Frank & frei

ich hoffe, Sie hatten eine schöne Woche. Man kommt ja so schnell in trübe Stimmung, wenn draußen alles grau in grau erscheint. Also sollte wenigstens die Kleidung ein wenig farbenfroher sein. Wobei die Katholische Stadtkirche Wetzlar ja im Bezug auf die Senioren festgestellt hat: "Graue Oma - das war mal!" So lautete im Lokalteil die Überschrift eines Artikels über die Seniorenarbeit. Das stimmt übrigens, denn glaubt man den Umfragen, so ist statt "grau" doch eher "beige" die Farbe des Ruhestandes. Vermutlich hört man künftig immer häufiger in katholischen Kreisen: "Ich bin dann mal weg", denn was mir besonders gefallen hat, ist die "Fußwallfahrt für Männer", bei der in diesem Jahr die "Bonifatiusroute" von Glauberg nach Gedern abgelaufen wird. Man könnte auch von einem "hessischen Jakobsweg" sprechen. Allerdings heißt es angesichts des Wetters bei uns im Hessenland nicht "Santiago di Compostela", sondern eher " S‘raant, ei komm, mach schnella!"

Man soll ja bei solchen Wallfahrten Ruhe und innere Einkehr finden, was angesichts der Tatsache, dass keine Frauen dabei sind, vermutlich durchaus im Bereich des Möglichen liegt, werden doch Sätze wie "Diese Hose ziehst Du nicht an", "Du hattest jetzt schon zwei Bier" oder "Mir ist kalt" eher weniger zu hören sein.

Unbestätigten Gerüchten zufolge wurde in Wetzlar die Errichtung eines "CDU-Bürgerinitiativen-Unterstützungs-Rundwanderweges" diskutiert. Dieser führt an solchen Objekten vorbei, für die sich die heimischen Christdemokraten besonders vehement einsetzen, also vom Kalsmunt über die Alte Lahnbrücke zum Freibad Domblick, wo dann abends Bilder des Zeltlagers Lenste gezeigt werden. Diese besondere Art der Wallfahrt ist allerdings nur im Angebot, solange sich die CDU in der Opposition befindet und nicht selbst über leere Kassen zu wachen hat.

Das Gebot der Sparsamkeit zwang nun auch Bürgermeister Manfred Wagner (SPD), einem weiteren Betrieb des Niedergirmeser Saalbaues eine Absage zu erteilen, denn um die Ecke befindet sich nun mal mit dem Nachbarschaftszentrum eine entsprechende Veranstaltungsstätte. "Wir können in Sichtweite nicht eine zweite unterhalten", so wird Wagner zitiert. Die Gemeinde freier evangelischer Christen aus Leun, die den Saalbau gekauft hat, ist da nicht so kleinlich, denn immerhin gäbe es ja auch in Sichtweite ein schönes evangelisches Gotteshaus, in dem man sich versammeln könnte. Dieses untersteht allerdings der Amtskirche, weshalb also nun die Gemeinde freier evangelischer Christen im ehemaligen Saalbau und in 200 Metern Entfernung zur Kirche Gemeindearbeit und Gottesdienste abhalten will. Ausgerechnet in meinem von der sozialdemokratischen Arbeiterschaft geprägten Heimatort Niedergirmes erklingt also künftig statt "Brüder zur Sonne zur Freiheit" vermutlich doppelt so oft "Großer Gott wir loben Dich". Wenn das der Wilhelm Reitz erlebt hätte. Allerdings soll der neue Eigentümer bereits zugesichert haben, den Saal je nach Terminlage auch an die Girmeser zu vermieten. Also, liebe Girmeser, mit etwas Glück dürft auch ihr weiterhin sein im Hause des Herrn immerdar. Allerdings bitte immer schön besenrein hinterlassen.

Dies schreibt frank & frei Ihr Frank Mignon


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