum Vorbild, denn es würde uns nicht wundern, wenn dort bald das "Das weiche Wasser bricht den Stein" in voller Lautstärke aus den Familienlimousinen ertönt und sich im Tennisclub am Lahnberg in einer konspirativen Versammlung die neue Aktion "APO mit Audi" gründet.

Angeblich sollen die Mercedes-Händler bereits auf den neuen Kampfgeist ihrer potenziellen Kunden reagiert haben und die ersten Fahrzeuge mit dem Konterfei von "Che Guevara" statt des üblichen Sternes auf dem Kühlergrill anbieten.

Beinahe wäre übrigens in dem ganzen Getöse etwas untergegangen, was sicher noch für erheblich mehr Diskussionen sorgen dürfte: Der "Teilregionalplan Energie Mittelhessen" sieht 3,1 Prozent des Stadtgebietes als "Vorranggebiete für Windenergie" vor, wobei ein großer Teil der Fläche bei Blasbach liegen wird. Bevor Sie als Bewohner des Kernstadtgebietes jetzt denken "Ach Gott, ja, Blasbach eben…" sollten Sie wissen, dass auch an der Grenze zu Aßlar und am "Weinberg" Windkraftanlagen entstehen sollen. Angeblich sollen die ersten Umweltaktivisten schon damit begonnen haben, ihre "Atomkraft: Nein danke"-Schilder mit "Kein Windrad vor unserer Haustür" zu überpinseln.

Eine Meldung sorgte landesweit für Aufsehen: In Mittenaar wird vermutlich sehr bald wieder eine Bürgermeisterstelle frei. Unbestätigten Gerüchten zufolge sollen nach Bekanntwerden dieser Nachricht im Vorstand der Wetzlarer CDU bereits die Navigationsgeräte aus den Autos entfernt worden sein, da angeblich einer von ihnen bereits am Frühstückstisch gefragt hat: "Schatz, guck mal, wo das liegt. Und denk dran, ,Mittenaar‘ mit ,aa‘ und nicht mit ,h‘."

Dies schreibt frank & frei Ihr Frank Mignon


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