Frank & frei

umgeben von malerischen Landschaften und saftig grünen Wäldern lebt es sich an Lahn und Dill bekanntlich ganz vorzüglich. Das dachten sich vermutlich auch die ansonsten eher ungemütlich gestimmten Völker der Spätantike und hielten sich, glaubt man dem jüngsten Fund, auch gerne mal in Solms-Oberndorf auf. Dort stieß ein städtischer Mitarbeiter des Bauhofes bei Ausschachtungsarbeiten am Friedhof auf verrostete Teile eines Schwertes. Wie dem Bericht im Lokalteil dieser Zeitung zu entnehmen war, wurden die Funde auf die Zeit um 500 nach Christus, aber noch um 1495 vor Jörg Ludwig datiert, was diesem Fund jedoch nicht im Geringsten seine historische Brisanz zu rauben vermag. Nun waren die Merowinger das älteste bekannte fränkische Königsgeschlecht, was den schnell zum Fundort gerufenen Bürgermeister Frank Inderthal vermutlich zu der Feststellung brachte: "Ruf mal den Wolfgang Keller in Braunfels an, der kennt sich mit ,Franken‘ erheblich besser aus." Jetzt bleibt die

Frage: Warum blieben die Funde so lange unentdeckt? Neben den Metallteilen gefundene Keramikscherben könnten da Aufschluss geben, entstammen sie doch eventuell alten Krügen. Unbestätigten Gerüchten zufolge sollen diese Krüge alte Schriftrollen enthalten haben, auf denen zu lesen war: "Verdammt seien jene unserer Nachkommen, die das Hab und Gut der Allgemeinheit derer zu Solms und Oberndorf zu Geschäften mit ruchlosen Geldverleihern gebrauchen". Gut, dass man das erst jetzt ausgegraben hat.

Unter den Merowingern gewannen die Verwalter des königlichen Gutes großen Einfluss. Man nannte sie auch "Majordomus", also "Hausmeier".

Diese durften sogar Beamte ernennen und Urkunden im Namen des Königs ausstellen. Dieser Stand wurde erst in den späten 60er Jahren des 20.

Jahrhunderts durch das öffentliche Amt des städtischen "Hausmeisters" offiziell abgelöst, der im Namen seiner Regenten Autos von nicht zugelassenen Parkflächen entfernen lassen darf, die Schlüsselgewalt über sämtliche Türen und Magazinschränke in seinen Händen hält und dessen Laune den reibungslosen Ablauf einer Veranstaltung maßgeblich beeinflussen kann. Übrigens stellt der Historiker Wilfried Paeschke in Aussicht, dass möglicherweise die Geschichte der Besiedlung Oberndorfs umgeschrieben werden muss. Bei uns in Wetzlar bemüht man für so was nicht einen Historiker, sondern lieber den Hessischen Verwaltungsgerichtshof in Kassel. Dieser hat nun die geplante Bebauung am "Wahlheimer Weg" genehmigt und die Erlaubnis für die Errichtung eines Mehrfamilienhauses erteilt. Da dort auch eine Tiefgarage entstehen soll, ist eventuell mit archäologischen Funden zu rechnen. Stellen wir uns mal vor, wie mitten in unserem edlen Wohnviertel alte Tonkrüge mit Schriftrollen ausgegraben werden, auf denen zu lesen steht: "Hier einst wohl stand die Festung des Karolinger-Geschlechtes derer vom Lahnberge mit Zinnen der Höhe von fünfzehn Mannslängen und Stallungen für Pferde und Gesinde sowie der Kinder großer Schar". Die Geschichte kann manchmal wirklich grausam sein.

Also liebe Leserinnen und Leser: Ran an die Spaten und buddeln, wer weiß, was da noch so alles ans Tageslicht kommt. Dies schreibt frank und frei

Ihr Frank Mignon


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