Frank & frei

was wäre die Urlaubszeit ohne ein gutes Buch? Das dachte sich auch unser CDU-Landtagsabgeordneter und Kreisvorsitzender Hans-Jürgen Irmer und hat seinen Bucherfolg "Bekannte und beliebte Wander- und Volkslieder" neu aufgelegt. Vermutlich dachte er: "Wem Gott will rechte Gunst erweisen" und fügte für sich hinzu: "Besser ,rechte Gunst‘ als ,linke Kunst‘".

Ich muss zugeben, mein erster Gedanke war "Ich weiß nicht, was soll es bedeuten", aber mein Nachbar klärte mich auf, dass ja nun mal wieder Wahlkampf sei, also "Auf, auf, zum fröhlichen Jagen". Außerdem wusste er natürlich genau, welches das Lieblingslied unseres CDU-Abgeordneten sein muss, worauf ich ihn allerdings sofort korrigieren musste, denn es heißt "Wer recht in Freuden wandern will" und nicht "Wer mit rechten Freunden wandern will". Na gut, für Irmer leben Sozis, Grüne und Linke vermutlich immer noch "Dort unten im Tal, wo der Ostwind wehte".

Deshalb hat er vermutlich auch "O alte Burschenherrlichkeit" in seine Sammlung aufgenommen, denn gegen Ende wird in diesem Werk die gesamte Misere auch der heutigen Konservativen auf den Punkt gebracht: "O jerum, jerum, jerum, o quae mutatio rerum (O jeh, o jeh, o jeh, wie sich die Dinge verändert haben)".

Aber egal, wie es am 22. September ausgeht, für die CDU klappt es in Wiesbaden wohl nur "Hoch auf dem gelben Wagen", denn noch befindet sich das einzige für die hessische CDU akzeptable "Grün" auf der viel besungenen "Heide".

Übrigens sollen im Wetzlarer CDU-Stadtverband bereits regelmäßige Singstunden eingeführt worden sein. Denn auch wenn gilt "Wir lieben die Stürme, die brausenden Wogen", so sollte man nicht vergessen: "Ich hatt‘ einen Kameraden, einen Bess’ren findst du nicht", also "Brüder, reicht die Hand zum Bunde".

Was mich ein wenig nachdenklich gemacht hat, war der Abdruck des Schlagers "Man müsste noch mal zwanzig sein" in dem ansonsten mit Volksliedern bestückten Buch. Denn das könnte bedeuten, dass sich der Herausgeber heimlich noch weitere dreißig Jahre in der aktiven Politik wünscht.

Na gut, "die Gedanken sind frei", aber irgendwann heißt es nun mal "Nehmt Abschied Brüder". Und angeblich heißt es hinter vorgehaltener Hand in der hessischen CDU: "So lange er mit der Herausgabe von Gesangbüchern beschäftigt ist, kann er keine Reden halten oder Artikel schreiben, von denen wir uns dann dauernd distanzieren müssen."

Doch "Horch, was kommt von draußen rein"? Etwa noch ein literarisches CDU-Meisterwerk? Tatsächlich, "Sibylle Pfeiffer - Meine Heimat, meine Rezepte II" ist ebenfalls erschienen und erinnert mich daran, dass ja am 22. September nicht nur Landtags-, sondern auch Bundestagswahl ist.

Unwahr ist allerdings die Behauptung, unser Gesundheitsamt hätte schon mal vorsorglich eine Entwarnung verfasst, dass es sich bei eventuellem Unwohlsein nach dem Ausprobieren einiger Gerichte lediglich um eine Art "Anpassungsreaktion" handeln könnte, intern auch "Pfeiffer’sches Gemüse-Fieber" genannt.

Also, liebe Leserinnen und Leser, egal ob mit Gesang oder mit Gewürzen: Ich wünsche uns allen eine schöne und sonnige Woche.

Dies schreibt frank & frei

Ihr Frank Mignon


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