Frank & frei

ich hoffe, Sie hatten ein entspanntes Wochenende. Obwohl ja von Entspannung kaum mehr die Rede sein kann, denn unsere Heimat kommt einfach nicht aus den überregionalen Schlagzeilen. Ob IKEA, Blitzgeräte oder Drogen: Man kennt uns mittlerweile in ganz Hessen. Da hat man doch tatsächlich in den Räumen der früheren Brauerei Euler ein Drogenlabor ausgehoben und es war zu lesen: "Wo einst Bier gebraut wurde, sollen die vier mutmaßlichen Täter in den heute nackten Betonräumen synthetische Drogen hergestellt haben."

So ist nun mal der Lauf der Welt. Früher wurden dort legale Suchtmittel produziert, heute nur noch illegale. Und die Behauptung meines Nachbarn, aus der Euler-Brauerei sei noch nie etwas Berauschendes gekommen, muss somit entschieden zurück gewiesen werden. Wobei man ja bei einem Beschuldigten zusätzlich 100 Gramm Haschisch fand, was unter den gegebenen Umständen verständlich erscheint, ist doch das Schicksal, in einem nackten und kalten Betonraum einer alten, heruntergekommenen Brauerei halb unter einer lärmenden Hochstraße und in unmittelbarer Nachbarschaft eines Schrottplatzes sowie in Hörweite der Eisenbahn sein Handwerk zu verrichten, vermutlich nur bekifft zu ertragen.

Und so langsam erscheint auch verdächtig, warum die mit der Planung unseres künftigen Stadtbildes beauftragten Fachleute unbedingt aus Holland stammen mussten.

Da arbeitet es sich doch viel schöner in Gottes herrlicher Natur, weshalb ja nun demnächst die Ausgrabungen am Kalsmunt beginnen sollen. Eine Bronzeschale hat man ja schon gefunden, auf der am Rand sechs Bäume sowie in der Mitte einige Personen und Tiere zu erkennen sein sollen. Der Beauftragte für Archäologische Denkmalpflege der Stadt Wetzlar, Klaus Engelbach, bittet um Hinweise, welche Geschichte da abgebildet sein könnte.

Mein Nachbar und ich haben uns sofort an die Arbeit gemacht und sind zu folgenden Ergebnissen gekommen: Erste Variante: Jeder der sechs Bäume stellt ein Jahr innerhalb einer Amtsperiode unseres Oberbürgermeisters dar. Die abgebildeten Personen sind die Wählerinnen und Wähler, während die Gegenkandidaten wie in einer Fabel als Tiere dargestellt werden. Titel des Kunstwerkes: "Was kümmert es die deutsche Eiche, wenn sich das Borstenvieh dran reibt". Mein Nachbar hatte nach sofort eine weitere mögliche Deutung parat: Die Bäume sollen die malerische Umgebung am Alten Friedhof darstellen, während die abgebildeten Personen und Tiere die an dem Blitzer-Skandal Beteiligten symbolisieren.

Titel des Kunstwerkes: "Wer nicht aufpasst, bekommt nicht mit, wer hier der Esel ist". Dieser Darstellung habe ich selbstverständlich energisch widersprochen und meinem Nachbarn die einzig mögliche Erklärung des Kunstwerkes geliefert: Dies kann nur eine sehr alte Begrüßungsschale für Neubürger unserer Stadt sein. Die Bäume sollen die herrliche Umgebung unserer Stadt darstellen, was in Verbindung mit den abgebildeten Personen und Tieren für dieses Kunstwerk nur folgenden Titel erlaubt: "Wetzlar - Wohnen Sie, wo Fuchs und Hase sich gute Nacht sagen".

Also dann, ob Neubürger oder Alteingesessener, ich wünsche Ihnen eine schöne Woche.

Dies schreibt frank & frei

Ihr

Frank Mignon


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