Frank & frei

und Leser,

ein wenig mehr sportliche Betätigung könnte sicher manchem unserer Zeitgenossen durchaus nicht schaden. Das dachte man sich auch im Rathaus und stellte nun einen weiteren Rundwanderweg vor, der sich "auf den Spuren Goethes" bewegen soll. Nun haben wir ja schon die sogenannte "Vier-Türme-Wanderung", was ja durchaus die Vermutung nähren könnte, man wolle diesen Rundweg einfach um einige Stationen aus der Wetzlarer Zeit Goethes erweitern und das Ganze am Ende "Turm und Drang" nennen. Aber wenn man dem Artikel in unserem Lokalteil folgt, so soll dieser neue Weg vom Lottehaus über die Ilmenau-Anlage und den Goethebrunnen zur "Reither Alm" und dann hinein nach Garbenheim führen. Wie genau der Rückweg aussehen soll, war dem Artikel nicht zu entnehmen. Vermutlich startet der geneigte Wandervogel am Heimatmuseum Garbenheim, um dann an der malerischen Hauptstraße entlang dem sich irisierend schlängelnden Kraftfahrzeugverkehr folgend die majestätisch thronende Schnellstraßenüberführung zu unterqueren und, vorbei an im Abendlicht funkelnden Altmetall-Würfeln ziehend und vom lieblich summenden Geräusch der Hochstraße begleitet, den durch zurückhaltend-zweckmäßige Schlichtheit bestechenden Hintereingang der Rittal-Arena zu erreichen.

Dort erhält der Wanderer dann die Gelegenheit, entweder seinen Kummer mittels im angrenzenden Einkaufszentrum erworbener Branntweinspezialitäten zu ertränken oder sich nahe der Eisenbahnbrücke final vor Verzweiflung in die ruhig vor sich hin fließende Lahn zu stürzen. Wenn das kein Erfolg wird, dann weiß ich auch nicht mehr weiter.

An anderer Stelle soll ja auch die Bewegung gefördert werden, denn das beliebte Adventsdorf soll nun doch auf den Domplatz umziehen, während eine Eisbahn den Schillerplatz bereichern wird. An sich ist das ja eine gute Sache, soll doch laut Jan Freidank, dem Vorsitzenden des Stadtmarketingvereins, eine Achse gebildet werden, die zum Durchqueren der Altstadt einlädt. Er meinte sicher, dass man einfach mehr "auf Achse" sein muss, will man sich an beiden Stätten aufhalten. Den durchschnittlichen Zecher des sogenannten "Business-Mittelstands" stellen diese Planungen vor ganz neue Herausforderungen, muss er doch künftig seine vorweihnachtlichen "After-Work-Parties" ganz neu strukturieren. Erst zur Nahrungsaufnahme und zum "Mut-Antrinken" mit "Stößchen" auf den Domplatz, dann gut gelaunt und johlend durch die Altstadt vorbei an verdutzten Ladeninhabern zum Schillerplatz, um sich dort grölend am Anblick des Sales-Managers zu erfreuen, der verzweifelt versucht, sich auf Schlittschuhen zu den Klängen von "Rudolph, The Red-Nosed Reindeer" wenigstens einen letzten Rest innerbetrieblicher Autorität zu bewahren, während er unentwegt auf seinem Allerwertesten landet. Wenn es uns jetzt noch gelingt, die aus den Fenstern der Anwohner ragenden Lautstärkemessgeräte mittels farbenfroher Girlanden kunstvoll in die vorweihnachtliche Dekoration einzubinden, sollte einer frohen und bewegungsintensiven Adventszeit eigentlich nichts mehr im Wege stehen. Dann mal los, denn: Wer rastet, der rostet, und so eine Eisbahn, die kostet!

Dies schreibt frank & frei

Ihr

Frank Mignon


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