Frank & frei

ich muss mich zunächst für Ihr freundliches Verständnis bedanken, denn wegen des Hessentages in Hofgeismar bin ich diese und nächste Woche erst am Dienstag für Sie da. Auch am Montag nach der Oberbürgermeisterwahl in Wetzlar werden Sie ohne meine Zeilen auskommen müssen, denn ich sollte doch wenigstens das Ergebnis kennen, bevor ich am Dienstag meinen Senf dazu gebe. Ich empfehle Ihnen, sollten Sie montags bei Kaffee und frischen Brötchen ihre gewohnte satirische Unterhaltung vermissen, einen Besuch auf der Internetseite Ihrer Zeitung www.mittelhessen.de, wo Sie einige der vergangenen Ausgaben noch einmal nachlesen können. Dabei frage ich mich: Hätte ich das mit den "frischen Brötchen" wirklich erwähnen sollen? Vielleicht sind Sie ja gerade auf Diät oder ernähren sich vegan? Gerade hatte ich den "Fairtrade-Kaffee" in unserem Rathaus einigermaßen verdaut, da lese ich in unserem Lokalteil von einer besonderen kulinarischen Dienstreise unseres Umweltdezernenten Norbert Kortlüke, der sich zusammen mit einer Delegation des Wetzlarer Rathauses in Andernach über das Projekt "Essbare Stadt" informiert hat. Dort werden auf freien städtischen Flächen alle möglichen Gemüse- und Obstsorten angebaut. Sogar Stadtführungen werden dort angeboten, bei denen man von Anbaufläche zu Anbaufläche wandert, um die Gewächse zu begutachten. Unbestätigten Gerüchten zufolge soll für Wetzlar ebenfalls eine solche Stadtführung geplant sein. Start ist am Domplatz, wo direkt vor dem Stadthaus eine große Fläche mit Kardamom, Gewürznelken und Zimt zu bestaunen sein wird, denn echter "Spekulatius" benötigt gute Zutaten. Weiter geht es vorbei an der FDP-Geschäftsstelle mit einem sehr hübsch anzuschauenden Beet voller "Gelber Nachtkerzen", einem Gewächs, das durchaus auch mal rote oder grüne Stängel ausbilden kann.

Nachdem man sich auf dem Weg durch die Stadt einige Umweltauflagen an Gebäuden betrachten durfte, die im Volksmund auch als "teurer grüner Salat" bezeichnet werden, geht es zur SPD-Geschäftsstelle, wo man sofort erleben kann, wie echter Rotkohl in der Lage ist, immer wieder seine Farbe so zu verändern, dass es irgendwie zur Umgebung passt. Richtig rot wird er übrigens nur dann, wenn man Säure hinzugibt, was ich von vielen SPD-Funktionären kenne, die meist auch nur dann richtig "rot" erscheinen, wenn sie mal sauer sind.

In der Hauser Gasse kann man dann erleben, wie die Wetzlarer CDU versucht, neue Schwarzwurzeln zu züchten, wohl wissend, dass man bei diesem Gewächs nicht die Schale verletzen darf, weil das zum Austrocknen und zu Geschmacksverlust führt. Und da die Schwarzwurzel ja der "Spargel der armen Leute" genannt wird, sollte man sich dort sehr gut überlegen, wie viel Geschmacklosigkeit man sich gegenüber diesen armen Leuten künftig leisten kann. Aber die neuen Gewächse sollen ja durchaus genießbarer und verdaulicher geworden sein. Wissen Sie was: Von mir aus kann das Rathaus in unserer Stadt anpflanzen lassen, was es will. Solange Bockwurst mit Kartoffelsalat und ein Brot mit guter Butter nicht direkt an Sträuchen wachsen, gehe ich vorerst doch lieber zum Metzger und zum Bäcker.

Dies schreibt frank & frei

Ihr Frank Mignon


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