Frank & frei

sicher haben Sie auch gute Vorsätze für das neue Jahr. Ich habe mir beispielsweise vorgenommen, meinen Schreibtisch endlich mal aufzuräumen und so herzurichten, dass man an ihm theoretisch auch "schreiben" könnte, ohne sich erst durch konsequentes Verschieben von Poststapeln den notwendigen Raum schaffen zu müssen. Überhaupt hat der "Schreibtisch" viel an Bedeutung verloren, seit man mit dem Laptop auf dem Schoß prinzipiell überall arbeiten kann. Und durch diese praktischen Bluetooth-Tastaturen kann man sogar ganz ohne Computer und nur mit dem Smartphone wichtige Post erledigen oder Textideen überall festhalten. Rechnungen kann man per Mail verschicken, Anfragen online bearbeiten und Hotelbuchungen per Klick bequem beim Nachmittagskaffee bestätigen. Die Fahrstrecken zu meinen Auftrittsorten können vorher geplant werden, ohne auch nur einmal in eine jener Landkarten schauen zu müssen, bei denen der Zielort immer genau im gefalzten Bereich zwischen zwei Seiten lag und man dauernd vor- und zurückblättern musste um sich einen Überblick zu verschaffen. Gerade bei den täglichen Bankgeschäften reichen mittlerweile wenige Klicks aus, um wichtige Überweisungen und Abfragen zu tätigen. Aber gerade in solchen Zeiten schätzt man bei heiklen oder langfristig bedeutenden Fragen umso mehr das Persönliche, das Echte, das haptisch Erfassbare. Während sich einige Kreditinstitute wie die KfW oder die Deutsche Bank durch Fehlüberweisungen der Häme der Öffentlichkeit ausgesetzt sahen, bin ich froh, dass man bei unserer Volksbank Mittelhessen auch hier auf das Bewährte setzt. Bei uns in Mittelhessen verschwinden keine Buchungsposten, nein, bei uns verschwindet noch echtes Bargeld. Eine eindrucksvollere Demonstration traditioneller Werte gerade in Zeiten eines großen Misstrauens gegenüber Kreditinstituten kann es kaum geben. Mein Nachbar und ich erklären hiermit unsere uneingeschränkte Solidarität mit unserem genossenschaftlichen Bankhaus und erlauben uns, den aufgrund der Ereignisse vermutlich etwas geknickten Bankmitarbeitern einige aufmunternde Worte zu widmen. So könnte man den Werbeslogan "Volksbank - Jeder hat etwas, das ihn antreibt" eventuell künftig durch "…doch keiner weiß, wo das Geld bleibt" ergänzen, wobei mein Nachbar zu bedenken gab, dass der langjährige Slogan "Wir machen den Weg frei" hier eventuell beim widerrechtlichen Abtransport der Geldsäcke etwas zu wörtlich genommen wurde. Als ich ihm dann entgegnete, dass man doch eher auf "Die Landesbank zockt sich in Nöten / bei uns verschwinden echte Kröten" setzen sollte, spielte mein Nachbar sofort auf die jüngste Fehlüberweisung der Deutschen Bank an einen Hedgefonds an: "Die Deutsche Bank bucht falsche Nullen / bei uns verschwinden Geld-Schatullen". Und dann haben wir uns natürlich sofort die beliebte Gauner-Komödie "Oceans Eleven" angesehen, in der die trickreichen Räuber nach großem Tamtam ganz einfach und unbehelligt mit einigen Taschen voller Geld aus dem Tresor des Spielcasinos verschwinden, weil sie sich zuvor als "Polizei-Einsatzteam" getarnt hatten. Abschließend soll ich Sie, liebe Leserinnen und Leser, ganz herzlich von meinem Nachbarn grüßen und Ihnen außerdem im Namen unserer Bundeskanzlerin mitteilen: Ihre Spareinlagen sind sicher. Und wie sang einst Heinz Schenk so schön: "Es ist alles nur geliehen / hier auf dieser schönen Welt".

Dies schreibt frank & frei

Ihr

Frank Mignon


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