Frank & frei

ich muss heute besonders vorsichtig schreiben, denn man weiß ja nicht, wer so alles heimlich mitliest oder zuhört. Eigentlich hätten wir schon zu unserer Schulzeit misstrauisch werden müssen, denn es gab doch immer einen Mitschüler, der beim Lernen der englischen oder lateinischen Vokabeln angeboten hat: "Soll ich dich mal abhören?" Der war bestimmt auch einer von denen. Und was meinen Sie, wie sich die Wirtinnen in Frankfurts Apfelweinkneipen fühlen, wenn chinesische Gäste einen "Lauscher" bestellen. Wenn das nicht nach Industriespionage klingt.

Mittlerweile ist ja bekannt, dass sogar unsere Bundeskanzlerin beim Regieren abgehört wird. Na gut, werden Sie jetzt denken, was sollen die da denn schon Besonderes hören wollen, aber man wird doch mal fragen dürfen.

Was wäre eigentlich, wenn die massiven Überwachungsmaßnahmen mittlerweile auch in unseren Kommunen stattfinden würden? Als in der letzten Kreistagssitzung unser Landrat Schuster auf die Anfrage der CDU nach den Bezügen des früheren ehrenamtlichen grünen Kreisbeigeordneten Kaufmann-Ohl die Auskunft aus Gründen des Datenschutzes verweigerte, ging der Angesprochene selbst ans Mikrofon und gab bereitwillig Auskunft. Vermutlich dachte er: "Der Obama weiß ohnehin schon, was ich bekommen habe, jetzt soll eben der Irmer entscheiden, ob ich das auch verdiene." Dank Roland Esch wissen wir nun auch, dass es sich dabei nicht um ein "Ehrenamt", sondern um ein "Nebenamt" handelt, dass immerhin mit monatlich 5000 Euro vergütet wurde. Eventuell sollte man dem abhörenden US-Agenten angesichts solcher Summen sicherheitshalber die Wörter buchstabieren: "Neben-Amt" und nicht "Nehmen-Amt".

Ich muss mal kurz diese Spionage-Sache unterbrechen, denn eben lese ich in unserer Zeitung, dass man im Finanzamt Solingen auf unkonventionelle Wege beim Feueralarm setzt: Ausgewählte Beamte bekommen "manuell zu bedienende Alarmhupen", im Volksmund auch "Tröten" genannt. Im Ernstfall sollen die Mitarbeiter sozusagen "hupend" den Rest des Hauses alarmieren. Hoffentlich verlässt man sich beim Neubau unseres Kreishauses nicht auf solche Methoden und stattet zumindest das Dezernat "Finanzen" nicht mit diesen Dingern aus, denn so oft, wie es dort "brennt", müsste unser Landrat Schuster vermutlich den ganzen Tag ins Horn blasen. Und wie soll man bei dem Krach denn bitteschön noch vernünftig arbeiten?

Obwohl man mit solchen Tröten eventuell bei wichtigen Gesprächen in unserem Rathaus ein ungewolltes Abhören erschweren könnte. Wenn beispielsweise unser Bürgermeister Manfred Wagner sich künftig mit seinen hauptamtlichen Magistratskollegen in seinem Büro abstimmen möchte, könnte doch Büroleiter Klaus Gürsch Wand an Wand nebenan einfach während des gesamten Gespräches lautstark tröten. Ich sage Ihnen: Da wird der Ami beim Abhören wahnsinnig. Obwohl vermutlich ein Großteil des Geheimdienstes alleine schon mit dem Buchstabieren des Namens "Kortlüke" ausgelastet sein dürfte.

Ich muss jetzt zum Schluss kommen, denn ich möchte mir bei dem schönen Wetter gleich ein lauschiges Plätzchen im Garten suchen. Oh nein, nicht, dass Sie mich jetzt falsch verstehen.

Dies schreibt frank & frei Ihr Frank Mignon


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