Frank & frei

seit der vergangenen Woche wissen wir: Jagen bedeutet viel mehr als das Herumschleichen am frühen Morgen in Gottes herrlicher Natur, mit der Büchse im Anschlag und einem Schluck Hochprozentigem zwischendurch. Seit in unserem Nachbar-Revier Aßlar der Streit um die Jagdbezirke tobt, kommt man nicht daran vorbei, sich mit dem waidmännischen Brauchtum ein wenig zu beschäftigen. Und was es da alles gibt: Treibjagd, Riegeljagd, Drückjagd, Stöberjagd… nicht zu verwechseln mit "Schnäppchenjagd", das ist eine Form der Jagd, die vorwiegend den Ehegattinnen der Waidmänner vorbehalten ist und ohne Probleme auch im lokalen Einzelhandel erledigt werden kann. Bekanntlich ist ja der heilige Hubertus Schutzpatron der Jäger, wobei "Patron" und "Jäger" besonders gut zusammen passt. Einer Version der Legende nach soll dieser Schutzheilige eine himmlische Erscheinung gehabt haben, in der ihm ein Kruzifix zwischen dem Geweih eines weißen Hirsches erschienen war. Er schwor angeblich daraufhin der Jagd ab und wurde zum Nicht-Jäger. Nun gut, bei Aßlars Bürgermeister Roland Esch sah die Sache etwas anders aus: Ihm erschien zwischen seinen Aktenbergen kein weißer Hirsch, sonder vielmehr ein roter Landrat. Und Esch schwor daraufhin der Stadt Aßlar ab und wird demnächst Kreisbeigeordneter. Ob allerdings das Lied auf seinen Lippen "Auf, auf zum fröhlichen Jagen" nicht doch irgendwann dem bekannten "Des Jägers Klage" weichen muss? Immerhin heißt es dort wehmütig "Leer ist die Pulverflasche", was den Zustand des Kreis-Haushalts recht gut beschreibt. Die Aßlarer SPD hat übrigens beantragt, dass die "bejagbaren Flächen (…) einer gemeinsamen Jagdgenossenschaft zur Verfügung gestellt werden sollen". Unklar war lediglich, ob auch das Rathaus samt Büro des Bürgermeisters schon zu den "bejagbaren Flächen" zu zählen sei. Übrigens soll es einen sehr einfachen Grund für diese spezielle "Jägersprache" geben, denn auf der Pirsch würde angeblich durch allzu klare Worte das Wild vorgewarnt. Das beherzigen gerne auch mal unsere Volksvertreter, um uns nicht allzu sehr zu beunruhigen. Und so zeigte Wetzlars Stadtrat Harald Semler persönlich den Leserinnen und Lesern, wie es im Hallenbad Europa tropft und dass dies "kein Grund zur Besorgnis sei".

Wahrscheinlich dachte er: "So ein Mist, während meine Magistratskollegen Dette und Wagner regelmäßig während Volksfesteröffnungen beim Hämmern von Bierzapfanlagen in Paulaner-Fässer fotografiert werden, knipst man mich beim Wasserzapfen im düsteren Keller unter dem Schwimmbad." So ist das nun mal bei den Freien Wählern: Man kommt zwar schneller voran, aber irgendwann ist nach oben einfach Schluss. Übrigens liegt nun auch die Wasserverbrauchsbilanz des Regierungspräsidenten vor, aus der hervorgeht, dass der Mittelhesse pro Tag durchschnittlich 114 Liter verbraucht, die zwei bis drei Liter, die aus den Leitungen unseres Europabades tropfen, mal nicht mitgerechnet. Und während man immer noch den bösen Keim in den Leitungen jagt, singen wir Wetzlarer, wie es in den beliebten Jagdlied "Der weiße Hirsch" heißt: "Und eh' die Jäger ihn recht geseh’n/ da war er davon über Tiefen und Höh’n". Na dann:

Waidmannsdank!

Dies schreibt frank & frei

Ihr Frank Mignon


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