Frank & frei

zunächst habe ich eine gute Nachricht für Sie: Der Krankenstand in unserer Kreisverwaltung geht zurück von 4,8 auf 4,6 Prozent. Vermutlich, weil seit der erfolgreichen Wahl des dritten hauptamtlichen Beigeordneten die Führungsriege nicht mehr so verschnupft daherkommt und auch deren Kopfschmerzen deutlich nachgelassen haben dürften.

Sehr lobenswert ist auch die Skepsis unseres Vize-Landrats Heinz Schreiber in Sachen "Katwarn". Dabei handelt es sich nicht, wie man zunächst annehmen könnte, um ein Alarmsystem für Allergiker, welches die Anwesenheit von schnurrenden Vierbeinern anzeigt. Vielmehr ist damit dieses in einigen Gegenden äußerst erfolglos eingeführte Katastrophen-Warnsystem per SMS gemeint. Auch die Stadt Emden hat dies probeweise an den Start gebracht und nur zwei Prozent der Bevölkerung hat sich bislang registrieren lassen, was vermutlich auch darauf zurückzuführen sein könnte, dass der waschechte Ostfriese zur Feststellung einer Sturmflutgefahr weniger auf sein Mobiltelefon als lieber Richtung Nordsee sowie nach der Windstärke schaut. Welche Katastrophen sollen denn bei uns schon eine technisch derartig aufwendige Vorwarnung rechtfertigen? Wenn die SMS-Nachricht "Unkontrollierte Stürme aus dem Wetzlarer Bergland Richtung Stadtgebiet unterwegs" eingeht, so muss dies nicht unbedingt eine gefährliche Wetterlage zur Folge haben. Es kann auch einfach bedeuten, dass Hans-Jürgen Irmer zur Kreistags-Sitzung kommt.

Was gibt es sonst noch Neues? Unser Stadtarchiv öffnet seine Türen und stellt eine Auswahl bemerkenswerter Druckerzeugnisse aus. Dies unterscheidet übrigens unser Archiv vom Personal im Bistum Limburg, wo stattdessen eher "Duck-Erzeugnisse" zu finden sein sollten. Dass ausgerechnet jetzt unsere städtischen Aktenhüter ihre Regale ausräumen, hat aber sicher viel praktischere Gründe, denn nach den letzten Wahlen müssen Unmengen an FDP-Materialien eingelagert werden, die dort nun bis zur endgültigen Abdankung unseres Oberbürgermeisters und der Verabschiedung von Frau Sigrid Kornmann aufbewahrt und dann in einer Sonderschau mit dem Titel "Das Ende des Liberalismus in Wetzlar" wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollen. Alleine für alle Fotos mit Matthias Büger mussten angeblich zwei zusätzliche Regale freigemacht werden.

Übrigens befindet sich in einer Vitrine der Ausstellung eine gedruckte Wetzlarer Marktordnung von 1730. Vermutlich haben Stadtparlament und Altstadtverein diese im Zuge der vom Stadtmarketingverein vorgeschlagenen Verlegung des Adventsdorfes erst mal durchgelesen und dann entschieden: "Da steht nix von einer Eisbahn auf dem Schillerplatz, also lassen wir das." Wie wäre es mit einer Eisbahn auf dem frisch herausgeputzten Steighausplatz? Der ist mittlerweile so schief, dass die fröhlichen Zecher sich johlend von der Mitte des Platzes auf allen Vieren direkt in die Eingangstür ihres Lieblings-Italieners rutschen lassen könnten. Da könnte das Sprichwort "Wir holen die Kuh vom Eis" bei langjährig verheirateten Paaren mit neuem Leben erfüllt werden.

Dies schreibt frank und frei Ihr Frank Mignon


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