Frank & frei

auch ein Musiker und Autor braucht mal Urlaub. Und so ging es letzte Woche zusammen mit dem Nachwuchs mit der Zahnradbahn auf den Wendelstein. Schon bald kamen wir auf den Gedanken, für unseren Stoppelberg ebenfalls den Bau einer solchen Bahn vorzuschlagen. Schnell wurde uns klar, dass dies heutzutage ein schwieriges Unterfangen wäre, denn:

1. Die Grünen sind sofort dagegen.

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2. Die Naturschutzverbände suchen solange, bis sie eine Molch- oder Feldameisenart ausfindig machen, für die eine Umsiedlung nicht zumutbar wäre.

3. Die SPD würde dem Projekt nur zustimmen, wenn einer von ihnen in den Verwaltungsrat der Betreibergesellschaft darf.

4. Ältere Sozialdemokraten finden Gefallen an dem Gedanken, nun schneller auf den Gipfel des Stoppelbergs gelangen zu können. Wozu habe man schließlich jahrelang "Brüder zur Sonne" gesungen. 5. Das "Büro 5" aus Maastricht lehnt eine Beteiligung an der Planung ab, da man als Holländer nicht die erforderliche Qualifikation für Arbeiten in solchen Höhenlagen vorweisen könne. Außerdem kämen die Planer so schlecht mit dem Wohnwagen durchs Kirschenwäldchen.

6. Durch die freigiebige Herzlichkeit der Baufirmen und Investoren im Vorfeld wäre die CDU schnell von der Idee begeistert, rät allerdings den Inhabern der interessierten Unternehmen, dennoch sicherheitshalber zunächst in die WKG einzutreten.

7. Die FWG würde das Projekt erst dann für sich entdecken, wenn der Termin für die Eröffnungsfahrt feststeht und man im ersten Wagen mitfahren darf.

8. Die FDP überlegt verzweifelt, wie sie sich einbringen könnte und beschließt, schon mal geschlossen für eine Privatisierung der Bahn unmittelbar nach ihrer Jungfernfahrt zu stimmen.

9. Professor Erbach kann nur unter gutem Zureden davon abgehalten werden, einen Förderverein zu gründen.

10. Oberbürgermeister Dette würde einen solchen Verein zwar unterstützen, setzt aber ein Verbot der Benutzung von Megafonen im Bereich des Gipfels durch.

11. Dr. Büger, Landtagsabgeordneter der FDP, steht voreinem schweren Konflikt: Wie kann er es schaffen, zur Eröffnungsfahrt gleichzeitig sowohl auf dem Foto der Willkommensgruppe auf dem Berg als auch auf dem Bild der aussteigenden Fahrgäste zu sehen sein?

12. Ein Mitglied der "Linken" bewirbt sich als Schaffner und wird unter der Bedingung eingestellt, künftig als "Wagenknecht" angesprochen werden zu dürfen.

13. Der geplante Name "Wetzlarer Stoppelbergbahn" wird vom Vorsitzenden des Stadtmarketingvereins Professor Freidank vehement abgelehnt, da man die Gefühle der umliegenden Gemeinden im Kreis nicht verletzen dürfe.

14. Den Wettbewerb für den besten Entwurf einer Begrüßungsskulptur am Talbahnhof gewinnt diesmal der Kindergarten Johanneshof.

10 Jahre später: Die Bahn wurde zwar privatisiert, befindet sich aber nach der Pleite der Betreibergesellschaft nun wieder in städtischem Besitz. Leider musste sie wegen erheblicher Baumängel unlängst stillgelegt werden, da bei der Bauausführung zu viele Subunternehmer mit billigen Leiharbeitskräften tätig waren, die noch dazu schlechtes Material verwendet haben. Und die Wendelsteinbahn fährt immer noch. Seit 100 Jahren.

Dies schreibt frank & frei Ihr Frank Mignon


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