Frank & frei

und Leser,

ich verrate Ihnen heute einen ganz persönlichen Grundsatz: Der Kauf eines Weihnachtsbaumes darf bei mir nicht länger als fünf Minuten in Anspruch nehmen. Und schon diese fünf Minuten reichen aus, um mit dem Verkäufer ins Gespräch zu kommen und allerlei Kurioses zu erfahren über wohlhabende Ehefrauen, die sich in Anwesenheit ihres schlecht gelaunten Gatten stundenlang einen Baum nach dem anderen zeigen lassen und Fragen stellen wie: "Kann man die nicht von vornher­ein gerade wachsen lassen?" oder "Ihre Bäume haben in diesem Jahr so gar keinen Esprit". Und die dann doch ohne Tanne wieder von dannen ziehen. Dass der Verkäufer dabei seine gute Laune nicht verliert, muss am Duft der frischen Tannen und Fichten liegen.

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Kurz vor dem Fest hat auch unsere Stadtverordnetenversammlung schnell noch einige wichtige Punkte abgearbeitet. So wurde eine neue Abwasser-Gebührenordnung beschlossen, allerdings gab es sowohl Gegenstimmen als auch Enthaltungen. So hört man von Matthias Büger, Fraktionschef der FDP: "Die Satzung hat handwerkliche Schwächen." Nun gut, mit handwerklichen Schwächen in Satzungen kennt er sich ja vermutlich bestens aus, liest er doch seit Jahren die Parteiprogramme der Liberalen. Aber auch die CDU ist in Sorge, allerdings eher um ganz spezielle Härtefälle innerhalb ihrer Wählerschaft. So befürchtet der Fraktionsvorsitzende Altenheimer, dass ein älteres Ehepaar, auf einer Hofreite lebend, bei wenig Frischwasserbedarf mit unverhältnismäßigen Aufschlägen rechnen müsse. Recht hat er. Und was ist mit einer 55-jährigen Frau in einem nicht ordnungsgemäß sanierten Jagdschloss auf einem voll versiegelten Grundstück von 2538 Quadratmetern mit Hubschrauber-Landepatz? Und zählt der Swimming-Pool im Garten eines niedergelassenen Orthopäden trotz Wasserbefüllung als "versiegelte Fläche? Na gut, das hat er jetzt nicht gesagt, aber es gibt Sätze, die müssen nicht gesagt werden, die schweben irgendwie virtuell im Raum. Wobei noch die Frage offenbleibt, warum eigentlich das ältere Ehepaar mit der Hofreite nach Meinung Altenheimers so wenig Frischwasserbedarf hat. Mein Nachbar zog daraus zwei mögliche Schlüsse: Entweder wäscht sich der klassische CDU-Wähler weniger als der Durchschnittsdeutsche oder er ist vor Kummer über die Schwarz-Grüne Koalition in Wiesbaden schon längst von Wasser auf härtere Getränke umgestiegen. Mein Nachbar hat aber auch wieder Ideen. Wenigstens hat sich die Stadt rechtzeitig vor dem Fest entschieden, mit 100 Euro monatlich bis zu zwölf Mitarbeiter der Wetzlarer Tafel zu unterstützen. Nach Ansicht von Klaus Breidsprecher (CDU) sollte sich die "Tafel" auf ihr Kerngeschäft - das Verteilen von Essen für Bedürftige - konzentrieren. Fällt Ihnen etwas auf: Schon wieder wird Klaus Breidsprecher zitiert. Bei den Grünen läuft das anders, dort ist der ehemalige Stadtverordnete Gerd-Rainer Michalek nun aus der Partei ausgetreten und wird mit dem Satz "Jetzt sollen mal die Jüngeren ran" zitiert. Angeblich sollen die Wetzlarer CDU-Stadtverordneten nach Erhalt dieser Meldung gedacht haben: "Guck mal Klaus, geht doch!"

Ein frohes Fest und schöne Feiertage wünscht Ihnen

frank und frei

Ihr Frank Mignon


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