Frank & frei

ab und zu kann es nicht schaden, mal kurz inne zu halten, um sich strittige oder komplizierte Sachverhalte anzusehen und zu erklären. Gerade auch bei lokalen Streitthemen möchte "frank & frei" Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, kompetent und sachlich bei der Beschaffung wichtiger Informationen erklärend zur Seite stehen.

Nehmen wir das derzeit brisanteste Streitthema in unserer Stadt, die Straßenbeiträge in Garbenheim. Ortsvorsteher Waldemar Droß hatte gefordert, dass die Kosten so abgerechnet werden sollen, wie es den Anliegern ursprünglich mitgeteilt worden war.

Dabei sollte Droß doch wissen, dass für Straßengebühren in Wetzlar das gleiche gilt wie für Wahlversprechen: Was vor vier Jahren mitgeteilt wurde, muss heute nicht unbedingt mehr gültig sein. In seinem Appell stellte Droß fest, dass die Beitragssteigerung für einige Betroffene der Höhe ihrer Rente für ein Vierteljahr entspreche.

Wie erklärt man die Dimension dieser Summen nun dem Rest der Bevölkerung? Für den typischen CDU-Wähler: Das, was früher in einem Monat als Zinsen auf dem Sparbuch gutgeschrieben wurde. Für den FDP-Anhänger: Das, was das Depot in Liechtenstein bis 2009 wöchentlich erwirtschaftet hat. Und wie erklärt man es der durchschnittlichen Grün-Wählerin? Ganz einfach: Das, was sie heute als Studienrätin oder Projektgruppenleiterin im Dienst des einst verhassten Staates pro Monat an Vergütung erhält. Für den SPD-Wähler: Das, was vor der "Agenda 2010" noch für das Studium der Kinder pro Jahr zurückgelegt werden konnte. Nur den Linken-Wählern muss man diese Summen nicht erklären, denn einige von ihnen freuen sich vermutlich auch so, dass sie am Wacholderberg endlich mal eine Mauer mitfinanzieren konnten, ohne dauernd lästige historische Fragen beantworten zu müssen. Im Grunde reicht ohnehin ein Verweis auf den damaligen Baustadtrat Achim Beck. Der war doch immerhin bei der sogenannten "Christlich" Demokratischen Union. Das heißt, er musste nicht wissen oder erklären, wie hoch die Straßenbeiträge tatsächlich sind. Es reichte im Kreise seiner gottesfürchtigen Freunde völlig aus, es zu "glauben". Mir tut es ein wenig um unseren Oberbürgermeister leid, denn jetzt, da es um sein politisches Vermächtnis geht, kommt so ein Kram auf den Tisch. Kein Wunder, dass Wolfram Dette in den Räumen der Sparkasse wieder die Schirmherrschaft bei den "Erbrechtstagen" übernommen hat. Denn so ist es nun mal beim Vererben mit dem Recht: Man könnte sich manchmal "erbrechen".

Ein weiteres Erbe kostet auch immer noch Geld, und so fragte der Jugendhilfeausschuss des Kreises, ob die Kosten für das geschlossene Zeltlager Lenste statt dem Kreis-Jugendamt nicht eher der Abteilung "Liegenschaften" zu belasten wären.

Zur Erklärung sei angeführt: Erstens liegt dort keiner mehr, obwohl vielen daran etwas lag und zweitens könnte man die Gelder auch direkt dem Kreis-Sozialamt aufbürden. Denn im Grunde sind die Kosten für Lenste so etwas wie "Alimente": Man muss zahlen, obwohl man dort nicht mehr pennen darf. Und erklären muss man diese Zahlungen auch noch. Na dann: Eine schöne Woche!

Dies schreibt frank & frei

Ihr

Frank Mignon


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