Frank & frei

und Leser,

aus zuverlässiger Quelle durfte ich erfahren, dass die anstehenden Brandschutzmaßnahmen im Wetzlarer Rathaus erheblich weitere Kreise ziehen werden als man es zunächst annehmen konnte. Notwendige Modernisierungen auch im Haus selbst zwingen angeblich unsere Stadtverwaltung zu massiven organisatorischen Anstrengungen, da kurzzeitig Ämter und Abteilungen zusammengelegt oder gar ausgelagert werden müssen. Kennen Sie noch die Szene aus dem Miss-Marple-Film "Mörder Ahoi", in der die rüstige alte Dame zur Übernachtung auf dem Segelschiff einzieht und natürlich die Kapitänskajüte beansprucht? Gezwungenermaßen rückt dann die gesamte Offiziersriege eine Kajüte weiter, wobei der unterste Dienstgrad in die Abstellkammer musste. Soweit muss es bei uns nicht kommen, wenn man bei den kurzzeitigen Zusammenlegungen geschickt vorgeht. Das "Kassen- und Steueramt" könnte man effektiv mit dem Amt für "Städtische Sammlungen" zusammenlegen, da bekommt der Begriff "Sammeln" einen ganz neuen Sinn.

Es soll ja schon Ämter gegeben haben, die sich geweigert haben, in die Räume des "Stadtbetriebsamtes" ausgelagert zu werden. "Ei, was solle mir da, bei uns war doch noch nie wirklich Betrieb." Für die "Kämmerei" hingegen wäre das "Stadtbetriebsamt" als Ausweichstätte besonders reizvoll, denn wenn wieder mal Kassensturz gemacht werden soll: Einfach die Akten vorher in einen der dortigen Lagerräume verbringen und abwarten. Da erledigt sich vieles schon alleine durch die vom Amtsleiter angesprochene "thermische Verwertung" von selbst, wie wir durch die Sache mit der Holzskulptur erfahren durften. Jetzt wird auch allmählich klar, was gemeint war, wenn aus dem "Stadtbetriebsamt" eine Anfrage an die "Pressestelle" kam, denn vermutlich sollten die Überreste auch noch in eine handliche Größe geformt werden. Übrigens soll angeblich sogar unser Oberbürgermeister zu gegebener Zeit vorübergehend aus seinem Dienstzimmer ausziehen müssen. Doch wohin? Nach über 30 Jahren Kommunalpolitik und über 16 Jahren Amtszeit wäre es so kurz vor einer möglichen Wiederwahl ein ganz schlechtes Zeichen, wenn man ihn vorübergehend in den Räumen des "Seniorenbüros" oder gar der "Museumsverwaltung" unterbringen würde. Und berücksichtigt man die vielen Jahre, die einige der Mitglieder unserer Stadtverordnetenversammlung schon dabei sind, schlage ich einen kurzfristigen Umzug des Sitzungssaales ins "Historische Archiv" vor.

Doch wohin mit dem "Ausländerbeirat"? Vielleicht zum Amt für "Umwelt- und Naturschutz"? Das bringt vermutlich nichts, denn ob beispielsweise eine Gattung wie der sogenannte "Graue Wolf" durch das Naturschutzamt eine noch bessere Pflege bekommen würde als durch die bisher für ihn zuständige Stelle, darf bezweifelt werden. Das Amt für "Friedhöfe und Bestattungen" könnte übrigens ohne großen Aufwand längerfristig mit dem Amt für "Liegenschaften" zusammengelegt werden, denn stehend ist meines Wissens ohnehin noch niemand unter die Erde gekommen.

Nur dem Rechtsamt kann die ganze Sache im Grunde egal sein. Hauptsache, es kommen keine Klagen.

Dies schreibt frank & frei

Ihr

Frank Mignon


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