Frank & frei

jetzt sind sie endlich da, die von unseren Kindern lang ersehnten Sommerferien. Sechs Wochen voller Frohsinn und Abenteuer sollen es sein, die die Herzen der Kleinen erfreuen. Und in vielen Fällen gibt es auch für Mama und Papa die Gelegenheit zu ein oder zwei Wochen Abstand vom Arbeitsleben, so dass man sich in fröhlicher Runde dem Müßiggang oder gar dem sportlichen Ausgleich zum tristen Alltag hingeben kann.

Nun huldigt der Wetzlarer, geprägt durch über 100 Jahre arbeiterbewegten Einfluss, seinem Wesen entsprechend eher der Werk- als der Untätigkeit.

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Will sagen: Während der intellektuelle Gießener im Sommer fluchtartig einerseits mit gepackten Koffern und andererseits mit Recht seine triste Heimatstadt verlässt, um in südlichen Gefilden endlich den Hauptvorschlagsband aus seinem Buchclub zu lesen oder diesen zumindest schon mal aus der Einschweißfolie zu pellen, wird es dem Wetzlarer angesichts von Ruhe und Nichtstun eher unwohl, hat doch Papa ihm einst regelmäßig beim Sonntagsspaziergang mit schwermütiger Miene mitgeteilt, dass man nur durch Fleiß und harte Arbeit wahlweise einen Platz an der Sonne, ein Häuschen im Grünen oder einen "Opel Ascona" sein Eigen nennen könne, wobei dem aufmerksamen Nachwuchs nach einiger Zeit auffallen musste, dass die Reihenfolge der anzustrebenden Wohlstandssymbole je nach aktueller Präferenz des Familienoberhauptes durchaus variieren konnte und sich beispielsweise eine gerade beglichene Reparatur am Familienkäfer sehr negativ auf den Rang des "Häuschens im Grünen" in der Aufzählung auswirken musste.

Nein, der Wetzlarer protzt nicht, er klotzt, und zwar "ran". Nur so lassen sich die vielen Baustellen in unserem Stadtgebiet erklären, die den Daheimgebliebenen während der Ferienzeit das Leben ein wenig schwerer machen. Egal ob am "Leitzplatz", in der "Hausergasse" oder der "Wetzlarer Straße" in Nauborn: Es wird wieder in die Hände gespuckt.

Böse Gerüchte, nach denen all diese Baumaßnahmen ein von verschlagenen Sozialisten geplantes Manöver darstellen, das es der Wetzlarer CDU mittelfristig unmöglich machen soll, bis zur Kommunalwahl 2016 überhaupt noch pünktlich ins Stadtgebiet, geschweige denn zum Rathaus gelangen zu können, haben sich nachweislich als falsch erwiesen. Obwohl es schon ein wenig auffällig erscheint, dass man im Gegenzug an der Umgehungsstraße Naunheim, dem Wohnort unseres künftigen SPD-Oberbürgermeisters, nun alle Geschwindigkeitsbeschränkungen aufgehoben hat, was es dem "Roten Rauscher aus Naunheim" ermöglichen soll, immer vor seinen Kontrahenten bei Veranstaltungen einzutreffen.

Und bei dem, was noch an Baumaßnahmen am Domplatz auf uns zukommt, ist es vielleicht gar nicht so unpraktisch, dass man unser historisches Stadtarchiv in der "Hauser Gasse" vorübergehend nicht so gut erreichen kann, denn stellen wir uns vor, was in unserer Stadt los wäre, wenn die nach 1980 Geborenen beim Stöbern in alten Fotos und Zeitungsausschnitten plötzlich merken, wie es am Domplatz aussehen könnte, wenn sich dort mal nicht Zweckmäßigkeit mit sozialistisch geprägter Kulturlosigkeit und großbürgerlichem Kitsch paaren würden.

Also dann: Viel Glück bei Ihren nächsten Terminen in unserer Stadt. Und nicht verzagen: Wo ein Wille ist, ist auch ein Schleichweg.

Dies schreibt frank & frei

Ihr

Frank Mignon


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