Frank & frei

die beliebte Seefahrer-Band "Santiano" ging in unserer Stadthalle vor Anker und sorgte für etwas norddeutsche Partystimmung an Lahn und Dill. Dabei erfreuten sich maritim angehauchte Schlager eigentlich immer schon großer Beliebtheit und werden bei den verschiedensten Anlässen dargeboten.

Angesichts des Enthusiasmus, den der Aßlarer Bürgermeister Roland Esch vor seinem Wechsel in sein neues Amt als hauptamtlicher Kreisbeigeordneter ausstrahlt, soll angeblich so mancher Wegbegleiter vor sich hin gesummt haben: "Seemann, lass das Träumen". Was soll’s, er denkt: "Heut geht’s an Bord", während die Aßlarer Bürger dem passionierten Musiker Esch nachrufen: "Sind auch im Kreis die Kassen leer / bleiben die Gitarre und das Meer".

Ob allerdings "Nimm mich mit Kapitän auf die Reise" tatsächlich innerhalb der "Freien Wähler" zu den beliebtesten Seemannsliedern gehört, müsste gegebenenfalls durch eine Umfrage geklärt werden. Wie auch immer, ist Roland Esch erst einmal einige Wochen zusammen mit Landrat Wolfgang Schuster im Amt, wird aus seinem Büro angesichts der Kassenlage sicher öfter mal lautstark ein verzweifeltes "Heidewitzka, Herr Kapitän" zu hören sein. Hoffentlich wird nicht in einigen Jahren wehmütig eine Neuversion des allseits bekannten "Wir lagen vor Madagaskar" bei den Versammlungen der "Freien Wähler" angestimmt: "Wir waren mal stark in Aßlar / und hatten den Esch vor Ort".

Was auch immer bei uns in Wetzlar geschieht, man hat immer mehr den Eindruck, für unseren Oberbürgermeister gilt "Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern", wobei es ja durchaus interessant ist, ob wirklich eindeutig festgestellt werden kann, ab welchem Zeitpunkt man vom "Kapitän" zur "Galionsfigur" wird. Das Gerücht, eine Sprechstunde bei Wolfram Dette sei künftig unter der Ankündigung "Tag des offenen Denkmals" in den städtischen Bekanntmachungen zu finden, hat sich allerdings als böswillig eingeschleuste Falschmeldung erwiesen.

Es gibt seemännische Regeln, die mich schon als Kind sehr beeindruckt haben, beispielsweise der Grundsatz, der Kapitän habe als Letzter von Bord zu gehen. So gesehen hatte Hans-Jürgen Irmer durchaus das Recht, sich als bildungspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion zurückzuziehen, war er doch nicht deren "Kapitän", sondern eher der "Schiffsheizer". Ob allerdings angesichts seines Rückzuges tatsächlich von den eher konservativ gesinnten Wiesbadener Parteifreunden "Schwer mit den Schätzen des Orients beladen" sowie "Junge, komm bald wieder" angestimmt werden soll, wird noch zu klären sein, zumal einige Christdemokraten angeblich der Meinung seien, Heidi Kabels "Zum Abschied sagt man tschüss" reiche völlig aus. Übrigens wurde "Besanschot an" zu Zeiten der Segelschiffe immer dann gesungen, wenn man ein langwieriges Wendemanöver geschafft hat, für das die Mannschaft alle Kräfte aufbieten musste. Schließlich ist so ein alter Kahn meist ganz schön träge, besonders, wenn man ihn in den Wind drehen will.

Darauf ein "Ahoi"!

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Ihr Frank Mignon


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