Frank & frei

aus aktuellem Anlass veröffentlicht "frank & frei" ein geheimes Protokoll, in dem die Ereignisse am Tag nach der Bekanntgabe der geplanten IKEA-Ansiedlung aufgezeichnet wurden. Für die Echtheit dieses brisanten Dokumentes übernehme ich keine Gewähr.

7.30 Uhr: Oberbürgermeister Wolfram Dette gibt intern seine erneute Kandidatur für das Oberbürgermeisteramt bekannt. Grund: Zu dem erwarteten Großereignis will er selbst unbedingt zur Eröffnung das blau-gelbe Band durchschneiden.

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7.45 Uhr: Die Mitglieder der Wetzlarer SPD-Fraktion beschließen in einer geheimen Absprache, schon mal vorsorglich alle im Rathaus vorrätigen Scheren verschwinden zu lassen.

8.14 Uhr: Das Bauamt gibt bekannt: Da zum Bau der Zementtürme angeblich die gleiche Art Beton verwendet wurde wie bei den meisten unserer Schulgebäude und Sporthallen, sei ein Abbruch nicht notwendig. Es reiche völlig aus, einfach abzuwarten, bis die Dinger von selbst zusammenfallen.

9.30 Uhr: Der Denkmalbeirat beschließt, Wolfram Dette von einer erneuten Kandidatur abzuraten. Die Begründung: Jahrelang stand der Name Dette für Kultur, Palais Papius und Lottehaus, deshalb sei es unverantwortlich, dass das letzte und bekannteste Bild unseres langjährigen FDP-Oberbürgermeisters vor einem "IVAR"-Regal geschossen werden könnte.

10 Uhr: Die Naturschutzverbände treffen sich, um zu prüfen, inwieweit sich noch einige Feldhamster auf dem Gelände ansiedeln lassen, damit man vor Baubeginn einen Grund für Proteste vorweisen könne.

10.26 Uhr: Der CDU-Landtagsabgeordnete Clemens Reif schlägt seinem Kollegen Hans-Jürgen Irmer in einem Telefonat vor, dieser solle als Zeichen seiner Weltoffenheit auf dem IKEA-Parkplatz eine Dönerbude betreiben. Für diese Idee berechne er ihm lediglich 70 Prozent der zu erzielenden Verkaufserlöse.

11.32 Uhr: Die "Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik" begrüßt in einer Erklärung die IKEA-Ansiedlung.

11.57 Uhr: Die Erklärung wird zurückgezogen, da ein Mitglied eines Reservistenverbandes feststellen musste, dass die in den Restaurants angebotenen Fleischbällchen "Köttbullar" heißen und nicht, wie angenommen, "Gut-Böller".

12.47 Uhr: Der Wetzlarer CDU-Stadtverband ist verwirrt. Alt-Bürgermeister Klaus Breidsprecher gibt beim gemeinsamen Mittagessen zu, die Idee für die Ansiedlung des schwedischen Möbelhauses stamme diesmal nicht von ihm.

14.05 Uhr: Erneuter Anruf Clemens Reif. Er habe inzwischen eine GmbH & Co. KG gegründet, die den Dönerverkauf vor sämtlichen deutschen IKEA-Häusern übernimmt. Er dankt Hans-Jürgen Irmer für dessen Bemühungen und versichert, für regelmäßige Beilagen des schwedischen Möbelhauses in dessen Zeitung zu sorgen. Er kenne da jemanden im Aufsichtsrat, das könne man organisieren.

15.30 Uhr: Der Stadtmarketing-Verein präsentiert im kleinen Kreis das neue Logo der Stadt Wetzlar. Erste Stimmen nach der Sitzung: Man sei doch jahrelang mit dem Slogan "Goethe- und Optik-Stadt" gut gefahren, weshalb der Vorschlag "Stadt der Möbel-Selbstmontage" ebenso auf Unverständnis gestoßen sei wie der Entwurf eines Logos, in dem statt unseres Domes ein "Billy"-Regal über der Lahnbrücke thront.

17 Uhr: Feierabend!

Dies schreibt frank & frei Ihr

Frank Mignon


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