Frank & frei

unser Bürgermeister Manfred Wagner stellte vergangene Woche den von der Wetzlarer Tourist-Info erstellten "Statusbericht Tourismus" vor und wir können alle stolz auf unser Städtchen sein. Denn 3,7 Millionen Gäste haben 2011 den Weg nach Wetzlar gefunden. Von diesen Gästen verbrachten 200 000 sogar mehrere Tage in der Region. Mein Nachbar hat sofort festgestellt, dass sich in diesem Jahr die Zahlen noch deutlich nach oben verbessern dürften, denn alleine durch die vielen im Europabad tätigen Chemiker und Mikrobiologen, die teilweise seit Wochen bei uns Arbeit und Brot finden, dürfte auch der "Wissenschaftsstandort Wetzlar" Aufschwung erfahren.

Gerüchte, wonach die Technische Hochschule Mittelhessen eine Anmietung unserer Schwimmbecken als "Außenstelle für Keim-Forschung" plane und der beliebte alte jüdische Trinkspruch "Le Chaim" bereits zum inoffiziellen Gruß im Führungsstab unseres zuständigen Betreibers Enwag ernannt wurde, dürften sich allerdings als haltlos erweisen.

Auch die durchschnittliche Verweildauer in unserer Stadt, die 2011 bei 1,9 Tagen lag, dürfte sich in diesem Jahr deutlich verändern, denn es wird interessant sein zu beobachten, wie groß die Zahl jener Besucher ist, die in Wetzlar mit dem Zug ankommen und angesichts der Begrüßungsskulptur am Bahnhof unsere Stadt sofort mit dem nächsten Zug verlassen.

Vermutlich werden diese Gäste niemals unsere geplante Aktion "Nette Toilette" kennen lernen, die unsere innenstädtischen Gastronomie-Betriebe animieren soll, ihre Bedürfnisanstalten auch für Passanten zu öffnen. Mein Nachbar und ich stehen voll hinter der Idee, möchten diese allerdings auch an anderer Stelle angewendet sehen. Wenn es für die Gasthäuser heißt: "Nette Toilette", dann sollte auch unser Rathaus seine Tore für Besucher öffnen und die Aktion unter dem Namen "Dette Toilette" anbieten.

Unbestätigten Gerüchten zufolge wehrt sich unser Denkmalbeirat noch gegen Pläne, die heimischen Museen und Sehenswürdigkeiten in diese Pläne einzubeziehen und unsere teuerste Attraktion künftig publikumswirksam auch als "Palais Pipius" zu bewerben. Kopfzerbrechen dürfte unseren Tourismus-Experten allerdings das "Stadthaus am Dom" bescheren, denn der angesichts der etwas brüchigen Bausubstanz vorgeschlagene Name "Donnerbalken" für die dort befindlichen Toiletten passt nicht so recht in das positive Marketingkonzept. Wenn allerdings die "Alte Lahnbrücke" weiterhin zur Dauerbaustelle wird, dürfte sich sicher bald in den Geschäftsräumen in unserer Altstadt manch "Stilles Örtchen" finden lassen, wenn man den Begriff etwas weiter fasst.

"Neue Senioren körperlich fit, mit gutem Einkommen und viel Zeit" sollen übrigens eine verstärkte Beachtung in unseren städtischen Bemühungen finden. Das gibt mir zu denken, denn was muss in unserem Bürgermeister vorgegangen sein, als ausgerechnet er als Sozialdemokrat diese Pläne verkünden musste. Da bleibt uns nur, ihm den Aufdruck dieser beliebten blauen Behelfs-Bedürfnisanstalten zuzurufen: "Toi, Toi!" Dies schreibt

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Ihr Frank Mignon


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