Frank & frei

ob in der Bannstraße, am Steighausplatz oder jetzt auch an der Baustelle für unser neues Kreishaus, überall ist der Boden vergiftet.

Mein Nachbar sagte neulich: "Siehste, Mignon, hab ich immer gesagt: Wetzlar ist oben hui und unten pfui. In der Politik ist das meist umgekehrt."

Was der wieder hat. Vermutlich hat er sich über dieses sagenhafte Angebot aufgeregt, dass Landrat Wolfgang Schuster dem "Förderverein Lenste" gemacht hat, der sich ja eigentlich schon in Auflösung befindet.

"frank & frei" liegt übrigens ein geheimes Schreiben vor, dessen Echtheit zwar nicht endgültig festgestellt werden konnte, dessen Inhalt wir Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, aber dennoch nicht vorenthalten möchten: "Sehr geehrter Landrat Wolfgang Schuster, Sie haben dem Förderverein Lenste nun das Ferienlager zur Pacht angeboten, allerdings erst, nachdem zunächst die Unwirtschaftlichkeit des Objektes erklärt wurde und ein Verkauf zu gewünschten Konditionen nicht realisierbar war.

Wenn Sie mit dieser Transaktion Erfolg haben sollten, steht einer erfolgreichen Karriere Ihrerseits in unserem Hause nichts mehr im Wege. Mit freundlichen Grüßen, (…) Personalvorstand Hypo-Real-Estate-Bank."

Übrigens kostet Lenste immer noch pro Jahr rund 50 000 Euro, auch wenn das Ferienlager geschlossen ist. Soviel Geld auszugeben für etwas, wo man nicht mal mehr schlafen und Spaß haben kann, das kennt man sonst nur von ganz anderen Bereichen des Lebens, weshalb sich im Kreishaus für diesen Vorgang auch schon der umgangssprachliche Ausdruck "Schusters Lenste-Alimente" etabliert haben soll.

Haben Sie es auch gelesen: Unter dem neuen Kreishaus werden 179 Pfähle in den Boden getrieben, die ein unterirdisches, stabilisierendes Gestell bilden sollen.

Sehr gut, denn so steht im Gegensatz zu dessen Finanzierung wenigstens das Haus auf sicherem Grund. Mein Nachbar hatte allerdings ganz andere Vermutungen, behauptete er doch gestern am Gartenzaun, unsere hauptamtlichen Kreis-Beigeordneten samt Landrat wollten sich dort unter dem Verwaltungsgebäude schon mal sicherheitshalber einen sicheren Bunker errichten lassen, in den sie sich bei zu viel Bürgerprotest zurückziehen können.

Dem musste ich energisch widersprechen, machte mich doch viel eher stutzig, dass man im dortigen Erdreich erhöhte Cyanid-Werte festgestellt hat.

Und wer im Chemieunterricht aufgepasst hat, der weiß, dass man dieses chemische Element auch zum Herauslösen von Edelmetallen aus Gesteinen verwendet.

Jetzt wird klar: Diese Kreishaus-Baustelle ist ein riesiges Ablenkungsmanöver.

Sollten wir nachts dort verdächtige Gestalten mit Schutzanzügen, Wasch-Pfanne und Grubenlampe antreffen, so handelt es sich vermutlich um unseren Landrat, der mit seinen Beigeordneten heimlich das Erdreich nach Goldvorräten durchwühlt, um die Kreiskasse aufzubessern. Wie heißt es so schön: "Gold und Silber lieb ich sehr, kann's auch gut gebrauchen…lalala".

Wie ärgerlich: Immer, wenn man mal Hans-Jürgen Irmers Volksliederbuch gebrauchen könnte, hat man’s nicht zur Hand.

Da halten wir es lieber mit dem alten Schiller: "Fest gemauert in der Erden, steht der Pfahl so rank und schlank. Bald schon muss das Kreishaus werden, und die Rechnung zahlt die Bank."

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frank & frei

Ihr Frank Mignon


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