Frank & frei

und Leser,

in der Rathaus-Kantine kam es zu folgendem Gespräch:

"Mahlzeit!" "Mahlzeit!" "Und? Was sagen Sie denn zu der Sache mit den Blaulichtfahrten unseres Kreisbrandinspektors?" "Jetzt wird mir klar, warum er es so mit den Digitalfunkkursen hatte." "Warum denn?" "Na ja, wenn man selbst so gerne mit Martinshorn fährt, versteht man beim Analogfunk im Auto wahrscheinlich kein Wort." (beide lachen) "Aber ganz ehrlich: Wer würde nicht mal gerne ohne Not mit großem Trara irgendwo aufkreuzen, obwohl dank der fleißigen Helfer dort schon alles geregelt ist?" "Klingt wie die Beschreibung des Besuches von Spitzenkandidaten bei Parteiversammlungen vor anstehenden Wahlen." "Wahrscheinlich springt deshalb unser Landrat dem begeisterten Blaulicht-Fahrer so energisch bei."

"Unsere städtischen Amtsleiter wollen jetzt auch so ein Ding aufs Autodach. Das Stadtbetriebsamt könnte so viel schneller vor Ort sein, wenn wieder mal etwas brennt, was nicht brennen sollte." "Wenn wieder eine Freibad-Veranstaltung ansteht, könnte Bürgermeister Wagner immer als Erster vor Ort sein, bevor seine OB-Mitbewerber sich mühsam durch den Stadtverkehr geschoben haben." "Aber da brennt doch nichts." "Noch nicht, Herr Kollege. Aber so ist es sowohl bei Bränden als auch in der Politik: Meistens entstehen große Sachen aus ganz kleinen Anlässen."

"Derzeit wird ja bei der SPD wieder mal an August Bebel erinnert. Sogar dieses ,Einer von uns‘ werden wir ja nun häufiger lesen, und zwar auf Wagners Wahlplakaten." "Bebel wurde ja in Wetzlar geboren, machte in Leipzig Karriere und ist in der Schweiz gestorben." (kurzes Schweigen am Tisch) "Na gut, Wagner wurde in Naunheim geboren und macht in Wetzlar Karriere." "Der Eine ging von Wetzlar in den Osten, der Andere kam aus dem Osten in die Stadt." "Manfred Wagner, das Nahost-Problem der Wetzlarer CDU." (beide lachen) "Mahlzeit."

"Ist es nicht ein merkwürdiges Gefühl, dass jetzt der Schlammberg an der Hermannsteiner Straße langsam verschwindet? Irgendwie sieht alles dort viel heller und größer aus." "Angeblich überlegt die Stadt deshalb, bei der Gelegenheit Simberg, Lahnberg und Kalsmunt ebenfalls entfernen zu lassen." "Ach so, ,Nieder mit den Stadtgebirgen / Wetzlar soll bald größer wirken‘." (beide lachen) "Zumindest an der Zufahrt zum Deutschherrenberg wird ja wieder gebaut." "Das wird so eng dort, da kommt man jetzt kaum noch mit einem größeren Auto durch." "Das ist eine der wahren Tragödien unserer Stadtgeschichte. Da hast du studiert, einen ordentlichen Beruf ergriffen oder zumindest vernünftig geheiratet, hast mit Hilfe deines Anlageberaters in guten Zeiten etwas zur Seite gelegt und ein Häuschen in bester Lage erworben. Und nun sollst du die nächsten Jahre aus Platzgründen nur noch mit dem Kleinwagen zum Einkaufen fahren können?" "Jetzt bleibt nur noch die Hoffnung, dass auch in Wetzlar bei den Ausschachtungsarbeiten wenigstens ein Pferdekopf oder sonst etwas Historisches gefunden wird." "Angeblich soll Römervereinschef Wilfried Paeschke nachts verdächtig oft mit Grubenlampe und Schaufel an den Wetzlarer Baustellen gesichtet worden sein." "Aber ob es ihm gelingt, dort rechtzeitig etwas zu verbuddeln?" (beide lachen) "Na dann: Mahlzeit!"

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frank & frei

Ihr Frank Mignon


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