Frank & frei

der Hessentag in Hofgeismar ist vorüber, aber ich werde auch in der nächsten Woche erst am Dienstag für Sie da sein, denn am Sonntag ist bekanntlich unsere lang erwartete Oberbürgermeisterwahl, deren Ergebnis ich vor dem Schreiben doch wenigstens kennen sollte. Sonst müsste ich am Sonntag "kalt schreiben", das heißt, ohne Kenntnis des Wahlausganges mehrere Versionen vorlegen, von denen dann die in letzter Minute genommen wird, die den richtigen Ausgang der Wahl beschreibt.

Was wäre denn der "richtige Wahlausgang"? Genau das wurde ich in den letzten Wochen mehrfach gefragt, wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, mich bei meinen Musikauftritten, beim Einkaufen, an der Tankstelle oder auch mal an der Ampel von Autofenster zu Autofenster angesprochen haben. Aber sollte sich "frank & frei" wirklich eindeutig auf die Seite eines Kandidaten schlagen? Schwierige Sache, denn in "frank & frei" steckt "frei" drin, und damit bin ich in den letzten sechs Jahren ganz gut gefahren. Ich bin zwar für einen der Kandidaten im Wahlkampf aufgetreten und werde das in dieser Woche noch einmal tun. Dies liegt aber vor allem daran, dass die beiden anderen mich nicht gefragt haben. Mir als höflichem Dienstleister wäre zu jeder Pointe sicher auch das Gegenteil eingefallen. Wenn ich beispielsweise festgestellt habe, dass die Zementtürme auf dem künftigen IKEA-Gelände viel mit der SPD gemeinsam haben, weil bei beiden das Fundament so fest steht, dass man dem auch mit Dynamit nicht beikommen kann, dann freut sich der aufrechte Sozialdemokrat. Wenn ich dann aber ergänze, "Was hatten das Heidelberg-Zement-Gelände und die SPD noch gemeinsam? Bei beiden fand man keine Arbeiter mehr", sind CDU und FDP amüsiert.

Kennen Sie noch "Herzblatt"? In dieser Sendung bewarben sich drei Kandidaten jeweils um die Gunst eines Gastes. Mir hat immer die Stimme dieser "Susi" gefallen, die am Schluss eine Zusammenfassung der Bewerbungsphase lieferte, die in Wetzlar etwa so klingen würde: "So, lieber Wetzlarer, wer soll nun dein Herzblatt sein? Kandidat Eins, der Verwaltungsfachmann mit Rathaus-Erfahrung, der bei strittigen Fragen gerne mal auf Bürgerbeteiligung setzt und bereits Teil der Stadtregierung ist, oder Kandidat Zwei, der Mathematiker mit Erfahrung bis in die Landespolitik, der bei Debatten durchaus auch als scharfzüngiger Redner in Erscheinung tritt und laut eigener Aussage das Erbe Wolfram Dettes fortführen möchte, oder Kandidat Drei, das junge Nachwuchstalent, der bereits vielfältige Erfahrungen sowohl in der Lehrerausbildung als auch auf verschiedenen Ebenen der Politik sammeln konnte und als Vereins-Aktiver auch einen besonderen Draht zu jungen Leuten hat. So, lieber Wetzlarer, nun musst du dich entscheiden." Wie Sie, liebe "frank & frei"- Freunde, sich entscheiden, das bleibt Ihnen überlassen. Aber bitte gehen Sie am 14. Juni zur Wahl. Oder nutzen Sie wie ich die Möglichkeit der Briefwahl, die Sie sogar vorher direkt im Stadtbüro erledigen können.

Auch wenn kein Rundflug mit dem Herzblatt-Hubschrauber winkt: Unser Gemeinwesen sollte es uns wert sein.

Dies schreibt frank & frei

Ihr

Frank Mignon


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