Frank & frei

ist sie nicht herrlich, unsere Heimat an Lahn und Dill? Umgeben von Hügeln und Wäldern trifft man in malerisch angelegten Ortschaften auf humorvolle und korrekte Menschen, die sich noch dazu im Rahmen ihrer individuellen Möglichkeiten einer gepflegten Sprache bedienen. Und der Mittelhesse sorgt sich um alles, jedes Detail ist ihm wichtig und während in anderen, weniger kultivierten Regionen häufig die Einwohner leichtfertig über wichtige Dinge hinwegsehen, hakt der Mittelhesse energisch nach und versucht, Missverständnisse und Missstände schon im Vorfeld auszuräumen.

Gerade die städtischen Gremien sind ein Ort der feinsinnigen Sprache und des vorausschauenden Gemeinsinns, was unlängst im Wetzlarer Bauausschuss wieder eindrucksvoll bewiesen wurde.

So wird im Lokalteil dieser Zeitung der verdiente Wetzlarer Christdemokrat Werner Gerhardt in Sachen "Freibad Domblick" mit folgendem Satz zitiert: "Man spürt in der Öffentlichkeit eine Anti-Haltung fürs Aufgeben dieses Standorts".

Liebe Leserinnen und Leser, klingt das nicht viel schöner als ein schlichtes "Die wolle, das mer des Freibad do lasse" oder gar "Ei wo solle mer aach hie demit"?

Sind es nicht gerade jene fast schon kunstvoll geschmiedeten Wortgebilde, die uns klarmachen, was wir an unserem oft zu Unrecht gescholtenen "bürgerlichen Lager" haben?

Und auch Christian Sarges von den Grünen zeigt, wie sehr ihm das Wohl der Menschen seiner Heimat am Herzen liegt, als er sich gegen einen Umzug unseres Freibades an den Standort des Europabades aussprach und bemerkte, am Berg sei es häufig windig und das Wetter sei anders als in der geschützten Lage am Lahnufer.

Recht hat er, man kennt das ja aus anderen Hochgebirgen. Schnell mal durchquert man beim Aufstieg mehrere Klimazonen und es ist zu vermuten, dass die überdachten Bänke an der Stoppelberger Hohl und der Frankfurter Straße in Wahrheit keine Bushaltestellen sind, sondern sogenannte "Basislager", wie man sie aus dem Himalaya kennt und die der Gewöhnung des menschlichen Organismus an die Höhenlagen dienen sollen.

Übrigens sollen ja in den meisten Bergregionen auch besonders raue Einwohner anzutreffen sein. Ob das allerdings ein Grund dafür gewesen sein könnte, dass Hans-Jürgen Irmer seinerzeit ins Blankenfeld gezogen ist, konnte nicht belegt werden.

Stadtrat Harald Semler von den "Freien Wählern" stellte übrigens für den Standort am Karl-Kellner-Ring mit einer, nennen wir es mal, "gefühlten Ergebnisoffenheit" fest: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich mich überzeugen ließe, diese Fläche an einen Privaten zu verkaufen" - und fügte hinzu, er könne sich auch keine Wohnhäuser dort vorstellen, wobei er den Satz "Niemand hat die Absicht, dort Wohnhäuser zu errichten" vorsorglich vermied.

Mein Nachbar vermutet ja, dass CDU und FDP heimlich an einem Antrag arbeiten, der dort den Bau von Einfamilienhäusern für Wohlhabende vorsieht. Warum auch nicht? Wenn dann jedes Haus ein eigenes Schwimmbad hat, passt es doch im Ganzen wieder.

Na dann, singen wir eben zum Wochenanfang: "Im schönen Wetzlars Grunde / ist meines Freibads Ort / da schwamm ich manche Stunde / den Semler nehmt beim Wort!"

Dies schreibt frank & frei

Ihr Frank Mignon


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