Frank & frei

ein guter Vorsatz für das neue Jahr könnte doch sein, sich nicht mehr über alles lustig zu machen. Na gut, für mich wäre diese Vorsatz eher kontraproduktiv, denn einmal wöchentlich wird ja genau das von mir erwartet.

So auch diese Woche, denn, oh Wunder, fast 400 Jahre nach dem 30-jährigen Krieg ist der Schwede wieder da. Wie Sie sicher gelesen haben, will ein großes nordisches Möbelhaus nun auch nach Mittelhessen, irgendwo nach Gießen oder Marburg.

Nun freuen sich sicher die verbliebenen heimischen Möbelhändler schon auf den Tag, an dem die Lokalpolitiker ihnen die "Synergie-Effekte" erklären, die das mit sich bringt.

Denn das ist nun mal der Sinn einer "Freien Marktwirtschaft": Man siedelt so lange neue Filialisten an, bis auch der letzte heimische Unternehmer aufgibt.

Und die "Synergien" bestehen doch meistens darin, dass man eine Zeit lang einen gemeinsamen Kreisverkehr nutzt.

Früher war eine Fahrt zu IKEA noch ein Event, ein Ereignis, das man sich alle Jubeljahre mal gegönnt hat und von dem man höchstens mit einem Regal und massenweise Gläsern, Tischdecken oder dem berühmten Beutel Teelichtern wieder zurückkam.

Daher auch der Name IKEA "Ich Kauf Einfach Alles". Ob dafür wirklich Filialen in jedem Ort notwendig sind, wäre mal zu diskutieren.

Wenn schon der Schwede wieder überall hin will, dann bitteschön zu uns nach Wetzlar. Da unbestätigten Gerüchten zufolge das Stadthaus am Dom ohnehin dem Abriss preisgegeben werden soll, wäre das doch ein möglicher Standort.

Allerdings müsste das Warenangebot ein wenig dem Standort angepasst werden, wobei mit dem neuen preiswerten Kerzenleuchter "Leuchtese mit Kollas" und dem neuen Tellergericht "Köttbullar Ökumense" ja schon mal erste Vorschläge auf dem Tisch liegen, wobei der Gedanke, angesichts der auf dem Domplatz immer viel zu schnell vorbeifahrenden Luxusautos den Platz in "Wasa Rasa" umzubenennen, eventuell noch diskutiert werden müsste.

Auch unsere städtischen Sammlungen könnten doch einbezogen werden, so dass eine Führung im Palais Papius künftig auch so ablaufen könnte: "Hier sehen Sie ein Chippendale-Sofa aus dem 17. Jahrhundert, einen ostwestfälischen Fassadenschrank aus dem Jahre 1810 und ein Billy-Regal zu achtunddreißig Euro zwanzig, diese Woche im Angebot."

Und den ersten zehn Käufern hilft das Stadtbetriebsamt beim Aufbau zu Hause. Bei den Wetzlarer Festspielen träte IKEA als Hauptsponsor auf, ein Motto hätten wir schon: "Schauspiel und Musik - Goethe und Tröte". Eine Sache wäre da noch: War ein Auslöser des 30-jährigen Krieges der sogenannte "Prager Fenstersturz", so ist der Auslöser für den Verkauf städtischer Grundstücke an Filialisten eher der "Kommunale Kassensturz". Und genau da liegt der berühmte Hase im Pfeffer wie die Fleischbällchen in der Soße, denn wie man weiß, zahlen diese Giganten mit ihren komplizierten Geflechten aus Tochterfirmen und Stiftungen eher wenig Steuern.

Aber kein Problem, dafür hat man ja die anständigen Mittelstandsunternehmer. Also, liebe Familienbetriebe, immer schön "brave Knede zahle".

Det Skrives

Frankt & Fritt

Er Frank Mignon

(Das war schwedisch)


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